Fastentage: „Zeiten der Unterscheidung“

Du liebe Seele,
zuerst einmal herzlichen Dank
für die guten und für mich
so wichtigen Rückmeldungen
zu Viola Veilchen.
Ihr berührt mein Innerstes.
❣️Danke ❣️

Heute möchte ich Dich sensibilisieren.
Ja, Du liest richtig. Als ob Du nicht schon sensibel genug wärst.
Doch gerade darum geht es bei unserer nächsten Fastenblume.
Es geht um die eine, elementare, feine und lebenswichtige
Gabe der Unterscheidung.


Ehrlich?
Meiner Meinung ist sie eine der wichtigsten Gaben für Hochsensible Menschen  überhaupt, wenn nicht sogar die Wichtigste!
Neugierig?

Im Leben hochsensibler Menschen
gibt es Tage, an denen die Reizüberflutung aller Sinne einen solchen Hochstand erreicht, daß die Basis des betroffenen Gehirns zusammen mit einem guten Cocktail an allerlei namenhaften Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin gerade genug Kapazitäten hat um die
(ich nenne sie liebevoll) Daily Basics zu bestreiten, ohne einen Migräneanfall zu bekommen.

Will heissen:
Wenn es eine neuronale Überflutung gibt, ist unser wunderbares Nervensystem in höchster Alarmbereitschaft und läuft, verglichen mit einem handelsüblichen Auto ungefähr 120km/h im dritten Gang.
Kommt bei diesem absoluten Stresszustand zeitnah keine wirkliche Entlastung in Form von frischer tiefer Atemluft (am besten in der Natur), einem Schokoriegel nach Geschmack (am besten mit einfachen guten Kohlehydrathen), einem großen Glas Quellwasser (am besten frisch aus einer Glasflasche oder einer guten Leitung) oder einem Powernap (am besten mit der Schlüsselfalltechnik ca. 20 min),
dann kann es unter Umständen schwer werden, gute und gesunde Entscheidungen zu treffen, die an einem kleinen feinen Unterschied hängen und nicht selten lebensgefährlich sein können.
In einem körperlich/emotionalen Ausnahmezustand ist die Gabe der Unterscheidung oft nicht zugreifbar, zum Teil mit verheerenden Folgen.

 

Ich schreibe hier nicht
von der jungen idealistischen Assistenzärztin, die seit 32 Stunden ohne Pause, ohne Kaffee, ohne Nahrung und ohne WC-Besuch den 104. Patienten untersucht und eine grobe Fehlentscheidung trifft, bei der jemand stirbt. Ich schreibe auch nicht von einem online-spielsüchtigen Jungen, der nach 28 Stunden Dauergefecht einen Kreislaufkollaps bekommt, weil er das falsche Monster erschossen hat, dehydriert ist   und sich kurz vor einem epileptischen Anfall befindet.

Ich schreibe
heute von Dir und mir und dem Besuch auf einer wunderschönen idyllischen Blumenwiese am Stadtrand. Wir haben uns zu einem Picknick verabredet, die Hunde holen Stöckchen und tollen sich im naheliegenden See. Was für ein herrlicher Tag, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Gräser leuchten in der klaren Nachmittagssonne.
Wir hatten beide  eine aufregende nervenaufreibende Woche, da scheint ein bisschen Natur pur gerade richtig zum Runterkommen, denn zugegeben, es war einiges los in unserem kleinen Leben,  Virusmeldungen verbreiten Panik, die Pole schmelzen wirklich, die Frage nach dem Erwerb eines Elektroautos steht im Raum, wir haben jetzt doch KEIN Haus gekauft, die Sorge um die Zukunft der Kinder, das schlechte Gewissen, weil die Kranken in der Verwandtschaft nicht genug Aufmerksamkeit bekommen haben, dann die Idee eines eigenen Gewächshauses, zwischendurch die furchtbaren Berichte neuer Flüchtlingsdramen und immer wieder neue Meldungen über diesen Virus, dem mit dem unglaublichen Namen, der eigentlich doch im poetischen Sinne Krone oder Diadem heisst, manchmal sogar Lichtkranz.

