Die Reise beginnt – Erstes Ziel: Makrothymia

Die Liebe ist langmütig.
Hallo, da bist Du ja. Wie wundervoll, dass Du Dich traust.
Heute geht die Reise los. Ich habe Dir versprochen, mit Dir das grosse Land der Empathie zu erforschen. Ein Areal, ein Terrain über dessen faktische Größe bislang nur Spekulationen zu finden sind. Nur so viel: es dehnt sich jeden Tag ein wenig mehr aus, nach allen Seiten. Es gewinnt stündlich an Länge, Höhe, Tiefe und Breite, an Gewicht, Dichte und an Klang. Es ist ein Universum für sich, meine Area 50 und jeder Reisende, der zurück nach Hause gekommen ist, war nicht mehr derselbe. Einige sind unterwegs sesshaft geworden, andere kamen nie zurück.

Hey, Du bist noch da, und wagst den ersten mutigen Schritt.
Von hier aus geht es nach Makrothymia. Ein idyllisches Städtchen an einem ruhigen Fluss gelegen, eingebettet in Felder von Lavendel, Hügel von Weinstöcken und Wiesen von Lilien, soweit das Auge reicht. Der Weg dorthin ist gerade und weit, eben und flach, einzig und allein zu Fuß zu beschreiten. Rollstühle, Rollatoren und Krücken sind willkommene Hilfsmittel. Ein Schritt nach dem anderen zu gehen, kein Rennen, kein Laufen. Nur gehen, langsam, fast spazieren
gehen wir, plaudernd und munter. Wir haben Zeit.

Makrothymia ist für ihren reichen Schatz an uraltem Kunsthandwerk und der Fertigung von filigranstem Goldschmuck weit über ihre Landesgrenzen bekannt. Besucher strömen von überall her, um ein paar Tage auszuspannen und sich hier zu erholen. Wer sich hierher auf den Weg macht, sollte erstmal Durchatmen und den festen Willen haben, langsam zu gehen.
Langmut ist unsere Richtung,
was ist das für ein altes Wort, Langmut?

Liebe ist langmütig.
In der Welt der Empathie wirst Du auf Landsleute treffen, die ausgesprochen langmütig sind, die meisten von ihnen haben sich vor Ewigkeiten in Makrothymia nieder gelassen. Von ihnen werden wir viel in Sachen „das-größte-ABER-“ lernen können. Freundliche leise Leute, gute Zuhörer mit einer engelsgleichen Geduld. Ebenso mit Mut, schwierige Umstände auszuhalten und nicht aufzugeben, wenn es knirscht. Makrothymianer zeichnen sich durch ihre gesunde Lebensweise aus, sie lassen sich nicht hetzen, bewahren ihre Ruhe und erledigen gerne Aufgaben, die das erfordern, was viele von uns heute nicht haben. Zeit. – Zeit, Disziplin und viel Geduld.
Wenn Du in Makrothymia durch die Altstadt schlenderst, wirst Du begeistert sein von den kleinen zauberhaften Lädchen mit Werkstätten und Ateliers in den Hinterhöfen. Es sind die fragilen, die feinen und filigranen Gewerke, die hier über Jahrhunderte hinweg ihren Platz gefunden haben.
Wenn Du Dich für Uhrmacherei, Geigenbau, Filigranen Goldschmuck oder Töpfern interessierst, für die hohe Kunst des Bonsai-Züchtens oder sehen möchtest, wie aus Buxbäumchen kleine Seepferdchen entstehen, in den englischen Gewächshäusern vor der Stadt, wird deine Neugier mit Sicherheit gestillt.
Du kannst Großmütter in einem der Cafés Hardanger Lochstickerei zelebrieren sehen oder die Kunst der Klöppelei bestaunen. Du wirst entzückt sein, den Meistern und ihren Gesellen bei der Arbeit zuzuschauen. Inspiration liegt in der Luft. Auch Schreibern von antiken Schriftrollen kannst du hier über die Schulter sehen. Da hälst du den Atem an, denn ein falscher Tintenklecks und der Schreiber fängt von vorne, ganz von vorne an.
Hier wird das Wort FLOW lebendig. Du ahnst dann auch plötzlich, dass Kunst von Können kommen könnte.
Landesübliche Delikatessen werden überall in den urigen kleinen Gourmet-Tarvernen serviert. An den uralten Steinwänden dieser Lokale sorgen nicht nur Werke großer Maler für ein atemberaubendes Ambiente. Nahezu in jedem Haus kannst Du eine Ahnengalerie entdecken. Familie und die Liebe unter den Generationen ist ein weiteres Merkmal dieser Stadt. Essen ist ein Fest.
Käse und Wein in allen nur erdenklichen Varianten, dazu liebevoll gebackenes Brot von Hand geknetet und duftend aus dem Steinofen serviert.
Alles, was Deine fünf Sinne erfassen können, hat eines gemeinsam. Alles wurde von langer Hand geplant, durchdacht und langmütiger Liebe hergestellt, dazu mit großer Hingabe ans Detail. Alle Kelter-Rezepte werden von Sommelier zu Sommelier weitergegeben. Von einer Generation zur nächsten wird das Wissen aus Jahrhunderten bewahrt. Um einen Meistertitel in Makrothymia zu erlangen bedarf es Jahre der Übung, des Trainings, des Verzichtes, der Verfeinerung, der Hingabe, des Scheiterns und des Langmutes.

