Das Meer ruft – wie ein Freund!

Liebe ist freundlich!

Wie schnell die Zeit vergangen ist. Der Abend senkt sich langsam, aber gemächlich über die Dächer von Makrothymia.
Wir haben viel gehört über die Sanftmut hier, probierten die Köstlichkeiten im Kerzenschein und wurden voller Wärme aufgenommen. Nach und nach verabschieden sich diese großherzigen Menschen von uns. Zeit, weiter zu ziehen.
Du und ich, für uns beide geht es weiter. Wie wundervoll.

Der Weg die Stadt hinaus führt uns an den Hafen. Das Meer glitzert im Mondschein, die Sterne strahlen um die Wette. Es ist eine von diesen milden Sommernächten. Als wir beide die Pier 13 erreichen, kommt uns ein junger braungebrannter Mann, mit einem milden Lächeln auf den Lippen, entgegen und wünscht einen schönen Abend. 

Wie wird es weitergehen?

Am Bootshafen:

Unser Blick fällt unmittelbar auf die vielen verschiedenen Boote, die hier auf ihren Einsatz warten. Übers Meer? Mit einem Boot? Mitten in der Nacht? 

Als ob unser Hafenmeister des Gedankenlesens mächtig ist, erhebt er seine Stimme und richtet sich mit folgenden Worten an uns beide:
“Ihr geliebten Menschen, ich freue mich, dass ihr hier seid. Hier in Makrothymia habt ihr die erste Eigenschaft der grössten Liebe des Universums kennengelernt. Ihr seid mit Langmut, Geduld und Ausdauer in Berührung gekommen. Ihr beide seid hier, um weiter zu gehen, was in eurem Fall bedeutet, euch tragen zu lassen vom Meer der Freundlichkeit. Die zweite unvergleichliche Tugend der Liebe ist FREUNDLICHKEIT.
Das Besondere an dieser Etappe ist, dass ihr sie alleine bewältigen werdet. Nur Du, die Nacht, das Meer, die Wellen, die Sterne und der Wind. Allein SEIN lernt sich gut in der Nacht.
Du darfst Dir für diese Überfahrt eins der Boote aussuchen.
Wie Du siehst, tragen alle den Namen Friendship, Schiffe der Freundschaft. Ziel dieser Meeresüberfahrt ist es, Freundschaft mit Dir zu schliessen. Liebe ist FREUND lL ICH.
Nur, wenn Du Dich mit Dir angefreundet hast, erreichst Du das gegenüberliegende Ufer, den nächsten Ort, wo ein herrliches Frühstück und Deine Reisebegleitung auf Dich warten!“

Unsere Blicke sind wie erstarrt auf die See gerichtet. Was wir da gerade gehört haben, ruft nach Verarbeitung und Nachdenken. Wir zwei wissen jedoch instinktiv, dass Fairhandeln nicht möglich ist. Und jetzt sehen wir auch die Schriftzüge FRIENDSHIP in allen Farben und Formen an den Booten.

FRIENDSHIP

Wir schauen auf Ruderboote, Schlauchboote, Segelboote, Tretboote, Motorboote, Kanus, Kajaks, ein Floß, ein Jetski und ein paar Surfbretter liegen bereit. Bereit um mich und Dich über das Meer der Freundlichkeit zu tragen um am Ende den Freund zu uns selber zu finden. Mir eine oder sogar meine Freundin werden. Das wäre schön. 

ABER, eine ganze Nacht auf einem Boot alleine über ein unbekanntes Gewässer zu schippern löst auch Angst und Unbehagen aus.
Was da alles passieren kann.
Ganz unbemerkt hat indessen eine kleine Segeljolle aus Holz meine ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Friendship – Rasmus lese ich an der Seite des Bootes. Sollte das meins sein?
Kaum ausgedacht, wendet sich der junge Mann mir zu:
„Eine gute Wahl, die Rasmus hat schon viel erlebt, Stürme, Flauten, Untiefen, Sandbänke, Ebbe und Flut, ebenso Seepocken und Termiten. Die Rasmus hat allem getrotzt und hat so manchen Gast sicher und freundlich an sein Zeil gebracht. Sie liebt den Wind, und das Spiel mit der Strömung. Ihre weissen Segel sind wie große Flügel, zum Fliegen über dem Meer. Eine gute Wahl!“