Klarer Fall von beginnender Reizüberflutung im Vorfeld, oder?
Ich bemerke doch schon seit Tagen ein Zucken meiner Augenlider
und einen feinen dumpfen Schmerz an meiner rechten Schläfe, außerdem gähne ich andauernd. Eigentlich glasklare Symptome einer beginnenden Flutkatastrophe in meinem kleinen Kopf.
Das mein Herz mit all den Leidenden mitfühlt, ist ausser Diskussion, und kostet Kraft. Was für eine verrückte Welt ist das gerade.
Ich habe mich sehr auf dieses Picknick gefreut, am Stadtrand, in Ruhe,  und im Sonnenschein, ich möchte ja auch wirklich wissen, wie Deine Woche war.
Anfangs höre ich Dir auch noch zu, dann höre ich nur noch hin, bis der unglückliche Punkt unseres Gespräches erreicht ist, ich höre mir Deine ganzen Reizthemen nur noch an und bin leider in Gedanken
(die paar, die ich noch klar kriege, so kurz vorm Dammbruch)
schon wieder ganz woanders. Leider sehr typisch für Feingeistige!
Ich sage zwar noch zwischendurch: „mhm, ja, echt?“
Aber meine müden Augen haben da hinten am Rande des Sees etwas Riesiges ins Visier bekommen! “Ist das nicht?“
Moment mal!!
Ich entschuldige mich bei Dir und fordere Dich auf, schnell mit mir zu dieser außerordentlich schönen und riesengroßen Pflanze zu laufen.

 

Und dann stehen wir vor ihr!
Sie ist riesig, schön und sie erinnert mich sofort an meine absoluten und konkurrenzlosen, magischen, mystischen und himmlischen Wesen. Es ist ein Wunder für für mich, denn das, was wir beide hier heute an diesem Nachmittag trotz drohenderer Migräne meinerseits
(ich glaube, wir kriegen ein Gewitter, ich muss nachher unbedingt meine Migräne-App nach der Biowetter- Prognose fragen)
und mäßiger Begeisterung deinerseits, (du hast längst bemerkt, daß ich überall bin, nur nicht bei Dir) ist diese Grazie vor uns, eindeutig meines Megagedächnisses zu urteilen, ein echter riesiger wunderschöner echter Engelwurz.

Richtig gelesen:
Ein echter Engelwurz bei uns auf der Wiese am Stadtrand, im Sonnenschein, aber das schrieb ich ja schon.
Ich bin ausser mir vor Begeisterung! Das kann doch gar nicht wahr sein.
Ein kurzer Blick (okay, er dauert wegen den Kopfschmerzen etwas länger) in meine Gedankenpalastbibliothek und schon sprudelt es aus mir heraus:
„Darf ich vorstellen, heute haben wir beide das große Glück eine DER wirksamsten hiesigen Heilpflanzen gefunden zu haben. Ich präsentiere Dir die große, die riesige, die grüne und aus der Familie der Doldenblüter stammende wundervolle vor Heilkraft nur so protzende
Angelica archangelica, genannt Echter Engelwurz ! 
Volltreffer, die Wurzel dieser Pflanze ist in der Lage, unsere Immunabwehr zu stärken, Verdauungsprobleme zu lösen und früher hat sie sogar Einsatz bei Cholera und Tuberculose gefunden – und sie hat nachweislich gewirkt. Was haben wir für ein Glück, oder?“

Jetzt bin ich hellwach: “Vielleicht stehen ich und Du gerade vor der ultimativen Lösung in der Behandlung dieses Kronenvirusses.
Man, das da noch kein anderer drauf gekommen ist.“
Es gibt kein Halten mehr für mich, ich will, ich muss diese Pflanze irgendwie ausbuddeln und mitnehmen. Gerade als ich mich ihr auf 5 cm genähert habe, höre ich Dich rufen.

