Der 5.Dezember „Einladung zum Weihnachtsmarkt“

Der 5. Dezember 


Du liebe Seele,
heute wollte ich eigentlich der großartigen, klugen und schönen Märtyrerin Barbara, die zur Christin geworden, eben wegen diesem Glaubensschritt brutal gequält und ermordet worden ist, einen blog-Beitrag widmen. Zu ihrem Gedenken stellen sich viele Menschen am 04.12. einen Obstzweig, den sog. Barbarazweig ins Haus, und warten, ob dieser dann an Weihnachten blüht. Es gibt viele Erzählungen und Legenden über Barbara, die in einer Zeit von massiver Christenverfolgung mutig ihre Frau stand.

Doch dann kam mir etwas dazwischen.
Hochsensibel zu sein, heißt:
Störungen haben Vorrang,
immer!


Wollen wir mit ein paar Leuten zum Weihnachtsmarkt? 

Eine ganz normale Frage, die da an mich erging.
Auf den Weihnachtsmarkt? Mit ein paar Leutchen? Nächste Woche?
Eine kleine Runde kann doch nicht schaden, oder? Auch wegen der Gemeinschaft und überhaupt gehört der Besuch des Weihnachtsmarktes doch wohl genau so zum Advent wie all das andere, was angeblich zum Advent gehört, oder nicht?

Ratter ratter,
so geht es in dieser Milisekunde in meinem Gehirn schon wieder los. Für hochsensible Menschen kann eine einfache Einladung zum Weihnachtsmarkt eine mittlere Migräne oder eine leichte Form von Panik auslösen, wenn man nicht geübt und einigermaßen fit ist.
Wie wird das werden? Die Geräusche, die Gerüche, die Menschen,
das Gedränge und dann noch der Blitzgedanke an den letzten Zeitungsartikel, das der komplette Marktplatz umgestaltet wurde.
Oh nein. Hilfe!

Da ich in den letzten Jahren immer mehr gelernt habe, auf mein Herz zu hören, daß heißt meiner Intuition zu folgen, darf die Heilige Barbara für heute in ihrem Reliquienschrein bleiben, ist ihre Geschichte auch noch so erzählenswert. Eine stille Gedenkminute an alle, die in der Vergangenheit  ihr Leben für eine gute Sache hingegeben haben.

Mir geht es hier und heute um die Gegenwart von vielen empfindsamen Menschen, die sich gerade jetzt mit ihren feinen Sinnen dem alljährlichen Adventsfieber ausgesetzt sehen.
Mit mehr oder weniger Freude und trallala.

Damit Deine Adventsfreude neu entfacht oder überhaupt wieder in Dein Leben kommen kann, stelle ich Dir im Laufe unserer Adventsreise ein paar hart erprobte Strategien und Präventionsmaßnahmen für sensible Gehirnträger vor.
Du wirst sehen, sie wirken!

Strategie 

Ich habe nach dem Erhalt dieser einfachen, doch herausfordernden Einladung eine Strategie gewählt, die ich Dir heute vorstellen möchte. Ich nenne sie liebevoll den „Probelauf“.
Letztens las ich (mal wieder im Wartezimmer) daß Rennfahrer, bevor sie ins echte Rennen gehen ihre Route mental immer und immer wieder durchgehen, quasi die ganze Strecke in Gedanken abfahren. Immer und immer wieder. Simulation nennt man das wohl.
((Da fällt mir gerade wieder ein, wie oft mich andere für eine Simulantin von verschiedensten Krankheiten gehalten haben, nur weil ich immer viel zu früh zum Arzt gegangen bin und ihre Messgeräte meine feinen Körperdissonancen nicht diagnostizieren konnten.))

Doch nun zurück zu der Frage des Tages:
Gerda auf dem Weihnachtsmarkt, nächste Woche, mit ein paar Leutchen, nur eine kleine Runde. Kann das gehen?
Ich glaube: JA !

