Der 2. Fastentag: „Seht die Lilien auf dem Felde!“

Du wunderbare Menschenseele, 


Heute ist unser zweiter Tag, eine neue Blume für unseren Strauss wartet auf Dich.
Heute möchte ich Dich wirklich zu einem Fasten für Fortgeschrittene einladen, ein Verzicht, ein Loslassen, ein Nichtbeachten, ein Ignorieren
von etwas, woran man sich schnell gewöhnen kann.
Ein Fasten von Deinen und meinen Sorgen.

Wie das gehen kann, ein Sorgenfasten,
und was die Lilie damit zu tun hat?


Heute
geben wir unseren Sorgen mal frei. Wenn wir sie morgen noch brauchen, holen wir sie uns einfach zurück!
Wenn das so einfach wäre.

Hochsensibel
zu sein, wie ich und vielleicht auch Du, bringt die übernatürliche Eigenschaft mit sich, daß wir uns ständig über Irgendetwas und Irgendjemanden Sorgen machen können. Es vergeht kein Tag, keine Stunde ohne Sorgenarlamstufe rot in unseren Schädeln.
Wir sind Sorgenmachermeister/innen.
Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob diese rational oder global, international oder im Jahre 2054 zu finden sind. Wir finden sie alle!
Ohne Anstrengung kommen sie zu uns, einfach so, ohne Einladung oder Aufforderung.

Ich weiß nicht, wie es Dir heute geht. Hast Du Sorgen? Machst Du Dir Sorgen? Bist Du besorgt? Sorgst Du Dich um Jemanden, um etwas?

Vor meiner langen Heilungsreise hin zu einer selbstfürsorglichen hochsensiblen Empathin war die Hauptbeschäftigung meines kompletten zentralen Nervensystems Sorgen in allen Facetten und Auswüchsen zu generieren.  Und das 24/7h.
Ich habe seit dieser Zeit bestimmt 50 Ratgeber gelesen und mit noch mehr Antisorgenmachexperten gesprochen.
Ohne durchbrechenden Erfolg.
Leider.
Das war sehr anstrengend.

Hochsensibel
zu sein, heißt auch ein übermässig hohes Maß an Verantwortung zu tragen. Für alles und jeden. Ich hoffe von Herzen, daß dieser kleine blog dazu beiträgt, daß Du nicht bis an diesen furchtbaren Punkt kommen musst, an dem ich vor langer Zeit stand.
Stand ist nicht ganz richtig.
Lag, lag ist besser geschrieben.

Sich zu sorgen

ist ja erstmal ein edles und feines Ansinnen. Wenn sich diese Sorgen jedoch verselbstständigen, kann es soweit kommen, daß Du komplett handlungsunfähig wirst, vor lauter Sorgen den Segen nicht mehr siehst und bevor Du schnallst, daß die allermeisten Sorgen umsonst sind, kann Dein wundervoller Körper schon erhebliche Schäden davongetragen haben, von Deiner Seele schreibe ich gar nicht erst.

Das sorgenvolle Leben
einer, mit sich und ihrer Gabe unversöhnten Gerda, sah im Durchschnitt etwa so aus:
Eigentlich begann der sorgenbehaftete Tag schon Abends, beim Schlafengehen.
Sorgen überall!
Sorgen über heute, wenn ich nicht perfekt war, nicht das geschafft hatte, was ich vorgenommen hatte, Sorgen über den Schlaf, ob ich wohl genug davon bekomme und meine Lieben auch, Sorgen über gestern und vorgestern, weil ich gehört hatte, wem es schlecht geht, Sorgen über meine Träume, hoffentlich kommt kein Alp heute Nacht, Sorgen, dass der Wecker nicht klingeln könnte, Sorgen, dass jemand sich einen Infekt eingefangen hat, Sorgen, dass mit den Eltern etwas geschieht, Sorgen, was der morgige Tag bringen könnte, Sorgen über den Sturm, Sorgen, ob genug Toastbrot für das Frühstück da sein wird, Sorgen, Sorgen, Sorgen … am Abend.
Sorgen am Morgen, geht es den Lieben auf der Arbeit/ in der Schule gut, die alten Sorgen von gestern nochmal auffrischen, im Radio Sorgenhotline, Sorgen, ob das Mittagessen rechtzeitig fertig wird und schmeckt, Sorgen, daß der Artztermin niederschmetternd ist, Sorgen der Frauen beim Sport, Sorgen beim Einkaufen, warum alles so teuer ist, Sorgen am Mittag …
Sorgen am Nachmittag, die Kinder haben Probleme, die Eltern haben Probleme, die liebe Nachbarin hat Probleme, meine Freundin hat Probleme, und es regnet, ich mach mir solche Sorgen.
Sorgen am Nachmittag.
Völlig erschöpft am Abend mache ich mir schon wieder Sorgen um morgen. Die Nachrichten beruhigen mich überhaupt gar nicht und die Pole schmelzen, Menschen bringen ohne ersichtlichen Grund andere Menschen um, ein Virus hält die Welt in Atem, der Aktionmarkt reagiert empfindlich. Zeit, sich echte Sorgen zu machen, und oh je, ist mein Lieblingsschlafanzug überhaupt trocken, sonst kann ich nicht einschlafen und dann kommt der Alp und ich wache morgen früh mit Kopfweh auf. Ich bin zunehmend  und zutiefst besorgt.
Und das Schlimme war, hatte ich mal selber keine akuten Sorgen, konnte ich in Sekunden auf ein ganzes Portfolio an chronischen Sorgen anderer Personen zugreifen. Oder mir Sorgen aus der Vergangenheit holen, oder aus der Zukunft, oder, oder …

