Der 18.Dezember „Lametta: ja oder nein?“

Der 18. Dezember 


Du wundervolle Seele,

Ich freue mich, daß Du hier mit mir vor dem 18. Türchen stehst und wartest. Warten gehört wohl genauso zum Advent wie Licht und Liebe, Besinnlichkeit und Vorfreude.

Die Tür öffnet sich, also:

herein in die gute Stube …

 

Da bist Du ja,
wie schön.

Heute möchte ich mit Dir an einen längst vergangenen gehen Ort gehen oder fliegen, diesen Platz, an dem Deine Kinderaugen geleuchtet und geglitzert haben im Schein der Kerzen am Tannenbaum.
Es ist kein realer Ort, nur in Deinem Herzen oder hinten in Deinem Gedächtnis zu finden. Vielleicht benötigst Du etwas Zeit, dorthin zu gelangen. An diesen Platz, an dem Du die Tannenbäume Deiner Kindheit sehen, riechen und bestaunen kannst.
Gab es Tannenbäume in Deiner Familie?

Wo standen sie?
Wer schmückte sie?

Erinnerungen sind kostbar. Die guten und die weniger guten.
Sie haben das aus uns gemacht, was wir heute sind.
Woran erinnerst Du Dich zuerst und welche Bilder kommen, bei einigem Verweilen in diesen Gedankengängen hoch,
um geheilt zu werden?
Fragen über Fragen …

Dazu ein Lied

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
Wie glänzt er festlich, lieb und mild,
Als spräch’ er: wollt in mir erkennen
Getreuer Hoffnung stilles Bild.

Die Kinder stehn mit hellen Blicken,
Das Auge lacht, es lacht das Herz;
O fröhlich’, seliges Entzücken!
Die Alten schauen himmelwärts.

Zwei Engel sind hereingetreten,
Kein Auge hat sie kommen sehn,
Sie gehn zum Weihnachtstisch und beten,
Und wenden wieder sich und gehn:

„Gesegnet seid ihr alten Leute,
Gesegnet sei du kleine Schaar!
Wir bringen Gottes Segen heute
Dem braunen, wie dem weißen Haar.

Zu guten Menschen, die sich lieben,
Schickt uns der Herr als Boten aus,
Und seid Ihr treu und fromm geblieben,
Wir treten wieder in dies Haus!“ –

Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen,
unsichtbar jedes Menschen Blick,
Sind sie gegangen, wie gekommen,
Doch Gottes Segen blieb zurück.

Wenn ich die Worte dieses alten Weihnachtsliedes heute mit Herz und Verstand lese und mir meine Heilig Abende als hochsensibles Kind noch mal aus der großen Bibliothek meines Gedächtnispalastes hervorhole, könnte ich weinen .
Ich habe oft an Heilig Abend geweint, und manchmal auch vor lauter Aufregung gespuckt, bis endlich der ganze Spuk vorbei war.
Ich habe mir oft Sorgen gemacht, ob meine kleine Schwester auch etwas vom Weihnachtsmann bekommt oder ob ihr meins gefallen würde, falls sie nichts bekommt.
Auf den wenigen Familienfotos von früheren Weihnachten sieht man mich meistens mit total verheultem Gesicht.
Übrigens, meine erste echte Migräne-Attacke bekam ich auch an einem Heiligen Abend unterm Tannenbaum geschenkt.
Damals vor über 40 Jahren lernte ich die Wunderwirkung von Schmerzmitteln zu schätzen.
Alles wegen Weihnachten, dem Baum, der Aufregung und der großen Sorge, daß alle zufrieden sein mögen mit mir und mit dem Tannenbaum und den Geschenken.
Für hochsensible Kinder gibt es fast keine größere Herausforderung im ganzen Jahr als diese Stunden vor der Bescherung.
Sie spüren die gesammelten Erwartungen an diesen Heiligen Moment, die unterschwelligen Konflikte zwischen den Familienmitgliedern,
und die Angst, daß jemand sein Geschenk nicht mag, der Braten nicht schmecken könnte oder sonstige Katasrophen.
Sie fühlen die große Traurigkeit, über die, die fehlen, ob verstorben oder gegangen.
Sie achten auf jede noch so kleine Veränderung in der Gestik und Mimik aller Anwesenden. Und oft sind sie komplett übermüdet von all den Eindrücken der Adventszeit.
Geht dann endlich die Tür zur guten Stube auf, gerät das Neuronale System eines hochsensibel geborenen Kindes in eine Art Überlebungsmodus.
Die hellen Lichter, die falschen (sorry, Leute) Töne beim viel zu lautem Singen, das Lampenfieber, das Gedicht nicht mehr zu können und der Blick in Richtung Geschenke, ist die kleine Schwester versorgt?

