Der 14.Dezember „Bastelgeschichten“

Der 14. Dezember 


Du liebe Seele

Heute möchte ich Dir ein paar Bastelgeschichten erzählen.
Hochsensible Menschen sind nicht selten sehr kreativ und schöpferisch, was ja gerade in der Weihnachtszeit von großem Vorteil sein kann.

Ich betone:

sein kann.

Basteln:

Etwas zu basteln bedeutet wohl eine handwerkliche Tätigkeit mit bestimmten Materialen, die wenn alles mitläuft ein Kunstwerk ergeben können. Kreativ sein mit Perlen, Holz, Farbe, Ton oder anderen Materialen kann sogar zum Hobby werden und seltenen Fällen auch zum Beruf.
Nach meinen langjährigen Hobbybastlererfahrungen kann ich heute mit ziemlicher Sicherheit einige verschiedene Arten von Bastelphasen im Leben hochkreativer Menschen ausmachen. Je nach Bastelphase legt der hochsensible Hobbybastler seine Aufmerksamkeit in völlig verschiedene Richtungen:
Im folgenden liest Du über solcher Phasen in meinem Leben,
natürlich mit einem Augenzwinkern:

Ergebnisorientierte Bastler
Wie das Wort Ergebnis schon erahnen lässt, ist hier der Weg auf keinen Fall das Ziel. In den ersten Jahren meiner Mutterschaft waren Fensterbilder aus Tonkarton, am besten doppelt gefertigt mit Transparentpapier in den sauber ausgeschnittenen Formen und Figuren der Renner unter den Weihnachtsbasteleien. Damals (Hilfe bin ich alt geworden), also damals gab es in unserer kleinen Stadt genau ein Bastelgeschäft und man hat sich zweimal überlegt, welchen Tonkarton und welches Bastelpapier man sich kauft. Kein Vergleich zu der heutigen Auswahl. Und eine Info an die Bastelküken unter uns. Es gab wirklich kein YouTube-Video zur Anleitung.
Ich hatte mich also damals (größenwahnsinnig) für eine Krippenzsene entschieden und eiferte den Stunden entgegen, in der mein Baby schlief um endlich anfangen zu können. Mit einer Nagelschere und mit viel Freude machte ich mich ans Werk. Ich hatte keine Ahnung wie sensibel so ein Tonpapier und schlimmer noch wie empfindlich dieses Transparentpapier auf den normalen starkriechenden Haushaltskleber reagiert. Nach etlichen Versuchen und einem vollen Papierkorb hatte ich gerade mal den Sternenschweif fertig. Und ich war auch fix und fertig. Doch hochsensible geben niemals auf.
An dieser Stelle folgt ein Geständnis: ich habe mir damals 1991 auf legalem Wege ein Einmalskapell besorgt. Für diese ganzen Rundungen und Ecken und überhaupt. Diese Krippenzsene hat mich viel Schweiß und Nerven gekostet.
Aber: Das ERGEBNIS konnte sich sehen lassen.
Nach vier Wochen waren alle Figuren sauber ausgeschnitten gefüllt mit Transparentpapier ordentlich mit Tesafilm an die Wohnzimmerscheibe unserer ersten Wohnung geklebt. Ich war stolz, eine gute Mama zu sein, die die nicht aufgibt.
Jahr ein Jahr aus klebte diese besondere Bastelarbeit an der Scheibe. Ich habe sie gehütet bis die Hirten sich aufgelöst und Maria in der Mitte durchgerissen ist.
Damals war ein Fensterbild noch echte harte wertvolle Handarbeit.

Erlebnisorientierte Bastler:
Was dann folgte war eine Zeit, in der ich durch unseren Sohn, der einen wunderbaren Kindergarten besuchen durfte, die nächste Seite der Bastler kennen und umarmen lernen durfte.
Der kleine Kerl war sowas von aufgeweckt und auch sehr talentiert mit puzzeln und malen und eigentlich auch mit basteln.
Der erste Muttertag kam und alle (an dieser Stelle sei mir das Absolutwort erlaubt) wirklich alle Mamas bekamen Blümchen auch Mosgummi in kleinen Töpfchen, Körner auf Bierdeckel geklebt, Herzchenmobiles ausgeprikkelt oder wunderschöne Bilder getuscht oder Windmühlen aus Tonkarton oder oder oder.
Ich bekam NICHTS. Aber ich bin doch die Mama, was machen die Erzieherinnen eigentlich den ganzen Tag? Und warum haben die anderen Mamas eine kleine bis mittlere Kunstausstellung zu Hause?
Unser kleiner Schatz war hochzufrieden und hatte überhaupt keine Ahnung, warum seine Mama wohl so traurig war:
Nun, Du kannst Dir vorstellen, dass ich nach dem zweiten Muttertag und dem dritten Weihnachten dann das ernste Gespräch mit der Kindergartenleitung gesucht und gefunden habe. Folgende Lebensweisheit wurde mir in diesen drei Minuten mit auf meinen ganzen weiteren Weg, nicht nur als Mutter, mitgegeben:
“Gerda, Dein Sohn ist ein erlebnisorientierter kleiner Ingenieur.
Er fängt auch jedesmal hochmotiviert an und gibt sein Bestes. Doch dann geschieht es, jedesmal kurz vor der Vollendung schaut er sich sein Kunstwerk an und unter unseren staunenden Augen wird aus der Windmühle eine Zeitmaschine, aus dem Bierdeckel ein Ufo, aus dem Blumentopf ein Haus für Marienkäfer und die Tuschbilder triefen am Ende seiner Balstelzeit so vor Wasser, daß wir sie nur entsorgen können. Du kannst so stolz auf Deinen kleinen Schatz sein, wirklich.“

So war das, ich habe aus der kompletten Kindergartenzeit nicht ein einziges Bastelstück unseres mittlerweile Großen.
Trotzdem bin ich sehr stolz auf ihn und das, was ich in diesen Jahren lernen durfte.
Also: Das ERLEBNIS beim Basteln kann manchmal viel mehr Wert sein als das Ergebnis.

