ABER,ABER: es ist doch nur ein Spaghetti-Eis!

Hallo Du liebe Seele,

heute bekommst Du einen Exklusivbericht über mein Leben als Empathin im Alltag.

Anhand eines einfachen und durchaus üblichen Ereignisses werden sich Dir die Augen und das Herz öffnen für meine Welt, wie ich sie erlebe. Es geht um nichts Geringeres als den Genuss eines
Spaghetti-Eises.

Dieser Blogartikel eignet sich hervorragend zum Weiterleiten an normalsensible Partner, Eltern, Kinder, Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde, Bekannte, Lehrer oder Menschen, die vielleicht noch am Anfang ihrer Suche nach dem Sinn ihrer Empfindsamkeit sind.

Multisensitives Erleben auf allen Sinnesebenen in Höchstform!
Oder: ich fühle was, was Du nicht fühlst.

Doch nun auf zur Eisdiele unseres Vertrauens auf ein Spaghetti-Eis an einem der letzten Sommertage Anfang September 2019 in meiner kleinen Heimatstadt am Dollart, gegründet um 800 als friesischer Handelshafen, was für Zeiten …

Halt!

Viel Freude beim Lesen

Da bist Du ja.
Wie schön.

Nehmen wir an,  wir sitzen bereits vor unserem Lieblingseiscafé und warten auf unser bestelltes Eis.
Bis wir hier angekommen sind, haben wir schon einiges gesehen, gefühlt, gerochen und gehört. Aber nun sind wir hier, der nette Kellner hat unsere Bestellung eingescannt und wir freuen uns auf die Köstlichkeit des Tages. Was war das für eine toller Sommer, herrlich.
Die Sonne meint es gut, die Vögel zwitschern, das Café ist gut besucht.
Wir haben einen der begehrten Plätze unter einem der Sonnenschirme ergattern können.
Mittendrin sozusagen.

Multisensitives Erleben

Anhand dieses alltäglich zu hunderten von Malen geschehende Eisessens möchte ich Dir mein Model vom Multisensitiven Erleben etwas näher bringen, zugleich verbunden mit dem ernsthaften Versuch, ein wenig Verständnis und im besten Falle Toleranz für hochsensitive Wesen zu entwickeln. Solltest Du selber hochsensitiv sein, wirst Du schmunzeln, weinen und erleichtert grinsen.
Normalsensible und unsensible Wesen werden ungläubig und fassungslos ihren Kopf schütteln, weil sie es nicht fassen werden, wie ein Mensch so kompliziert und chaotisch denken kann.
Diesen Schüttler nehme ich billigend in Kauf, wenn es auch nur einen Zentimeter weiter zur Aufklärung und zur Toleranz beiträgt.

Du kannst wirklich gar nichts dafür, wie Du denkst, aber ich auch nicht.

Unendliche Weiten 

Nehmen wir also an, das Spaghetti-Eis steht jetzt in Form vollendeter Farbe und Konsistenz vor mir, mit der ganz eigenen Bestimmung
auch genossen zu werden.
Was sich nun in meinem Gedankenpalast abspielt geschieht in Millisekunden und automatisch, sprich: unbewusst. Wie mein Herz, das schlägt, meine Lungen, die sich mit Sauerstoff füllen, mein Innenohr dass auf wundersame Weise für mein Gleichgewicht sorgt und meine Augenlider, die in bestimmten Abständen blinzeln, damit ich keinen Blütenstaub auf die Linse bekomme, ebenso fliesst mein Speichel automatisch um die nötigen Enzyme, die das Eis bereits im Mund begleiten werden freizusetzen, unbewusst und völlig autark gesteuert, unter anderem vom Sympathikus.
Ebenso meine Gefühle, Emotionen, Gedanken und Sinneseindrücke.
Realität, Wirklichkeit, Wahrheit, Wissen, Erinnerungen, Verknüpfungen, Erfahrungen, Erwartungen, sie alle mischen sich mit Liebe, Dankbarkeit, Freude, Lust und Appetit auf dieses Eis.
Dieses wurde soeben serviert, nachdem es Dank Überlieferung des Familien-Originalrezept extra für mich in liebevoller Handarbeit gefertigt wurde. So ein Spaghetti-Eis ist ein echtes Kunstwerk.

