Willkommen an der Dankbar, oder: Lust auf einen Drink?

Hallo, ich freue mich, dass Du hier bist, heute möchte ich Dich auf einen Drink einladen. Hast du Lust dazu?
Vorweg:
Manchmal habe ich intensive Träume, meistens kurz vor dem Erwachen. Ob ich Träume für sinnvoll halte? Nun, da ich an einen Schöpfer glaube, der meinen Körper meisterhaft bis in die atomare Ebene meiner Zellen geplant hat und mich am Leben hält, erschließt sich mir nur die einzig logische Erkenntnis, dass Träume wichtig sind und einen Sinn haben. Sonst hätten wir wohl keine, oder?
Inwieweit Träume unser Wachleben beeinflussen oder umgekehrt, weiss ich noch nicht, habe aber jede Menge Ideen dazu.
Nur soviel: Träume sind Träume!
Also, die meisten unserer Wortspiele stammen tatsächlich aus diesen Morgenstunden kurz vor dem Aufwachen. Ebenso dieses!
Willkommen an der DANKBAR!

Ich bin im Restaurant eines unglaublich luxuriösem stattlichem Hotel zu Gast, es ist früher Abend und man kann durch grosse geöffnete Flügeltüren das Meer sehen, es ist warm und die frische Brise von draußen tut gut. An einigen wundervoll gedecktenTischen sitzen Menschen und speisen erlesene Köstlichkeiten. Es duftet herrlich, die Gerichte scheinen sehr zu munden, es wird sich angenehm unterhalten. Ich höre leise Klaviermusik, nicht aufdringlich. Eine sehr schöne einladende Atmosphäre. Ich bin, so scheint es, alleine unterwegs und gehe direkt auf die schillernde Hotelbar zu.
Spätestens hier wird denen, die mich kennen klar werden, dass es sich in der Tat um einen Traum handeln muss, denn alleine in den Urlaub zu fahren und dann noch eine Bar aufzusuchen würde in meinem echten Leben definitiv nicht vorkommen. Bisher jedenfalls nicht.
Ich schreite also festen Schrittes in Richtung Theke und
setze mich auf einen dieser bequemen Barhocker und warte. Ich habe Durst, was trinke ich denn nur?
Nach einer Weile in Gedanken und Beobachtungen versunken, fällt mir ein leuchtender Schriftzug in einem der Regale auf.
Die Bar hat viele Glasregale mit unzählbaren Flaschen und Karaffen, Krügen und Gläsern bestückt. Alles blitzt und steht an seinem Platz. Und während ich mich noch frage, welches Ordnungssystem hier wohl eingesetzt wird, sticht dieser Schriftzug doch erheblich hervor. Ich kann gar nicht mehr
wegsehen.
WILLKOMMEN AN DER DANKBAR ist dort zu lesen. Was für ein lustiger Name denke ich noch, als der Barkeeper mich sanft aus meinem Tagtraum holt und sich lächelnd an mich wendet:
“Willkommen an der DANKBAR, Lust auf einen Drink?“
Erst jetzt merke ich, wie durstig ich wirklich bin, deswegen bin ich schließlich hergekommen. Ich habe Lust auf einen Drink, und nicke meinem Gegenüber etwas verlegen zu. Viel Barerfahrung habe ich nicht.
Der Barkeeper dagegen scheint seine Aufgabe sehr ernst zu nehmen, ich gewinne den Eindruck, dass er schon sehr lange hier arbeitet, es scheint seine Bar zu sein, denn er dreht sich um und inspiziert die gesamte Wand mit Argusaugen. Und: er lächelt zufrieden. Er trägt weisse Handschuhe. Kein Staubkörnchen weit und breit. Alles ist in bester Ordnung und blitzeblank.
Er lächelt zufrieden. Ob er eine Empfehlung für mich hat?
Willkommen an der DANKBAR!
Diese Leuchtbuchstaben sind irgendwie magisch.
Immer noch in Gedanken versunken bemerke ich, dass die Gäste vom Abendessen mittlerweile alle den Saal verlassen haben. Dann sind wir also allein. Der Mann hinter dem Tresen und ich. Außer dem Wind und dem sanften Rauschen des Meeres ist nichts zu hören. Die zauberhaften Gardinen aus echter Chantilly-Spitze an den Türen zur Seeseite wehen langsam hin und her. Das Klavier ist verstummt. Doch ich scheine alle Zeit der Welt zu haben. Und ich sitze hier an dieser Bar, habe Durst und kann mich nicht entscheiden. Ich brauche Hilfe, was trinkt man denn hier so im Allgemeinen und habe ich überhaupt noch die Zeit auszutrinken, wenn alle Gäste schon weg sind? Ist hier gleich Dienstschluss?
Der Barkeeper, (an wen erinnert der mich nur?) beruhigt mich mit sanfter Stimme: „Gerda, du bist hier an die DANKBAR gekommen, Deine Zeit ist jetzt gekommen. Du bist bereit!“
Moment mal, woher kennt dieser Barmann meinen Namen und wozu bin ich bereit?
Fragen über Fragen und immer noch Durst. Der Mann hinter der Bar lächelt zufrieden und dreht sich um, mit dem Gesicht zur Wand, zur Wand mit den 1000 Flaschen. Er beginnt zu erklären: Schau mal, auf dieser Seite hier links sind alle DANKE -Situationen gesammelt, in denen Du jemandem etwas von Dir geschenkt hast. Zeit, Geld, Geduld, Liebe, Verständnis, Schulbrote, Energie, Kraft, Liebe, Hilfe, ein Ohr, eine Autofahrt, eine Karte, eine Ermutigung, ein Anruf, ein Kuchen, ein Wort, eine Tasse Tee, einen Gefallen, eine neue Windel, eine durchwachte Nacht, etwas von Dir für einen anderen.
Wow, das ist fast ja die Hälfte der gesamten Fläche, gefüllt mit dankenswerten Taten von mir. Ich staune, das kannst Du dir sicher vorstellen.
Und die andere Seite? Das sind die Momente, die Augenblicke, in denen Du von Herzen DANKBARKEIT gezeigt, gefühlt und ihr Ausdruck verliehen hast. Für Unterstützung, für Liebe, für Freundschaft, für Hilfe in der Not, für Begleitung, für Versorgung etc.
Ich glaube schon, dass ich ein dankbarer Mensch bin, aber das hier zu erleben ist komplett etwas anderes. Auch, wenn es nur ein Traum ist, laufen mir die Tränen. Mein Leben, ein Geben und Nehmen im Einklang, sehen zu dürfen.
Ich bin völlig verblüfft, wo bin ich überhaupt, wer ist dieses Tresenwesen und warum tritt in der Mitte der Barwand jetzt auf einmal ein neues Regal zu Tage das noch mehr zu leuchten und zu strahlen scheint als alles andere. Es ist gefüllt mit kleinen Flacons aus Bleikristall und wunderschönen Ampullen, in allen Regenborgenfarben schimmernd. Überforderung komplett.
Und als ob Er meine Gedanken lesen könne , sagt er voller Güte mit einer mir bekannten sanften Stimme:
„Das sind besondere edle Tropfen der Dankbarkeit, gesammelt in Deinen dunkelsten Stunden der Verzweiflung, ihr nennt sie Tränen, wir verwandeln sie hier in einem aufwendigen Prozess in himmlischen Edellikör.“
Ehrfurcht und Andacht erfüllen mich. Ich sitze an der DANKBAR meines Lebens, was für eine Ehre, diesen Traum träumen zu dürfen.
Mein Geist wird mit einem Male sehr sehr klar, denn ich weiss in meinem Inneren, dass alle Worte, die dieser Mann hinter diesem Tresen spricht Weisheit für mein Leben bedeuteten. Ich richte mich auf und höre nur noch zu.
Keine Silbe will ich mehr verpassen.
Der perfekte Lebenscocktail, so wird mir dann erklärt, hat Anteile aus jedem Feld der DANKBAR. Ein erfülltes Leben, in dem der Lebensdurst auf Dauer gestillt ist, beinhaltet sowohl die eigene Dankbarkeit, als auch die Hingabe an andere.
Wenn dann noch einige Tropfen „Edellikör“ dazu kommen, ergibt sich ein köstlicher lebenserfrischender Mix.
Diese Mischung bereitet beiden große Freude, dem Keeper und dem Gast.
Dann nimmt Er seinen Cocktailshaker und …