Simulation

Ich bin keine Rennfahrerin, aber der Gedanke, gut vorbereitet in ein Treffen jeglicher Art zu gehen, kommt mir mehr als gelegen.
Also habe ich mir heute morgen meinen lieben Mann geschnappt und habe sozusagen einen Probelauf über unseren Weihnachtsmarkt gemacht. In Ruhe, bei Tageslicht und ohne Gedränge.

Was soll ich schreiben?
Die Stadt hat zusammen mit dem Einzelhandel tatsächlich ein völlig neues und schönes Konzept auf die Beine gestellt, was grundsätzlich wunderbar für die zu erwartenden Gäste ist.
Nicht so für uns Hochsensiblen. Jede Veränderung löst erstmal eine Art Verwirrung aus. Wir lieben die Routine, Sicherheit und Vorhersehbarkeit und Verlässlichkeit, auch bei Menschen.
Dieser Probelauf heute morgen hat mir sehr gut getan.
Tatsächlich ist nichts fast mehr an seinem Platz geblieben,
aber ich konnte mir einen ersten sicheren Überblick verschaffen.

Orientierung 

Mir bot sich ein komplett verändertes Marktbild mit der Kräuterbononfrau vorne, dann der Honig-Met-Stand und die Bühne. Daneben die Berliner und Süßwaren, die Crêpes, anschliessend die Losbude und der Fischststand, dann Glühwein und Kartoffelpuffer, Handtaschen, Pommes und Co und die Weihnachtsmühle neben der Krippe und auf der anderen Seite ein neuer Stand mit Feuerzangenbowle und Sitzbänken mit Dach, gefolgt von Brezeln, Baguette, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte, dann Gemüsepfanne und der Stand vom Freibad mit Leberkäsbrötchen für den guten Zweck, dann Friesenschmuck und Mettwurst. Mittendrin der Brunnen mit Adventskranz und Hauptgewinn, ein weißes Auto.
So, das war innen. Puh!
Wo ist das Kinderkarusell und die Holzsachen?
Alles anders, zwischendurch Märchenbuden, schön integriert und sehr viele geschmückte Tannen, mehr als letztes Jahr auf jeden Fall.
Ah, um die Ecke geht es weiter, da steht das Kinderkarusell und die andere Pommes/ Bratwurst-Bude, man hat die Straße gesperrt, wie schön das alles aussieht,
Ein Gang mit zwei schönen turmähnlichen Eingängen lädt ein zum Schnüstern, wieder mit einem Lebkuchenstand, Holzspielsachen, und nochmal Friesenschmuck, erneut Taschen und ein kleines Mobil mit Grünkohl, Steckrüben und ostfriesischen Gerichten. Dann die Steintreppe runter zu den Schiffen. Ein Scannerblick verrät mir, daß wenigsten hier alles beim Alten zu sein scheint. Die Segler, die Fähre, alles am Platz. Ganz hinten das Tor zur Stadt und die Fischbude.
Ein erster sehr positiver Eindruck an der Hand meines Begleiters.

Scannerpersönlichkeiten

Dieser kleine Rundgang über den Weihnachtsmarkt zeigt Dir ganz deutlich, womit hochsensible Menschen mit einer angeborenen Scannermentalität es zu tun haben.
Dieser kleine Rundgang, der äußerlich so ruhig und entspannt aussieht, weil da ein Ehepaar am Vormittag Hand in Hand über den Platz schlendert, löst auf einer anderen Ebene, sprich in meinem Gehirn, ein unglaubliches Sinnesfeuerwerk aus.
Jedesmal, immer.
Dieser kleine Rundgang bedeutet für mein Neuronales System Hochgeschwingigkeitsabgleichungen. Verknüpfungen werden gescheckt, Erinnerungen abgerufen, neue Eindrücke geprüft und wenn für wichtig erklärt, abgelegt. Das geschieht alles in Milisekunden.
Dieser kleine Rundgang kostet mich als Feinsinnige auf einer inneren Ebene soviel Kraft, wie für einen Normalsensiblen ein Dauerlauf über 5 km.  Das ist durchaus ernst gemeint.