Du kannst Dir vorstellen,
daß diese Spirale von zerstörerischen sorgenvollen Gedanken mich nur in eine Richtung geführt haben. Richtig!
Nach unten, und zwar ganz nach unten. Auf den Boden meiner Lebensfreude, ans Ende meiner Kräfte und hinein in etwas, was Psychologen gerne eine Erschöpfungsdepression nennen.
Da lag ich nun. Fix und fertig von den ganzen Sorgen. Ausgeknockt und darniederliegend. Keine Kraft mehr, völlig leer und UP (ostfriesisch für „fertig mit der Welt“). Dieser Zustand dauerte Monate.
Jetzt hatten die anderen Sorgen, und diese waren echt und real.
Sorgen können krank machen, wenn sie zu lange ihre unheilvollen Kräfte freisetzen können. Kurzzeitige Sorgen sind eher zu bewältigen.

Hilfe, Gerda ist nicht mehr einsatzfähig, liegt platt am Boden. Samt ihren Millionen von Sorgen. Am Ende. Ausgebrannt und lebensmüde.
Ohne Kraft, überhaupt noch an etwas zu denken, geschweige denn sich zu sorgen. Das passiert hochsensiblen Menschen deutlich öfter und deutlich tiefer. Jeden Tag, Auch heute trifft es eine feine Seele.
Besorgniserregend und traurig, oder?

Jetzt kommt die gute Nachricht
und die Geschichte von der Lilie ins Spiel, die mich damals gerettet hat (Neben guten Ärzten, liebevollen klaren Menschen und meinem sicheren Zuhause).

Die Welt hat sich einfach weiter gedreht.
Einfach so! Unerhört, oder?
Ich liege flach und bin einfach zu schwach und zu müde um mir über all diese wichtigen Dinge Sorgen zu machen und die Erde in ihrer Güte bleibt nicht für mich stehen, sie dreht sich einfach weiter.
Ohne mich und meine Millionen von sorgenvollen Gedanken.
Sie dreht sich.
Weiter, immer weiter.
Diese einfache, aber brutale Erkenntnis hat mir mein Leben gerettet.
Zusammen mit guter Medizin und einem liebevollen Umfeld, die mir Zeit und unendliche Gnade zum Gesunden geschenkt haben bin ich langsam wieder auf die Beine und in die Spur gekommen.

Stell Dir vor, Du liebe Seele,
auch wenn Du heute darauf bewusst verzichtest
Dir Sorgen zu machen, dreht die Welt sich weiter.
Solange, wie sie sich drehen soll.
Das Leben wird sich durch unsere Sorgen
keinen Tag verlängern.

Und, das ist mein Geheimtipp:
Indem ich meine Sorgen auf den werfe, der meinen bunten duftenden  Fastenstrauss bekommen soll, sind sie allesamt am besten Ort des Universums. Ich könnte Hundert Situationen erzählen, die sich auf wunderbare Art und Weise aufgelöst haben, als ich endlich aufgehört habe mir Sorgen zu machen oder in Angststarre ständig das Schlimmste zu erwarten.
Lies das bitte mit einem weichen Herzen und verurteile mich nicht.
Zu oft habe ich in meinem Leben hören müssen, ich hätte keine Ahnung, was Sorgen und Kummer sind. Das war furchtbar für mich.
Es gibt immer schlimmere Schicksale als meins und davor habe ich größten Respekt. Aber Sorgen lassen sich nunmal nicht messen.
Noch nicht. Es gibt keine eindeutigen Parameter, weil wir alle verschieden mit den Herausforderungen des Lebens umgehen.
Ich weiß nur eins:
Meine Sorgen haben gereicht, um mich fast zu zerstören. Und das ist nicht übertrieben, sondern nüchtern und rational betrachtet.

