ABER, ABER- focus is the new IQ oder: Konzentration bitte!

Hallo, Ich freue mich, dass DU da bist. 

Hast DU Lust mit mir einkaufen zu gehen. 

Ganz unspektakulär. 

Seit ungefähr fünf Jahren finden sich immer mehr Bücher zum Thema: „Wie werde ich wirklich wirklich erfolgreich.“ Das ist lustig, da gibt es die verschiedensten Tips und Strategieideen, wie man ganz schnell ohne Mühe über Nacht ein erfolgreiches Business aufbaut und Millionär wird. 

Von – alles selber in die Hand nehmen – bis – alles liegen lassen und warten. Alles scheint irgendwie irgendwann irgendwo irgendwem zum Erfolg geholfen zu haben, denn diese Bücher werden gut verkauft. Und mal ehrlich, wer möchte das nicht? Erfolgreich sein und Millionär? Vielleicht noch mit dem, was Spass macht?

Ein Autor, namens Jack Canfield (Hühnersuppe für die Seele) prägte meines Erachtens einen bemerkenswerten Satz, im Sinne von, dass es mit Konzentration, Disziplin und Fokus jeder schaffen kann, erfolgreich in allem zu sein. So meint der gute Mann, dass es völlig ausreicht, sich zu einer Zeit auf eine Sache ganz zu konzentrieren, um dann die nächste anzugehen. Er geht sogar soweit zu sagen, dass Intelligenz weniger zum Erfolg führt, wenn nur der Fokus gepaart mit Disziplin stimmen. Na super! 

Ich und Fokus?
Fokus

Leider hat er nicht mit uns gerechnet, mit den hochsensitiven, feinjustierten und hochschwingenden Menschen.

Ich bewundere Leute, die fokussiert und hochkonzentriert so lange an einer einzigen Sache dranbleiben können, bis sie erledigt und fertig ist. Erfolgreiche Menschen bringen ihre Dinge nun mal zu Ende. Mit diesen Zeilen im Hinterkopf genieße die nächsten Zeilen. 

Nur eine Bitte noch: versuche meine Gedanken bitte in doppelter Geschwindigkeit zu lesen, wegen der Dynamik und dem Mitgefühl, was DU nach diesem Beitrag garantiert generieren kannst. Den Erfolg kann ich Dir garantieren.

Los geht es!

Ein ganz normaler Einkauf an einem ganz normalen Werktag in einer Kleinstadt. Nicht auf Lummerland oder Baltrum. Der Plan heisst Butterkuchen mit Kokosraspeln für den guten Zweck. Nachdem ich mich endlich entschieden habe, genau diesen Kuchen zu backen, mein Einkaufszettel sich sicher in meinem Portemonaie befindet, fahre ich los.
Ich habe alles, Geld, Einkaufstasche, Plan. 

Hochsensible Menschen wie Du und ich neigen im Allgemeinen dazu, uns ständig ablenken zu lassen. Wir denken ernsthaft, wir seien für Multitasking geschaffen. Ich muss Dich leider enttäuschen. Das sind wir definitiv nicht.

Auf meiner Liste stehen 10 einfache Lebensmittel, vorsortiert nach Erscheinen im Geschäft.
Im Laden meiner Wahl angekommen, geschieht gewöhnlich folgendes in meinem kleinen Gehirn:

ACHTUNG:  jetzt highspeed-reading aktivieren!