Nachdem die Stände abgescannt sind, kommen mir die Leute hinter ihren Tresen in meine erweiterte Wahrnehmung. Eine Bonbonfrau telefoniert, (mit wem telefoniert die nur so laut, das möchte ich alles  gar nicht hören) die Losfrau streichelt ihren Hund, (ist das etwa ein Golden Redriver?, wir hatten auch mal einen, oh je er hatte zum Schluss solche Schmerzen), der Zuckerwattemann trägt rosa (toll, rosa steht einigen Männern sowas von gut, es gibt ein Urlaubsfoto von mir und meinem Schatz, ihm steht rosa auch so gut, ein rosa Hemd zu Weihnachten, das wärs doch).
Ratta di Datta, weiter geht´s.
Der Mann am Lebkuchenstand hat seine Ware genügend und ausgiebig selber probiert und bietet uns eine Probe an (leider habe ich meine Schiene drin, er sieht aber nett aus, ich komme beim echten Besuch vorbei, versprochen!). Die Bude mit dem Holzspielzeug ist noch zu (oh je, hoffentlich haben sie genug Personal, ich kenne ja dieses Werk, sie stehen für Inklusion und haben immer Personalmangel)
und der kleine Bulli mit dem Grünkohl (das ist ja mal eine tolle Idee, dieses Restaurant hatte bei der Hochzeit der Tochter meiner besten Freundin den Nachtisch geliefert, das war episch und jetzt stehen die hier mit diesen süßen Bulli, so toll) …
Und beim Blick über das Wasser zur anliegenden Fähre musste ich an letztes Jahr denken, mit zwei Familienmitgliedern an Krücken in meiner Herde und dem verzweifelten Versuch im Dauerregen irgendwo noch einen Sitzplatz zu bekommen.
Wo ist das Jahr nur geblieben? Halt Stop!

Mein Schatz und ich erklären den diesjährigen Weihnachtsmarkt für wunderschön, und machen uns auf den Weg zum Auto.
Was da noch auf dem Wege so alles los war, ist eine Geschichte für sich. Unser Ziel heißt jetzt: Wir kaufen einen Tannenbaum.

Ende der Simulation 

Über die gesammelten, verstörenden Gerüche und die damit verbundenen Gefühle und Erinnerungen habe ich noch keine Silbe verloren, ebenso das unbehagliche Wissen, daß es beim nächsten Besuch vor Lichtern und Lämpchen in allen Farben nur so glitzern und leuchten wird, bleibt erstmal unerwähnt, wenn doch schon präsent.
Manchmal bleibt mein Blick auch bei einem einzigen Menschen hängen, in diesem Fall das junge viel zu kalt angezogene rauchende Mädchen in einer Gruppe Jugendlicher, die mitten auf dem Markt rum albern. Sie sah so traurig und so leer und so kalt aus.
Ein Stoßgebet für sie gen Himmel, und weiter.
Wir haben eigentlich nur eine ganz kleine Runde über unseren schönen Weihnachtsmarkt gemacht, ich weiß jetzt wo welche Köstlichkeit zu bekommen ist, wo ich am besten raus kommen kann,  wo es Sitzgelegenheiten gibt. Beim Ausgang höre ich drei Weihnachtslieder gleichzeitig in unterschiedlichen Lautstärken, Sprachen und Rhythmen.
Könnte man nicht eine Musik für den ganzen Markt erschallen lassen?
Fragen über Fragen und Reize die Fülle heute morgen.

Wie kann man nur so empfindsam sein?

Beim anschliessenden Weihnachtsbaumkauf hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit dem Verkäufer, der mir erzählte, wie schön es ist, Weihnachtsbäume zu verkaufen, weil die Leute alle so nett wären und immer wieder zu ihm kommen würden. Gute Beratung spräche sich eben rum. Unser Baum wurde in ein Netz und in eine Autoschutzhülle gepackt, was einmalig in unserer Stadt sei. Darauf könnte man stolz sein. Ein netter zuvorkommender Verkäufer, der sich über unser Trinkgeld sehr gefreut hat. Ich vermute, die nächsten Kunden wurden mit noch mehr Aufmerksamkeit bedacht. Das muss man mögen. Weihnachtsbaumverkäuferin? Wäre das was für mich?
Wer weiß, immer an der frischen Luft …

Auf dem Nachhauseweg hörten wir im Radio dieses neue Lied, ein Duo singt von der Freude, auf das was, da noch noch kommt.
Ein echter Ohrwurm, wie ich finde. Eigentlich ein positives Lied, bis man sich das Video dazu ansieht, aber das führt jetzt wirklich zu weit.