Soviel zum Ziel.
Dank kurzer Wege ist der Plausch an der Tür das Normalste der Welt und da Gastfreundschaft im Grundgesetz verankert ist, verabredet man sich am Telefon zu gemeinsamen Treffen, oder schickt eine Brieftaube vorbei.
( kleiner Scherz)

In Makrothymia bekommt alles seine Zeit, die es benötigt, um zu reifen, Reifezeit. Selbst Beziehungen reifen – durch Zeit.
So wie der Wein, der Käse, die Geige, die Brosche oder das Brot seine eigene Reifezeit benötigen, so sind auch Du und ich an unterschiedlichen Reifepunkten in unserer Entwicklung. Das ist gut so. Auch was unsere Langmutreife betrifft.

Makrothymianer sind die Empathen, zu denen folgende Charaktereigenschaften gehören:

Liebe
Ausdauer
Nachsicht
Geduld
Milde
Umsicht
Toleranz

Empathen mit dieser Persönlichkeitsstruktur können warten, handeln besonnen, leben gelassen, strahlen Ruhe aus, sind friedlich, vergeben schnell, schlichten im Streit, verlieren nie die Hoffnung und sehen in der dunkelsten Stunde der Nacht bereits das Morgengrauen. Sie bleiben dran.

Jeder, der sich mit der Welt der Empathie befasst, wird automatisch und immer zuerst hier landen.
Liebe ist langmütig.

Wir sind auf dem Weg, das erste Ziel vor uns.
Einen Fuß vor den anderen zu setzen, könnte schwer für Dich werden, vor allen Dingen, wenn Du bis heute nur gerannt bist. Wir werden langsam, aber stetig voran schreiten, bis wir da sind.
In Makrothymia, um dann bei einer Flasche Chateau-d’Yquem 1890, unser frisches Baguette ala Parisienne ins Käsefondue Bitto storico tauchend, ein wenig zu plaudern.
Wir haben Zeit.

Und nach einer Weile, geht es für einige von uns weiter, einige werden hier bleiben und wieder andere kehren zurück nach Hause.
Für die dritte Gruppe: DANKE für eure Zeit, der Rückweg geht schneller. Alles Gute für Euch.

Für uns, die wir weiterziehen, sei nur soviel zu verraten:

Liebe ist freundlich.

Bis wir uns wieder sehen
Bleiben wir langmütig

Deine Gerda

PS: Makrothymia ist das griechische Wort für Langmut.




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