 

Multisensitivität 

Ich sehe nicht nur das Eis vor mir, da ist mehr.
Ich rieche nicht nur den Duft des Parfums des Kellners, da ist mehr.
Ich höre nicht nur den Streit des Paares hinter uns, da ist mehr.
Ich schmecke nicht nur die Erdbeersosse , da ist  mehr.
Ich fühle nicht nur den Wind auf meiner Haut, da ist mehr.
Ich empfinde nicht nur Mitgefühl für den Hund nebenan, da ist mehr.
Ich achte nicht nur auf die Hummel an Deinem Eis, da ist mehr.
Ich registriere nicht nur den kleinen Jungen gegenüber, da ist mehr.
Ich lausche nicht nur dem Radio aus dem Innenraum, da ist mehr.
Ich bemerke nicht nur die Traurigkeit der alten Dame , da ist mehr.
Ich erinnere mich nicht nur an mein letztes Eis, da ist mehr.
Ich überlege nicht nur, wer diese Art Eis wohl erfunden hat, da ist mehr.
Ich nehme nicht nur die Wut des Mannes hinter mir wahr, da ist mehr.
Ich spüre nicht nur das Sitzkissen unter mir, da ist mehr.
Ich erlebe nicht nur den Tag als ein Geschenk, da ist mehr.
Ich erblicke nicht nur die vertrocknete Buche, da ist mehr.
Ich betrachte nicht nur die Schaufenster gegenüber, da ist mehr.
Ich leide nicht nur mit der Frau, die ihren Laden schliesst, da ist mehr.
Ich erkenne nicht nur die Neuerungen auf der Eiskarte, da ist mehr.
Ich ahne nicht nur, wer gleich um die Ecke kommt, da ist mehr.
Ich beobachte nicht nur die Möwen über uns, da ist mehr.
Ich schaue nicht nur nach dem Muster auf der Serviette, da ist mehr.
Ich gucke nicht nur auf das volle Tablett des Kellners, da ist mehr.
Ich verstehe nicht nur, was Du sagst, und wie Du es sagst, da ist mehr.
Ich schätze nicht nur den Betrag der Rechnung, da ist mehr.
Ich kalkuliere nicht nur den Eisbedarf für diesen Becher, da ist mehr.
Ich finde nicht nur einen Rechtschreibfehler in der Karte, da ist mehr.
Ich realisiere nicht nur die gefrorene Sahne in der Mitte, da ist mehr.
Ich erfasse in diesen Minuten nicht nur das, da ist viel viel mehr …

Da ist mehr

Bei mir in meinem Gedankenpalast ist immer noch mehr.
Ein einfaches Spaghetti-Eis-Essen kann bei mir zu einem hochkomplexen und energieraubenden Ereignis werden.
Denn jeder noch so kleiner Impuls setzt eine Kette von Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen in Gang, die, wenn ich nicht geistesgegenwärtig bin, in die Unendlichkeit und viel weiter reichen würde.
Und das geht so:

Gehirnartistik

Wie ist man wohl auf diese Art der Zubereitung gekommen?
Wir haben doch auch schon mal Eis selber gemacht, oder? Sogar vegan, könnte ich auch mal wieder machen, war lecker.
Der Kellner riecht so gut, wie heißt das Perfüm noch, ich sehe die Flasche vor mir, man schade, dass so ein Eau de Cologne bei jedem Mann anders riecht, aber der riecht echt köstlich, ob er wohl ein echter Italiener ist? In der Pizzeria am Meer abreiten ja auch viele Menschen aus verschiedensten Nationen. Hoffentlich holt sich dieses schöne Paar Hilfe, die machen sich ja nur noch Vorwürfe, am besten sollten die mal dieses tolle Buch lesen, über eheliche Kommunikation, das würde echt helfen. Die Erdbeersosse ist echt süß, kommt ja aus der Plastikflasche, wer weiß, wieviel Farbstoff da drin ist und Zucker? Oh je. Der Wind ist frisch, die Zeit der T-Shirts geht zu Ende, wo ist eigentlich meine blaue Fleecejake? Der kleine Hund neben uns ist entzückend, obwohl er anscheinend einen Hüftschaden hat, sicher überzüchtet, was mag das für eine Rasse sein? Unsere Molly ist jetzt ein Jahr bei uns, das war was, letztes Jahr im Tierheim, tolle Leute da, das macht so Sinn. Apropos Sinn: diese Hummel auf Deinem Schokobecher ist ein Phänomen an sich, denn gravitationstechnisch gesehen, kann sie gar nicht fliegen, weil sie zu schwer ist – zu schwer um zu fliegen. Aber sie ignoriert es einfach. Ich bin auch viel zu schwer für meine Größe, vielleicht sollte ich weniger Spaghetti-Eis essen, aber nicht heute. Heute ist so ein schöner Tag. Nicht so für den kleinen Jungen gegenüber, der muss still sitzen und sein Eis ganz aufessen, obwohl er nicht mehr mag, da war doch mal was: Stimmt, auf Juist hatte ich mal gesehen, wie Kinder beim Essen angebunden wurden – und nichts dagegen getan. Aber dieser kleine Kerl? Nicht meine Baustelle. Jeder hat seine Erziehungsmethode. Was höre ich da im Radio? Ein Lied über „dass Gott aus der Ferne zuschaut“ kann ich gar nicht nachvollziehen, ok, manchmal kann man schon glauben, er wäre auf Mallorca. Schönes Lied, aber irgendwie traurig. Genauso traurig wie die ältere Dame. Sie trinkt einen Espresso und einen Likör. Ich mag besonders Bailys, haben wir den noch im Kühlschrank? Stimmt, mein Mann hat eine Flasche mitgebracht. Ob diese ältere Dame wohl einen Mann hat, oder ist sie alleine? Ich bekomme gerade voll Sinn an ein Gläschen eisgekühlten Bailys, Nächstes Mal nehme ich den Bailys-Becher, nicht immer nur Spaghetti. Die Arme …
Wer hat denn bloss dieses grandiose Eis erfunden. So jemand, wie der hinter uns bestimmt nicht, der schimpft die ganze Zeit in sein Handy, oh oh ist der wütend. Und alle hören mit, wie wütend und wie wichtig dieser Mann zu sein scheint. Hoffentlich kriegt der hier keinen Herzinfarkt, so cholerisch, wie der ist. Wie war noch mal der Rhythmus?
Oh ja: „Staying alive“. Ich hoffe nicht, dass ich ihn wiederbeleben muss. Echt nicht. Boah, ist der wütend.
In diesem Moment spüre ich die feinen Metallstäbe des Stapelstuhls unter mir, trotz Kissen. Naja, ist ja auch nur ein Saisongeschäft, was soll man da erwarten. Stapelstühle. Sollte ich wirklich mal Königin der Welt sein würden per Blitzgesetzerlassung alle weißen Plastikgartenstühle nachhaltig recycelt werden. Zu? Ach was weiß ich denn schon: ich würde meinem Volk ein Geschenk machen, etwas schönes, nützliches.
Gießkannen, wir machen aus diesen Milliarden weissen Plastikstühlen wunderbar designte  Gießkannen, die werden wichtig für die Zukunft, auch für die arme vertrocknete Buche, Klimawandel, oh man oh man, hoffentlich schaffen wir den Turnaround noch.
Große Krisen bringen große Innovationen hervor.
In mir keimt Hoffnung.