Die Haustür hatte ich doch abgeschlossen, oder? Ja. OK. Ich stelle mein Auto zwischen dem blauen und dem roten ab, vor dem grossen Werbeplakat mit der entzückenden Altenpflegerin und dem älteren Herrn, die in trauter Zweisamkeit eine Tasse Tee trinken. Lächerlich! Aber mein kleiner Flitzer steht gut hier. Gut zu merken, ich werde ihn später doch sicher wieder finden, oder? Ein Einkaufswagen, erstmal den Griff abwischen, soll ja noch Grippe unterwegs sein, das braucht jetzt auch kein Mensch mehr, boah, wer lässt eigentlich immer seinen halben Einkauf im Wagen liegen.
So fertig. Durch die Tür. Ich bin drin.
Taschencheck: Schlüssel, Geldbörse, Zettel raus. So und jetzt an den Blumen vorbei, sind das etwa Callas? Oh wow, zu dieser Jahreszeit. Callas sind so edel, ich hatte doch schon mal versucht eine Calla zu malen, das war nicht einfach, mit Acryl jedenfalls, vielleicht sollte ich mal Aquarell versuchen. Ach Calla, die wurde doch von diesem Physiker und Botaniker aus Italien entdeckt, irgendwas mit Z, oder? Das war doch in Afrika oder in Südamerika? Memo an Gerdi: später Calla googeln. In der Kur hatte jemand gefragt, ob das Trauerblumen sind, finde ich überhaupt nicht, ok, wenn jemand zu Lebzeiten diese wunderschönen Blumen mochte, können sie schon Trauerblumen werden, also ich würde ja am liebsten mit einem Kranz Margeriten um meine Pappurne vor Juist versenkt werden, vielmehr meine Asche und dann mit Rod Steward „I am sailing“ im Hintergrund – STOP, Gerdi!
Also weiter gehts.
Am Bäcker vorbei: Nein, ist heute der Finnische-Kirsch-Kuchen Tag, oh nein, schon wieder Donnerstag, wo bleiben die Tage bloss, vielleicht auf dem Rückweg ein Stückchen. Für heute Nachmittag, Donnerstag ist ja schon fast Freitag. Wochenende, endlich.
So, ich bin am Obst vorbei, so viele Farben, so viele Gerüche, aber Nein, ich bin ja hier wegen dem, ein Blick auf die Liste: Mehl, Mehl, Mehl, wer um alles in der Welt braucht acht Sorten Mehltypen und wo die alle herkommen. Auf Lummerland wäre ich echt besser aufgehoben. Puh. Ganz normales Weizenmehl im Korb.
Echt jetzt, Weizenmehl, da war doch was? Soll Weizenmehl nicht dumm machen? Weizen klebt ja angeblich den ganzen Darm zusammen, was für eine Zumutung, ich kann doch keinen Kuchen backen von dem man zugeklebt und dumm wird. Dann nehme ich das andere, das gute und teure. Glück gehabt, echt, gut , dass mir das noch eingefallen ist.
Ach, das kleine Mädchen ist ja goldig, ist wohl mit ihrer Oma einkaufen, wat niedlich. Vielleicht arbeitet ihre Mutter ja vormittags, so eine tolle Oma. Hoffentlich hat die Mama von der süßen einen vernünftigen Job, man liest ja immer wieder, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Ungerecht eigentlich, in 2019, oder?
  Jetzt steht sie da vorm Gelierzucker, die machen heute bestimmt Erdbeermarmelade, könnte ich auch mal wieder machen. Meine Oma hat sowas früher auch gemacht. Früher hat man ja mit Zucker nicht gespart, wegen der Schlechten Zeiten. Also: Zucker, soll ich echt mit Zucker backen? Zucker soll doch so schädlich sein, hab ich erst letztens in einer Zeitschrift beim Arzt gelesen, Zucker ist an allem Schuld, Fett ist jetzt nett und Zucker ist schlecht. Stand in der Wartezimmerzeitung, da hab ich auch ewig gewartet, nach meiner Bein-OP, ist den Arzthelferinnen auch völlig egal, ob ich da frischoperiert zwei Stunden sitze für drei Minuten Sprechstunde. Echt, unser Gesundheitssystem ist so reformbedürftig, oh nein, ich brauche ja noch ein Rezept, die machen demnächst Urlaub, und die Vertretung? Forget it. Ach im Urlaub war es so schön -STOP, Gerdi: also Zucker, einfach braunen Zucker.