 

Lösungsorientierte Bastler:
Gegen Ende dieser beschriebenen Kindergartenzeit gab es ein neues Bastelmaterial auf dem Markt in unserem kleinen Bastelgeschäft (das ich sehr schmerzhaft vermisse, echt). Es handelte sich um eine Knetmasse, die im Backofen getrocknet und somit für die Ewigkeit konserviert werden konnte.
Also, ich als die Weltbeste Mama machte mich froh ans Werk und plante zusammen mit meinem mittlerweile fünfjährigen Sohn eine echte Sensation. Wir beide, also ein echtes Mutter-Sohn-Projekt würden aus dieser Zaubermasse eine Krippenzsene formen und aller Welt präsentieren. Das war die Lösung, meine Sehnsucht nach irgendeinem anpassbaren Beweis in den Händen zu haben, allen zeigen zu können, wie kreativ und talentiert mein Junge ist.


Um seine Frustationsgrenze so niedrig wie möglich zu halten, fing ich morgens schon mal an Maria und Josef und die Schäfchen und die Hirten und die Engel zu formen und es machte mir riesigen Spass.
Für die Finger meines kleinen Meisters wollte ich die Sterne und die Krippe übrig lassen. Ich weiß nich genau, wie aufgeregt ich an diesem Morgen war. Wir waren mittlerweile in unser Häuschen gezogen und das alte Fensterbild war nicht mit hier her gekommen sondern im Umzugsmüll gelandet.
Aber, Leutchen, was ist schon ein exakt ausgeschnittenes Fensterbild gegen eine ganze Heilige Famiie in 3D? Zum Anfassen von Mutter und Sohn gemacht? Ich war so happy.
Bis, ja bis eben dieser kleine Kerl um die Ecke geradelt kam, sein kleines blaues Fahrrad an die Hausecke schmiss, weil er die Angewohnheit hatte immer schon unterwegs abzusteigen und das Rad Rad sein zu lassen.
Bis dieser Schelm die Küchentür öffnete und mit seiner unverwechselbaren klaren Stimme folgenden Satz in meine Richtung abfeuerte :


„Oh Mami, wie schön, hast Du für mich die SIMPSONS gebaut, der Junge mit dem Schwert sieht ja aus wie BART!“
Ja, Du liebe Seele, du liest richtig!
Die ganze Arbeit, die ganze Freude, die ganze …
Ich habe den kompletten Krippen-Satz sofort in den Müll geworfen unter den Augen eines völlig verwirrten Fünfjährigen.
Meine LÖSUNGSORIENTIERUNG hatte nicht zur Lösung geführt.


Ich brauchte Wochen, um mich von diesem Erlebnis zu erholen.
Auch das ist typisch hochsensibel, leider!
Alles über den Kopf zu werfen, in einer Art Schockstarre.
Sich viel zu radikal und viel zu schnell von Dingen zu trennen gehört auch dazu. Diese „Entweder-Oder“ Handlungen waren damals bei mir an der Tagesordnung. Wie anstrengend!
Heute kann ich darüber schmunzeln, aber in der Zeit damals war es nicht einfach mit mir zusammenzuleben, da ich keine Ahnung von Hochsensibilität und ihren Facetten hatte.
Viel Leid und Schmerz hätte mir erspart werden können.
Und warum überhaupt sollten die Simpsons kein Weihnachten feiern?

Wir konnten diese Simpson-Sache natürlich klären, sie gehört aber immer noch zu unseren Weihnachtsanekdoten.
Gibt es solche auch bei Dir?

Du liebe Seele,
heute habe ich Dir einen
winzigen Einblick in einige
Bastelphasen unseres
Lebens gegeben.
Ich könnte noch Stunden
weiterschreiben,
doch für heute
mag es reichen.

Vielleicht bastel ich nachher noch etwas.
Mal sehen.

Bis morgen,
herzliche Grüße
von
❣️Gerda❣️

PS1:
Wir sind schon immer eine sehr kreative Familie gewesen, das gehört zu unseren Familienschätzen, ob musikalisch, künstlerisch oder praktisch. Wir lieben schöne Dinge und geniessen gute Musik.
Was die Mutter-Sohn-Atkivitäten betrifft, besuchen wir beide einmal im Jahr Kunstausstellung und staunen nicht schlecht über die Ergebnisse.

PS2:
Wie die wechselnden Materialien und der heutige Zugang zu einem breiten Angebot an Videos von Experten zu den verschiedenen Hobbys scheint mir das ganze Leben eine Art Bastelei zu sein.
Mal so, mal so!

PS3:
Woran erinnerst Du Dich, wenn Du das Wort: „basteln“ hörst?
Bist Du auch kreativ oder warst Du es und es darf wieder kommen?
Viel Freude beim Wiederbeleben längst vergessener Fertigkeiten oder beim Entdecken neuer Hobbys.

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