„Wie ist Dein Eis? Meins ist einfach nur köstlich!“

Ich finde sogar, dass dieses Eis mit viel Phantasie zu mindestens in der Struktur etwas von einem Gehirn hat, oder? ( kleiner Scherz)

Hoffnung

Du kannst Dir nach diesen paar Zeilen sicher mit einiger Phantasie vorstellen, wie es weitergegangen ist.
Das alles geschieht innerhalb von Mikromomenten, in denen ich mit Dir dieses köstliche Eis verspeise und Du mir von Deinen Sorgen erzählst, denn das geschieht ja auch automatisch jedes Mal.

Ich bin ganz bei Dir. Das Eis-Sahne-Gemisch flutscht durch meinen Hals, die Speiseröhre entlang in meinen Magen. Ich weiß nicht, ob es die Magensäure überleben wird. Egal.
Wir beide sitzen hier ganz entspannt Anfang September vor unserer Eisdiele in Emden, der kleinen Hafenstadt am Dollart, oder war es die Ems?

Liebe Seele,
so kann es laufen – ein Eisessen mit Gerda.

Lange Jahre war meine größte Sorge, dass es irgendwann eine Technologie geben könnte, die Gedanken sichtbar macht.
Verständlich, oder.

Multisensitives Dasein

Unbewußt erlebt führen vieler solche Erlebnisse schnell zur kompletter Erschöpfung, totaler Verwirrung und nicht selten zu völliger Überforderung. Ohne dass man ahnt, warum.
In der Sekunde des Erkennens jedoch fängt die Akzeptanz und Anfreundung mit der Begabung an, die, wenn sie umarmt und umsichtig gelebt und geliebt wird, zu einem großen Geschenk und Segen werden kann.

Danke für Deine Lebenszeit
und herzliche Grüße

Deine
Gerda

PS 1:
Ich habe in Erfahrung bringen können, dass das erwähnte Eis wohl etwas mit einer Spätzle-Presse zu tun haben soll.
Ich mag Spätzle mit Käse-Sahne-Soße …

PS2:
Geht es Dir ähnlich wie mir oder denkst Du an jemanden, der auch  so hochkomplexe Denkakrobatik betreibt?

Ich bin gespannt.
Wie eine Wäscheleine, ein Regenschirm, ein Bogen, ein Werkstück im Schraubstock, die Kinder vor dem Heiligen Abend, die Flügel eines Adlers, die Saiten eines Kontrabasses, ein Gummitwist oder aber meine Nackenmuskeln.

Auf weitere Beiträge rund ums Thema:
„Empathie und Hochsensivität“
darfst Du gespannt sein.
Tips zum Ausspannen, Unterstützung dabei, Dich nicht mehr einspannen zu lassen, Entspannungsmethoden lernen,
Verspannungen lösen, angespannte Beziehungen beruhigen und mehr.
Denn:
Da ist mehr, viel viel mehr.
Wir leben in spannenden Zeiten.

                                            Das größte ABER ist die Liebe 

 

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