Es ist eher ein Schreien!
Halt, Stopp, Gerda, bitte nicht anfassen, Hände weg vom Gewächs!“

Was ist jetzt denn los? Ich bin gerade dabei die Welt zu retten
und uns beide berühmt zu machen, fassungslos und zutiefst erschrocken sehe ich Dich an. Deinen Blick werde ich niemals wieder vergessen. Du ringst nach Luft, kannst Dich aber schnell wieder sammeln und gibst mir folgendes zu verstehen:
“Liebe Gerda, Du hattest eine intensive Woche, Du bist kurz vor einem Kurzschluss in Deinem neuronalen System, Du hast schon Kopfweh.“
Ich frage mich noch, wann Du endlich zum Punkt kommst, als mir etwas  schummerig vor Augen wird und ich nur noch von weitem etwas, gleich einem verschwommen Rauschen vernehmen kann:

„Du bist gerade dabei, eine der gefährlichsten Giftpflanzen des Landes auszubuddeln. Du stehst vor einer Herkulesstaude, oder einem Riesenbärenklau. Schau doch mal genau hin!
Bei diesem schönen Sonnenwetter wirst Du Dir lebengefährliche Verbrennungen und schwerste Hautentzündungen zuziehen.
Es ist Unkraut, also sofort die Hände weg vom Gewächs!“

Dein letzter Satz hat dieselbe Dringlichkeit, als ob ein Notarzt beim Defibrilieren eines stehenden Herzens seinem Team: „Hände weg vom Patient“ zuruft.

Mit einem halben Rückwärtssalto lande ich im Gras, im immer noch  grünen Gras auf einer Wiese am Stadtrand an diesem herrlichen Nachmittag mit Dir. Die Vögel zwitschern immer noch.
Mein Schädel brummt und – klar,
ich heule.
Stille!
Du hast inzwischen die Picknicksachen zusammengeräumt,
die Hunde wedeln mit ihren Schwänzen.
Auf dem Weg zum Auto?
Schweigen!
Ich bedanke mich bei Dir mit einer stillen Umarmung. Du sagst, ich soll mich später melden und etwas trinken, etwas essen und früh ins Bett gehen. Ich weine, nein, mittlerweile schluchze ich.

Wie konnte ich nur?
Du hast mich vor einem großen Fehler bewahrt.
Es sind doch nur ein paar winzige Unterschiede zwischen dem echten heilenden Engelwurz und der hochgiftigen Herkulesstaude,
man, die kennt man doch. Die kenne ich doch.

Wäre ich nicht so überreizt gewesen, von der Woche, den Nachrichten, den Sorgen, und und und … dann hätte ich uns dieses miese Picknick ersparen können. Ich kann nur hoffen, daß Du mir meine Überheblichkeit und Gemeinheit Dir gegenüber vergibst.
Ich bin mal wieder völlig über das Ziel hinausgeschossen und bei meinem nervlichen Ausnahmezustand hatte ich keinen Zugriff auf die wichtigste Gabe im Leben eines hochsensiblen Menschen.

Ich lade Dich heute ein, einmal zu beobachten, wie voll Dein Neurospeicher schon ist, wie gut und fein Du noch in der Lage bist zu unterscheiden. Wie oben geschrieben, manchmal sind es erst die Details, die eine echte Unterscheidung möglich machen.
Das gilt nicht nur für Pflanzen, das gilt auch für Menschen, die mit uns in Kontakt treten, für Dinge, die beim Einkauf unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, um Geschichten von Leiden, um Nachrichten und um soviel mehr.
Der Fastentag heute steht unter dem Unterscheidungsstern!!
Tut mir diese Person heute gut oder eher nicht?
Bekomme ich bei diesem Treffen Kraft oder eher nicht?
Lohnt es sich, die Fenster heute zu putzen oder nicht?
Muss ich sofort alles stehen und liegen lassen, weil eine Not nach mir ruft oder eher nicht?
Habe ich heute genug Kraft und Mut für eine Auseinandersetzung mit einem Liebsten oder eher nicht?
Betreffen mich die Nachrichten in meiner Persönlichkeit, kann ich hier und heute etwas zum Weltfrieden beitragen oder eher nicht.
Muss ich diese unangenehme Post heute öffnen und sie sofort bearbeiten, oder eher nicht …