Mir ist heiss, haben die hier die Heizung an? So, was als nächstes? Milch, ok, frische aus dem eiskalten knallbunten Kühlregal, das brummt hier vielleicht, möchte nicht wissen was diese Kühlregale für Stromfresser sind. Milch also: homogenisierte oder ultrahocherhitzte? Da fällt mit gerade ein, als unser grosser Sohn in der zweiten Klasse war, hat er morgens mal hocherfreut erkannt, dass man aus ultrahocherhitzt – Hochzeit – machen kann. Ich liebe diesen Jungen, ob er wohl mal heiratet, vielleicht werde ich ja bald Oma, so eine Oma wie die vorhin mit der süßen Kleinen, am Zuckerregal. Mittlerweile habe ich meine Fleecejacke ausgezogen und wieder angezogen. Man, bin ich fertig, einkaufen ist sowas von anstrengend.
Eigentlich brauche ich ja noch die anderen Zutaten, als meine Nase mich zum Schlachter führt. Regionales Fleisch, frisch gebraten. Lecker, könnte ich mich ja mal anstellen oder lieber nicht. Und gegenüber das Spielzeug, so kleine Pferde mit richtiger Satteldecke und winzigem Putzzeug. Das habe ich früher geliebt, so ganz kleine Püppchen in so winzigen Döschen. Aber, für heute reicht es wohl, – was – so spät ist es schon?
  Schock!
Zur Kasse, ach die Kassiererin kenne ich aus meinem Heimatdorf, die müsste auch von meinem Jahrgang sein, ich glaube sie ist schon Oma, ob sie noch mit ihrem Mann zusammen ist, da war mal was. So Sachen aufs Band und lächeln. Immerhin gesundes Mehl und braunen Zucker habe ich schon mal. Ich nehme aber auf jeden Fall zwei Streifen Kirschkuchen aus Skandinavien mit, was riecht hier bloss so gut, und – nein – ich kaufe heute keine Calla, vielleicht bestelle ich mir mal Callazwiebeln im Internet, da wollte ich ja noch was gucken, der Physiker, oder?
An den Taschen und den Schmuck gehst du direkt vorbei Gerdi, Augen gerade aus, schön konzentriert und immer den Focus im Blick. Irgendwie hab ich Hunger und Durst. Richtig, deshalb hat es heute wieder nicht so richtig geklappt, man soll doch nie mit Hunger einkaufen gehen. Einkaufen ist echt anstrengend, boah.
Ich finde mein Auto und fahre nach Hause, unterwegs gehe ich im Geiste alle Schubladen durch: wo sind meine Aquarellpinsel? Rot oder beige für die Calla? Ich male später eine Calla. Ich versuche es. Diesmal wird es klappen. Probieren geht über studieren. Oh Moment!
Eigentlich wollte ich am Wochenende ein Blech Hefekuchen zum Tag der offenen Tür ins Tierheim bringen. Da muss ich wohl morgen noch mal los, die restlichen Zutaten besorgen, oder?
Zuhause schaue ich erstmal auf mein Handy, oh was ist da passiert? Nein, so viele Nachrichten, noch eben zum Briefkasten und ach, wer hat da den auf den AB gesprochen. Erstmal Händewaschen und dann, ein Tee und ein Stückchen Kirschkuchen vorweg.
Oh weia, was koche ich heute eigentlich? Gleich kommen meine Männer, mit Hunger. Gott sei Dank für Tiefkühlkost. Wie gut, dass mein Schatz den Großeinkauf macht.