Immer noch über das Tempo, der Dynamik dieser Nacht verblüfft, stelle ich mit Erstaunen fest, dass dieser geheimnisvolle Unbekannte bereits die Jolle startklar zum Törn gemacht hat und mich an Bord bittet.
Ich gehe an Bord und wundere mich über meinen Mut.
„Noch einige Instruktionen für DEINE Nacht: Du bekommst heute Nacht soviel Zeit geschenkt, die es erfordert, freundlich mit Dir umzugehen. Liebe ist freundlich.
Diese Eigenschaften, die sich heute Nacht bei Dir vorstellen darfst Du Dir in Ruhe anschauen, fühlen, und sie in Deinem Herzen bewegen.
Dann entscheidest Du, ob Du sie weiter kultivieren und verstärken möchtest oder ob Du sie liebevoll, aber klar versenkst auf den Meeresgrund .
Ebenso findest Du verschiede Angelruten, für den Fall, dass Dir etwas fehlt, um Deine Freundin zu werden.
Folgende Charaktermerkmale können sich Dir zeigen.
Du entscheidest, es ist Deine Nacht:
Selbstverdammnis, Selbstaufgabe, Selbstliebe, Selbstachtung, Selbstschutz, Selbstbetrug, Selbstverleumdung, Selbstmitleid, Selbsthass, Selbstironie … oder andere Eigenschaften, die Du als Freundin von Dir brauchst oder nicht.
Du hast auch Gelegenheit über Freundlichkeit in Deinem Leben Dir und anderen gegenüber nachzudenken. Wer hat sich Dir freundlich zugewandt, wer nicht. Wo und wann warst Du freundlich zu Dir und zu anderen. Mach Dir um Dinge wie Zeit keine Sorgen. Hier bei uns ticken Uhren in einem eigenen heiligen Herzensrhythmus, so wie DU es brauchst.
Doch jetzt, Leinen los, gute Reise und immer ein herzbreit Glaube, Liebe und Hoffnung unterm Kiel.
Das wirst Du brauchen, mehr als alles andere.
Glaube, dass es möglich ist, freundlich und milde mit Dir umzugehen, dass es sich lohnt, durch diese Nacht zu segeln, auch wenn es schmerzhaft sein wird.
Hoffnung, dass alles gut wird, Du am Morgen dieser Nacht mit Dir befreundet bist, mit Dir dem einzigen Menschen auf dieser Welt, mit dem Du bist zum Ende zusammenleben wirst.
Und Liebe , sie ist das größte ABER. Du wirst der Liebe begegnen, und wenn Du sie erkennst, bekommst Du die Chance, Deine Nächsten zu lieben –  so zu lieben, wie Dich selbst.“

Stille

Ich sitze in der Kajüte der Rasmus, ein leiser warmer Wind lässt winzige Wellen an das Bug schlagen. Durch die geöffnete Klappe meiner Kajüte kann ich den sternenklaren Himmel sehen. Ruhe. Ruhe im Kopf! Surreale Situation!
Surreal alleine deswegen, weil ich mir überhaupt keine Sorgen um Dich mache. Denn normalerweise mache ich mir ständig Sorgen und Gedanken über Dich. Doch jetzt in diesem Moment, so unwahrscheinlich er auch sein mag, spüre ich ein tiefes Vertrauen, dass Du Deine Wahl triffst, ob Du diese Überfahrt antrittst, in Makrothymia bleibst oder vielleicht sogar auf dem Rückweg ins Vertraute bist. Ich mache mir einfach keine Sorgen.
Mir ist klar geworden, dass eine innige ehrliche Freundschaft zu mir helfen kann, echte Freunde da draussen zu finden und eine gute Freundin zu sein, für die, die das wollen. Wenn ich mir selber eine gute Freundin bin, kann ich gelassen und freundlich mit Dir umgehen. Weniger Erwartungen und viel weniger Stress. Ja.

Rausgerissen aus dieser andächtigen Stille werde ich von einen Lied, und das kam mir seltsam bekannt vor:

  Freunde            

Es ist schön, Dich zu kennen,
mit dir zu reden oder auch Musik zu hör’n.
Sogar Schweigen ist nie peinlich,
zwischen uns
und das gut so.
Heucheln und Lügen ist sinnlos,
weil wir uns gegenseitig
fast wie Glas durchschau’n.
Wir machen uns schon lange nichts mehr vor.
Und das ist gut so.
Du hast in meinem Arm geweint,
so manche Nacht mit mir durchträumt,
die letzten Zweifel ausgeräumt,
Ich kenn Dich,
du mich.
Du bist nicht hart im Nehmen,
du bist beruhigend weich,
Dich nicht zu mögen ist nicht leicht.
Du bist kein Einzelkämpfer,
du bist so herrlich schwach,
vertrau mir und benutz mich,
wozu sind denn schliesslich Freunde da?

Ich les‘ in deinen Gesten
und freu‘ mich, wenn ein echtes Lachen klingt.
Die Brücke zwischen uns ist gnadenlos belastbar.
Und das ist gut so.
Wir kosten uns Nerven,
tauschen Ideen und machmal
auch das letzte Hemd,
philosophieren und saufen
und werden uns nie mehr fremd.
Und das ist gut so.
Wir haben uns versöhnt, verkracht,
so manchen derben Witz belacht,
uns gegenseitig Mut gemacht.
Ich brauch‘ Dich und du mich.

Du bist nicht hart im Nehmen,
du bist beruhigend weich,
Dich nicht zu mögen ist nicht leicht.
Du bist kein Einzelkämpfer,
du bist so herrlich schwach,
vertrau mir und benutz mich,
wozu sind denn schliesslich Freunde da?
Wozu sind Freunde da?
(Text & Musik: PUR Hartmut Engler / Ingo Reidl)

Was in dieser Nacht geschieht, ob es uns beiden gelingt eine Freundin für uns und für andere zu werden? Morgen früh können wir uns darüber austauschen, bei einem frisch gebrühten Kaffe am Strand.
Ohne Ereiferung, ohne Eifersucht.

Denn:

Die Liebe eifert nicht.

Für heute sage ich. “Gute Nacht, lieber Mensch.“

Deine Gerda

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung,  Liebe, diese drei.
Das größte ABER ist die Liebe.

 

PS: Friendship ist das englische Wort für Freundschaft

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