Fastentage: „Lies mal, wer da klammert!“

Du wundervolle Seele,
ich kann Dir gar nicht oft genug
schreiben, dass DU es wert
bist, frei und ungehindert
Deinen Plan vom Leben
zu leben, zu feiern,
zu atmen und
zu klettern.


Im Endspurt dieser Fasten-Resilienz Woche möchte ich mit Dir eine Pflanze anschauen, die die Kraft hat, ganze Häuser zu sprengen, die sich gerne mal mit ihren kleinen Würzelchen festkrallt und zwar nicht unbedingt immer, dort, wo Menschen es mögen oder anschmiegt, je nach Blickwinkel des Geschehens.
Heute schlingt sich alles um Hedera Helix.

Hedera Helix!
Lass ´ Dir diese Silben mal ganz langsam über die Lippen kommen:
Hedera Helix!!
Klingt fast wie ein Zauberspruch aus einem sehr alten Heilkräuternachschlagewerk.
Oder?

Hedera Helix 

Über den gemeinen (echt, so heißt es), über den gemeinen Efeu kann jeder denken, was er oder sie möchte.

Die einen werden sagen,
Wir lieben Efeu“, weil:

  • die Blätter so herzförmig sind
  • er sich so zart immer an etwas anschmiegen muss, um zu wachsen
  • er immerzu grünt, sogar im Winter
  • er gerade zu ein Sinnbild für Liebe und Treue und Freundschaft ist
  • er sogar in der Sage von Tristan und Isolde vorkommt.
    (Die Liebenden wurden im Leben getrennt und für ihre Liebe mit dem Tod bestraft. Damit sie auch dann nicht zueinanderfinden, wurden sie jeweils auf unterschiedlichen Seiten einer Kirche bestattet, die Gräber wurden mit Efeu bepflanzt, der sich im Laufe der Zeit nach oben rankte und sich auf dem Kirchendach ineinander verschlang.)
  •  Efeupflanzen auf vielen Gräbern wachsen, was wohl Ewigkeit bedeutet
  • er pflegeleicht und die perfekte Isolierung mit sich bringt
  • Efeu schäbige Wände zu neuem Glanz verhelfen kann, und schön ist
  • vielen Tieren Schutz, Unterkunft, Kost und Logie kostenlos anbietet
  • diese Wunderpflanze auf keinen Fall Bäumen schadet oder sie gar erwürgen würde, wie weithin geglaubt wird
  • weil er eine anerkannte Heilpflanze und ein Wurzelkletterer ist

Die anderen, die Efeu nicht zu ihren Lieblingsblumen zählen,
hörst Du vielleicht so argumentieren:

  • Efeu ist giftig und ein Wurzelkletterer
  • Er macht ganze Häuserfassaden kaputt
  • Er erwürgt Bäume und erstickt Sträucher, das glaubt nur keiner
  • braucht immer jemanden oder etwas, an das er sich klammern kann
  • zieht Stechmücken und Spinnen an, sowie andere Kleintiere
  • muss ständig beschnitten werden, sonst macht er, was er will
  • verhindert die Belüftung von Räumen durch die Dichte des Blattwerkes

Wie Du selber lesen kannst,
könnten wir beide jetzt efeugetreu immer so weiter argumentieren.  Und das ist genau der Punkt, auf den ich heute hinaus möchte.
Hochsensible Menschen, gerade, wenn sie noch gar keine Ahnung haben, dass sie es sind, neigen dazu, immer alle verstehen zu wollen, Balance in Gespräche, Schlichtungen in Konflikte und Harmonie in Beziehungen zu bringen.
Nur leider ist ein ungeheiltes  hochsensibles Herz sehr anfällig für ungesunde und destruktive Loyalität gerade an wichtigen Stellen,
die einen klaren Stellungsbezug erfordern.
Aus meiner langjährigen Odyssee gerade zu diesem, niemals enden wollenden (typisch Efeu) Thema habe ich folgende Erkenntnisse gewinnen können, wie ein freies Leben gelingen kann, ohne meine Werte zu verraten und mir selber untreu zu werden.
Hast Du einen Moment Zeit?
dann schreibe ich es für Dich hier nieder:

In vergangenen Beiträgen
habe ich schon über die unglaubliche Kraft geschrieben, die darin liegt, den freien Willen und die Persönlichkeit  eines anderen Menschen zu 100% zu respektieren und zu achten.
Schau mal, was für Dich ein zärtliches Anschmiegen bedeutet,
kann für mich ein beängstigtes Bedrängen sein.
Der Anblick herzförmiger Blätter läßt meins tanzen und Deins weinen.

Für Dich ist Efeu die weltbeste Medizin, mich erinnert sie daran, dass letztes Jahr ein kleines Mädchen durch den Genuss der kleinen Efeufrüchte vergiftet wurde und starb.
Du liest schon, was ich schreiben möchte!
Jeder Mensch ist auf Grund seiner Gene, seines Elternhauses, seiner Prägung und Erziehung, seiner Kultur und seiner Erlebnisse genau da, wo er oder sie heute ist: Wir sind verschieden und doch alle gleich.

Deinen Standpunkt zu respektieren, auch wenn dieser sich kolossal von meinem unterscheidet war der erste Befreiungsschlag für mich.
Und phänomenalerweise ist diese Haltung massgeblich dafür verantwortlich, dass ich von meinem Standpunkt (der ja genauso geprägt und geformt wurde) gar nicht weg muss, sondern in Ruhe und Frieden meine Sicht der Welt mit Dir teilen kann, ohne Angst, nicht mehr geliebt oder gemocht zu werden.
Wir sind wertvolle Menschen und haben alle unsere Geschichte .

Die zweite Erkenntnis ist die einfache Tatsache, dass ich ganz alleine, und nur ich die Verantwortung für mein Leben habe.
Im Umkehrschluss trägst Du Deine für Dich.
Will heißen: je besser ich für mich und meine Bedürfnisse die Verantwortung übernehme, desto geringer wird die Lust, mich mit Dir über irgendetwas zu streiten. Ich kann Dir zuhören und wenn ich möchte, auch von Dir lernen und Standpunkte auf ihre Festigkeit überprüfen und falls nötig, auch meinen Kurs ändern.
Ja, Menschen dürfen ihre Meinung im Laufe ihres Lebens ändern,
und sich einem Thema gegenüber neu und frisch positionieren.
Das ist Entwicklung und erwachsen werden.
Ein Hoch auf die edle Kunst der Meinungsrevidierung.

 Die dritte Erkenntnis hat sehr viel mit Hedera Helix zu tun.
Ich habe gelernt mit dem Strom zu schwimmen. Mit dem Strom des lebendigen Heiligen Geistes Gottes. Ich versuche mein Herz mit dem Herzschlag des Himmels zu synchronisieren und ein einfaches und geniales Prinzip aus der Grundlagenphysik anzuwenden.
Ich schwimme mit dem FLOW immer besser und schöner, leichter und lebensfroher, wenn ich den Weg des geringsten Widerstands gehe.
In völliger Gewissheit der Gegenwart Gottes, also sprichwörtlich geistesgegenwärtig unterwegs bin.
Das heißt nicht, dass mein Leben ein Wunschkonzert ist, es heißt nur, dass, wenn mein Lieblingslied gespielt wird, ich bereit bin, mich in diesen Fluss der Ewigkeit zu werfen und loszulassen, ohne Gewissheit, wie und wo ich wieder an Land klettern werde.
Der Efeu krallt oder schmiegt, je nach Betrachtungsweise, immer an die nächstgelegene Stelle. “Een nat anner“ wie wir Ostfriesen denken.
Im Fluss des Lebens zu schwimmen, heißt für mich, zu fühlen und zu sehen, wo der nächste Anschmiege oder Festhaltepunkt für mich ist.
Das bezeugen Erfahrungen aus der Vergangenheit, die allesamt gut ausgingen, sonst könnte ich, hier nicht schreiben.
Aus vielen getragenen und losgelassenen Widerständen bin ich heute sehr viel öfter in diesem Zustand, den Christen selig und spirituelle Menschen wohl Flow nennen.