Spätestens jetzt weißt DU, wenn DU auch nur Ansätze von dem oben gelesenen verstehst, ob DU hochsensibel geboren wurdest. Wenn Ja: Willkommen im Club, wenn Nein: bitte habe Verständnis, wenn wir ab und zu einfach nicht mit zum Einkaufen gehen können. Es ist zu viel, ohne Witz, ich war schon auf Flohmärkten, bei denen ich eine Woche nachher noch genau wusste, wie welcher Stand mit welchen Artikeln aufgestellt war. Meine Sinne sind so feinporig wie ein Teesieb, dass sich glasklare Eindrücke über Jahre in meinem Gedankenpalast angesammelt haben. 

Was sicher lustig zu lesen ist, bedeutet für uns eine große Aufgabe. Erst recht, wenn DU noch nicht weisst, dass es so etwas wie Hochsensibilität oder Hochbegabung überhaupt gibt.

Für uns ist jeder Tag mit einer Überflutung von Eindrücken verbunden.
Ohne Punkt und Komma.

Dauerschleife Informationen, Inputs, Geräusche, Gerüche, Stimmungen, Schmerzen oder Streit, nicht selten Vorahnungen oder plötzliche Déjà-vu, Flashbacks oder einfach ein Lied im Radio und wir heulen.
Ein Sonnenuntergang kann bei uns eine Tränenflut auslösen, ebenso ein altes Ehepaar auf einer Bank und wenn wir uns dann mal berechtigter lebensnotwendiger Weise zurückziehen, um eben keine Migräne oder Magengeschwüre zu bekommen, kommt der Nachklang. Im Nachklang gehen wir alle Szenen noch mal minutiös in Zeitlupe durch und reflektieren uns bis … wir völlig erschöpft und übermüdet sind.
Kein Wunder! Das geht solange, bis wir uns immer besser als sensitive Menschen umarmen und Wege finden, mit der ständigen Überreizung zurecht zu kommen.

Fokus ist die neue Intelligenz. Das mag stimmen, für die Menschen auf Erfolgskurs, deren Köpfe nicht nach einem einstündigen Einkauf glühen, die sich im Getümmel von Menschen mittendrin wohlfühlen, die telefonieren und fernsehen und ein E-Mail schreiben können, ohne Stress. Für solche Leute gilt: mehr Fokus, mehr Erfolg. Wir gratulieren und wünschen es Euch von Herzen!

Doch was kann Dir und mir helfen? 

Verschiedene Stufen und Arten der Sensibilität benötigen individuelle Interventionen:

Tagesform, Schlaftiefe, Blutzuckerstand, Emotionale Balance, Beziehungen, Wetterlage, Tageszeit, das alles kann z.B. eine Rolle für unser Wohlbefinden spielen.

Wenn es Dir und mir auf Dauer gut gehen soll, sind meines Erachtens diese  täglichen Routinen oder kleinen Rituale sehr hilfreich:

1. Zeiten der Stille (Meditation, Gebet, Natur, etc.)

2. Regelmäßige Mahlzeiten (intuitiv und sättigend)

3. Bewegung (je nach Vorliebe)

4. Kalendercheck, NEIN sagen lernen

5.  Mitmenschen informieren, dass Du es nicht böse meinst, wenn DU Ruhe brauchst.

6. Schlaf am Stück, nach Deinem Bedarf

7. Entspannungstechniken nach Belieben

8. Die Frage: „Was bedeutet Erfolg für mich?“, ehrlich und offen für Dich  klären. 

Das sind Erfahrungswerte, DU findest Deine kleinen Tagesoasen am besten selber.

Wir sind für heute fast am Ende, nur noch ein Gedanke am Rande:
Viele Kinder sind heute kaum in der Lage, sich zu fokussieren, zu konzentrieren. Einige von ihnen bekommen starke hirnorganisch wirksame Medizin. 

Ich bin eine Freundin von Medizin, die hilft. Doch könnte es nicht auch sein, dass eventuell einige von diesen kleinen Persönlichkeiten hochsensibel sind? Manche von ihnen erblickt man beim Einkauf an der Kasse, am Boden liegend, schreiend, tretend und um sich schlagend.
So ergeht es mir auch manchmal, an der Kasse nach dem Einkauf, nur dass ich das Glück hatte zu lernen mit meiner Besonderheit im Köpfchen umzugehen. Das ist der einzige Unterschied zwischen ihnen und mir.
Diese Kinder und ihre Eltern haben mein tiefstes Mitgefühl.

Du lieber Mensch,
ich danke Dir für Deine Lebenszeit,
vielleicht gehst DU Deinem nächsten Einkauf
etwas achtsamer entgegen oder
bekommst mehr Gnade mit Dir,
weil DU wunderbar gemacht bist.

So wie Du bist, ist es richtig.

Und im Fokus? 

Liebe, was sonst!

Deine Gerda

Habe einen schönen Tag !

PS: Falls DU noch einkaufen gehst, könntest Du mir etwas mitbringen?
Milch, Eier, Frischhefe ,… (kleiner Scherz)

2 Antworten auf „ABER, ABER- focus is the new IQ oder: Konzentration bitte!“

  1. Liebe Gerda, vielen lieben Dank, dass du mich zum Einkaufen genommen hast. Mir geht es ja sooo genauso, aber ich habe es irgendwie nicht wahrgenommen. Bei anderen Dingen ist es ja ebenso, und ich wundere mich immer, warum ich mich wieder einmal verzettelt habe. Danke, dass du mir mal die Augen geöffnet hast!!! LG Andrea

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