Ich weiß nicht, was auf Dich zukommt.
Auf mich kommt in der nächsten Woche eine kleine Runde mit ein paar Leutchen über den Weihnachtsmarkt zu. Ich bin gewappnet, so gut ein hochsensibler Mensch in der Adventszeit eben gewappnet sein kann.

Eine kleine Runde 

Liebe Seele,
die heilige Barbara hatte ihr Martyrium, weil sie sich taufen und zu ihrem christlichen Glauben bekannt hat. Sie hat mit ihrem Leben für Ihre Loyalität Gottes gegenüber bezahlt. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass es gerade jetzt, wo Du sicher schwindelig vom Lesen bist, überall auf der Welt geschieht. Menschen werden wegen ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer körperlichen Verfassung ausgegrenzt, nicht selten gefoltert oder getötet.
Man hört und liest nur weniger darüber, trotzdem geschieht es.

Es liegt mir auch ferne, das Leben als
hochsensible empathische Seele
als Märtyrium zu benennen,
zumal es bei bei mir keine Entscheidung,
sondern eine angeborene Grundeinstellung
meines Schöpfers ist.

Sollte Dich in der nächsten Zeit jemand zu „einer kleinen Runde über den Weihnachtsmarkt“ einladen, dann erinnere Dich an diesen Artikel und daß Du nicht alleine bist, die nach dieser kleinen Runde wahrscheinlich erstmal zwei Tage Ruhe brauchen wird, um all die verschiedenen Sinneswahrnehmungen zu verarbeiten.
Vielleicht gibst Du Deinen lieben normalsensiblen Mitmenschen auch diese Zeilen zu lesen. Sie haben wirklich nicht den leisesten Schimmer, wie es uns geht und was wir neben ihnen schlendernd alles erleben. Wie sollen sie auch?

Wie auch immer,
von Herzen wünsche ich Dir
einen schönen Tag
und schreibe heute voller
Liebe und Mitgefühl
für alle Hochsensiblen da draussen,
die noch gegen sich kämpfen,
und leiden!
Ihr seid nicht falsch
und nicht allein.

Mit adventlichen
Grüßen

❣️Gerda❣️

PS:
Natürlich werde ich hier über unseren Besuch auf dem Markt berichten, auch welche präventiven Möglichkeiten es gibt, um ein feingliederiges Gehirn bei so einem Vorhaben zu schonen.

Bis morgen!

Eventuell frage ich heute einen meiner Söhne, ob ich später mal an die Spiel-Konsole darf, um eine echte Rennfahrer-Simulation zu probieren, vielleicht bin ich ja ein Naturtalent und weiß es noch gar nicht.
Kann doch sein, oder?

Und heute Abend? Schön die geputzten Stiefel rausstellen !
Froh und munter bleiben, ihr Lieben.

2 Antworten auf „Der 5.Dezember „Einladung zum Weihnachtsmarkt““

  1. Liebe Gerda, das mit der Simulation ist eine tolle Idee! Sehr schön, dann weiß man, was auf einen zukommt. Ich glaube auch, dass man in eine Simulation auch etwas negatives, ängstliches legen kann. Ist ja nur eine Simulation… und in Echt kommt es dann meist viel besser und schöner als man vermutet (simuliert) hat…

    Liebe Gerda, vielen Dank für diesen wunderbaren Adventskalender. Er ist wirklich etwas ganz Besonderes, so wie Du! So etwas braucht die Welt! 🙂 Und von daher habe ich ihn bereits an einige Hochsensible weiter geleitet…

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