Glaube mir,
meine liebe Freundin,
mein lieber Freund, lieber Leser!
Wenn Du bemerken solltest,
daß der freie Zugriff auf die
kostbare Gabe der Unterscheidung,
(manche nennen es auch Intention)
in irgendeiner Weise blockiert ist,
du ein Zucken in den kleinen Muskeln verspürst,
müde und angestrengt bist,
ist es Zeit –
nein, nicht für ein Picknick am Stadtrand mit Deiner Freundin .

Dann ist es allerhöchste Zeit für ein Fasten von allen Sinnensreizen von aussen, Dir und Deinen Liebsten zu Liebe. Denn nur dort, in der Stille und der Ruhe des Geistes, im Zentrum Deines Herzes, nur dort kann die Gabe der Unterscheidung ausgepackt und siegreich eingesetzt werden.
Das wünsche ich uns von Herzen. Ich habe eigentlich auch keine Lust mehr auf Rückwärtssaltos, nur weil ich mich wieder hinreißen lassen habe und nicht genug kriegen konnte, von den Dramen und dem Elend.

Morgen werde ich ich Dir einen Blumenstrauß mitbringen, aus meinem Lieblingblumenladen, bei der Floristin meines Vertrauens. Ich denke dabei an irgendwas Harmloses wie Goldregen mit Maiglöckchen.

Wieder keine Blume für unsere Vase!
So ist das, wenn einem die Unterscheidungskraft fehlt.

Morgen ist ein neuer Tag,
ich wünsche uns Klarheit,
Mut und Sicherheit im Unterscheiden !

In diesem Sinne,
Du liest von mir!

❣️Deine Gerda❣️

Mögest Du in diesen Tagen das Unkraut in Deinem Leben sehen und gute Ideen bekommen, wie Du es schonend aber endgültig los werden kannst. Für manches Unkraut werden Profis zur Beseitigung gebraucht. Sei erwachsen und hole Dir bitte Hilfe, frage jemanden, der sich mit Deinen seelischen Herkulessstauden auskennt, vielleicht einen echten Engel, oder so.
Das nur am Rande bemerkt, wenn ich klar bei Verstand bin, weiß ich vielleicht jemanden, der helfen kann.
Ganz sicher sogar.

 

Waldo Emerson ,
ein amerikanischer Philosoph soll
einmal so treffend zum Thema gesagt haben:

„Was ist ein Unkraut?
Eine Pflanze, deren gute Eigenschaften
noch nicht entdeckt wurden!“

 

Da bin ich wirklich bei voll bei ihm.
Wie gut, daß es solche Pflanzenforscher gibt, mein Bedarf ist, zumindest für heute gedeckt, also:
bis morgen dann.

PS1:
Für das Wort CORONA fand ich erstaunliche Übersetzungen im
PONS-Fremdwörterlexikon, hier sind einige davon :
Die Krone, der Wirbel, die Tonsur, der Heiligenschein, der Lichtkranz, der Thron, das Gewinde, der Hof, die Königswürde …
Dazu kann ich (noch ) nichts schreiben, so erstaunt bin ich darüber.

 

PS2:
Alle Fotos zeigen, nur um jedes Missverständnis zu vermeiden,
die sog. Riesenbärenklau oder Herkulesstaude.

Eine Antwort auf „Fastentage: „Zeiten der Unterscheidung““

  1. Liebe Gerda,
    auch ich hatte diese Woche mit meinem eigenen Herkules zu tun. Was für ein Stress… und Gefahr für die eigene Gesundheit… und habe daraus meine eigenen Schlüsse und Entschlüsse gezogen. Ich werde mich in Zukunft lieber anderen, pflegeleichteren Pflänzchen widmen…

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