Aufgewacht…

Nachdem ich alles aufgeschrieben hatte, erinnerte ich mich täglich an diesen Traum. Dankbar zu sein und Menschen zu beschenken, zu helfen oder zu unterstützen.
Mir fielen längst vergangene Situationen ein, in denen mir gedankt wurde und ich es als selbstverständlich abgetan habe, ebenso umgekehrt. Ein Danke kommt oft so schwer über die Lippen. Dabei ist es ganz leicht zu sagen:
D A N K E !
Und wofür könnte der Himmel mir danken? Vielleicht, dass ich hier bin, nicht aufgegeben habe und heute eine Einladung an Dich aussprechen kann:
Lust auf einen Drink an der DANKBAR?

Wo und wie spielt DANKBARKEIT eine Rolle in Deinem Leben?
Wie könnte Deine Begegnung an der DANKBAR verlaufen?
Wir alle haben gute Gründe um dankbar zu sein. Vielleicht nicht gleich zehn, aber es gibt sie. Wir dürfen auch Dankbarkeit annehmen, auch wenn vieles, was wir tun, für uns selbstverständlich ist.
Auf alle Fälle danke ich Dir für Deine Lebenszeit, die DU heute mit mir geteilt hast. DANKE

Ich möchte Dir vorschlagen über den Zeitraum von 21 Tagen jeden Abend drei Dinge zu notieren, für die Du dankbar bist.
Dein Leben wird sich verändern.

Dankbarkeit ist der Zauber einer reifen Seele.

Kupke/Neuert; deutsche Aphoristiker und Lyriker

Bis zum nächsten Wortspiel
Herzliche Grüße

Deine Gerda

2 Antworten auf „Willkommen an der Dankbar, oder: Lust auf einen Drink?“

  1. Ich habe Lust auf einen Drink mit Dir an der Dankbar….garantiert keine vergeudete Lebenszeit/auch wenn es Träume sind…eher eine Sehnsucht in mir….Danke Gerda dass es Dich gibt…Du gibst so wertvolle Gedankenanstösse….Marion

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