Du wundervolle Seele,
heute lade ich Dich zu einem besonderen Fasten ein:
wie wäre es, wenn wir beide, für einen kleinen Tag
bewußt darauf verzichten könnten:

  • Menschen nur anhand unserer Persönlichkeit zu beurteilen?
  • Die Schuld und Verantwortung für unser Leben zu verlagern?
  • Auf unsere festgefahrenen Standpunkte zu verharren,
    nur weil wir schon immer gedacht und geglaubt haben?
  • Informationen und Argumente anderer Menschen als Angriffe und Abwertung unserer Persönlichkeit zu interpretieren?
  • Kraft und Energie in Widerstände und Kämpfe zu investieren in den keinerlei Flow oder Gottes Gegenwart für uns zu erwarten sind?

 

 

Mit den herzlichsten Grüßen
und einem kräftigen
Hedera Helix, hurra !
In Respekt und Wertschätzung
all denen gegenüber, die wissen,
wann es Zeit ist sich anzuschmiegen,
wann es Zeit ist, sich festzuklammern,
oder loszulassen.

Ihr seid die wahren Lebenskünstler für mich !

❣️Eure Gerda❣️

PS1:
Der Efeu hat es in sich. Ich habe gelesen, dass dieser Wurzelkletterer schon Eheleute, Förster, Maurer und Gärtner an ihre Grenzen geführt hat. Und da ist es schon wieder:

Hochsensibel zu sein, und gut damit leben zu können, bedeutet für die einen ganz enge und glasklare Grenzen zu ziehen. Gerade in der Anfangszeit des Erkennens scheint das einen großen Mehrwert zu bringen. Sich ganz deutlich abzugrenzen, sehr gut für sich zu sorgen. Die Lebenszeit und den Alltag wieder unter eigene Kontrolle zu bekommen, schildern viele Betroffene als befreiend und wohltuend. Das ist wichtig und richtig!
Solltest Du Dich von allerlei Wurzelkletterern der Vergangenheit gehindert und bedrängt fühlen: Abstand nehmen, auf möglichst große innere Distanz gehen, Rückzug anordnen, ab in die Stille, me-time planen und neu Sortieren.

Hochsensibel zu sein und gut damit leben zu können bedeutet für die
anderen ganz weite und ferne Grenzen zu ziehen, soweit am Horizont, wie es nur geht. Gerade in der Phase, in der Gaben und Berufungen entdeckt und entwickelt werden brauchst Du Platz und Raum,
um Dich auszuprobieren.
Solltest Du Dich in dieser Phase befinden, suche Dir ab und zu Haltepunkte (das können Menschen, Lehrer, Bücher, Seminare, Gottesdienste oder andere anregende Begegnungen sein) an denen Du Dich anschmiegen oder Wurzeln schlagen darfst –
und das mitten im Klettervorgang.
Ausserdem kannst Du bei dieser Weitsicht Deine Feinde und Freunde
viel eher erblicken und Dich dementsprechend lange auf einen Besuch vorbereiten. Schliesslich braucht die Zubereitung einer guten Tasse Ostfriesentee seine Zeit.

 

 

Morgen ist Freitag,
mein Herz ist voller Dankbarkeit,
trotz der Geschehnisse,
für die mein Verstand
nicht reicht.

Du liest von mir !

Eine Antwort auf „Fastentage: „Lies mal, wer da klammert!““

  1. Liebe Gerda, sich sanft anschmiegen oder klammern… das ist manchmal auch eine Ansichtssache. Der eine sieht es so, der andere anders. Das ist so ähnlich, als wenn man eine 6 betrachtet, oder ist es eine 9? Wer hat Recht? Beide oder keiner? Ich denke, manchmal ist es besser, jedem seine eigene Wahrheit zu lassen.

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