Wenn ein Kind es bis hier ohne Wutanfall oder ohne zu spucken geschafft hat, kommt die nächste Hürde.
Geschenke auspacken und so tun, als ob man sich freut.
Gleichsam den anderen genau anzusehen, ob sie sich wirklich freuen oder eben gar nicht.

„Was ist denn bloß los mit Dir, es ist doch Heilig Abend, alle freuen sich, Gerda. Und Du? Was stimmt nur nicht mit Dir?“
waren meine Gedanken  immer und immer wieder …
„was stimmt nicht mit Dir??“

Alle lachen und sind fröhlich an diesem so heiligen Abend unter dem Baum, dem Tannenbaum.

Ich erinnere mich noch genau, daß ich an einem dieser besonderen Abende wie in Trance meine gesamte Kraft und meinen verheulten  Blick auf eine winzige Stelle an diesen herrlich leuchtenden Baum fixiert habe.
Mein Fokus war auf einen Zweig der mit LAMETTA behangen war gerichtet, ich verharrte Minuten, nur im Anschauen.

Und ich dachte so bei mir:
„So bist Du, Gerda, wie dieser Streifen LAMETTA. Du leuchtest und glitzerst zwar am Baum, auch wenn Du einfach nur über dem Zweig hängst. Ein Luftzug bringt Dich zum Schwingen, so fein und filigran bist du gemacht. Du gehst schnell kaputt.
Doch wenn man Dich gut und lamettagerecht behandelt, kannst Du viele viele Jahre Deine Bestimmung zum Strahlen erfüllen.
Den Tannenbaum zum Strahlen zu bringen auf eine feine filigrane und sehr glänzende Art und Weise.
So wie Du bist.
Einfach hochsensibel.

Du liebe Seele,
sollte Dir in den
Weinhnachtstagen
ein wütendens,
spuckendes Kind begegnen,
will es Dir und Deiner Familie
nicht das Fest verderben.
Es könnte hochsensibel sein.
Sei gnädig mit ihm,
und wenn Du helfen willst,
frag es, was es braucht.
Meistens reicht schon etwas Ruhe,
oder ein Spaziergang.

Heute mit großem Mitgefühl
für alle Eltern und Kinder
die Hochsensibilität in
ihren Häusern haben.

❣️Deine Gerda❣️

Was die zwei Engel aus dem Lied betrifft:
Ich weiß, daß diese Weihnachtsengel jedes Jahr zu uns kommen, um nach dem Rechten zu sehen. Ich sehe sie mit meinem Herzen.
Und die Frage, ob es LAMETTA dieses Jahr an unserem Baum geben wird?
Wir werden sehen.

Was meine kleine Schwester betrifft:
obwohl sie Jahre jünger ist als ich, habe wir sehr oft die gleichen Geschenke bekommen und daß obwohl wir wirklich sehr verschieden sind.

Ich wünsche Dir heute einen besonderen Segen für den Endspurt,
und für das Schmücken Deines Baumes, mit oder ohne
LAMETTA

Bis morgen.

3 Antworten auf „Der 18.Dezember „Lametta: ja oder nein?““

  1. Liebe Gerda,
    ich bin sowas von bei Dir.
    Erst wenn Heiligabend alle um den Tisch herumsitzen und mit allem versorgt sind, atme ich durch und genieße Weihnachten.

    Mit Lametta!!!

  2. Liebe Gerda,
    für mich war Weihnachten früher auch mit gemischten Gefühlen versehen. Das Schlimmste war eigentlich der „Weihnachts-Tourismus“, von der einen Verwandtschaft zur nächsten, manchmal sogar mehrere Stationen an einem Tag. Und das viele Essen, weil ja jeder so schön gekocht oder gebacken hat… ist ja ganz lieb gemeint, aber… es ist und bleibt einfach zuviel.
    Später, in meiner eigenen Familie, hatte ich mir jahrelang Gedanken um die Geschenke der Kinder gemacht. Leider war meine Vorfreude über (das mit viel Bedacht ausgesuchte, gebastelte oder sonstwie gemachte Geschenk, nur damit ich nicht nur einen Geldschein geben muss) Geschenk viel größer als die Freude der Kinder. Einmal hatte ich ganz viele Münzen gesammelt und zu Figuren auf eine Pappe geklebt, sah ganz toll aus und ich war ganz stolz auf diese Idee… und umso enttäuschter war ich über die Reaktion. Seither mache ich mir nur soviel Mühe, wie ich auch an Reaktion vertragen kann. Also, dass meine Enttäuschung nicht allzu groß ist.

    Liebe Gerda, ich wünsche Dir ein entspanntes und nur mäßig hochsensibles Weihnachten. Fühl Dich ganz doll gedrückt und vielen lieben Dank für Deine tägliche Überraschung im Adventskalender!

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