Wenn es also jemanden gibt, der annähernd weiß, was es heißt, echte Sorgen zu haben, dann bin ich, so glaube ich, per Betroffenheit  prädestiniert als Anwärterin für den Posten der Bundessorgenministerin.

Wenn Du Sorgen hast, dann hast Du Sorgen.
Es sind Deine und nur Du weißt, wie Du unter ihnen zu leiden hast.
Nur Du!
Ich fühle zutiefst mit Dir.

In einer Bibelübersetzung von 1912 durch Martin Luther fand ich damals im Evangelium nach Lukas im 20 Kapitel eine Antwort auf mein Dilemma mit dem ewigen – mir Sorgen machen:
Lies mal, wie fortschrittlich und klug ich dort beraten wurde:

„Nehmet wahr der Lilien auf dem Felde,
wie sie wachsen:
sie arbeiten nicht,
auch spinnen sie nicht.
Ich sage euch aber,
daß auch Salomo
in aller seiner Herrlichkeit
nicht ist bekleidet gewesen
als deren eines.“

Hallo, Du wundervolle Seele,
halt mal kurz an, pass auf, sieh hin, atme durch und nimm wahr, diese Lilien auf dem Felde, die winzigen Schönheiten im Alltag, diese magischen Momente eines Sonnenstrahls, der sich seinen langen Weg durch die zarten Frühlingsblüten bricht, das reine Lachen eines Kindes, die nette Schuhverkäuferin, das freundliche Gespräch mit der Nachbarin, der aufmunternde Anruf der Freundin, der Milchkaffee mit dem Lieblingsmenschen. All das können Lilien-Zeichen sein.
Nehmet wahr!!
Achtsamkeit ist heute in aller Munde und hochaktuell.

 

Der zweite Tag, eine neue Blume in der Vase unseres Fastens.
Die Lilie gesellt sich zur Passionsblume.
Was für ein Anblick.

Ich binde meinen Fastenblumenstrauss:
mit Leidenschaft und Versorgung.

Sorgen auf eine höhere Macht, in meinem Fall auf Jesus zu werfen ist ein aktiver Akt, wenn auch nicht körperlich .
Obwohl, wenn es gar nicht mehr geht, wickle ich meine Sorgen auch schon mal in einen unsichtbaren Papierknäuel  und werfe ihn tatsächlich – dahin, wo er hingehört.
Solltest Du mich also jemals in einem dunkelblauen Tweedkostüm
vor dem Bundessorgenministerum wild mit den Armen fuchtelnd erblicken, dann mach´ Dir nichts draus, sondern komm bitte gut sichtbar und langsamen Schrittes zu mir, schau mich liebevoll an
und erinnere mich an diesen Blog-Beitrag.

Bis es soweit ist, sehe ich es als eine Ehre und heilige Aufgabe,
Dich daran zu erinnern, daß es jemanden gibt,
der größer ist als alle unsere Sorgen.
Und, ja, die Welt ist vielleicht in unseren Augen nicht in ihrem besten Zustand, doch ich bin mehr als zuversichtlich, solange es Menschen gibt, die diese kostbaren Lilien unter all den Dornen erkennen können, ist noch nichts verloren.
Denn, wer weiss, wo die Sorgen hingehören, und sie dort lassen kann, ist in der Lage, den Besorgten zu Seite zu stehen, sie zu verstehen und sie zu entlasten. So ein Mensch möchte ich sein, von Herzen mitfühlend, doch nicht mitleidend. Ein Ohr für Sorgen haben und den Ort kennen, wo sie hingehören.

Habe einen schönen und
sorgenfreien Donnerstag!

Du liest von mir!

❣️Deine Gerda ❣️

PS1:
Welche heilenden Wirkungen der Lilie zugeschrieben werden?
Dazu bin ich jetzt gar nicht mehr gekommen, verdüddelt,
typisch hochsensibel!
Weißt Du mehr?
Schreibe mir gerne!

Und morgen? Meine Freundin, die Rose …

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch!
1.Petrus 5,7

 

(Alle Blumenbilder findest Du kostenlos auf pixabay.)

Eine Antwort auf „Der 2. Fastentag: „Seht die Lilien auf dem Felde!““

  1. Eine wundervolle Vorstellung, „unseren Sorgen für heute frei zu geben, wenn wir sie morgen noch brauchen, holen wir sie einfach zurück.“ 😉
    Eigentlich haben sie auch mal richtigen Urlaub verdient… und vielleicht auch irgendwann mal den wohlverdienten Ruhestand… wer weiß?

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