ABER, ABER – wir werden seh´n!

Wir werden seh´n

Hast Du schon einmal eine Situation in Deinem Leben im Nachhinein völlig anders bewertet als mittendrin. Wurden aus Deinen größten Niederlagen am Ende Deine herrlichsten Siege?

Beherrscht Du die Kunst des Nicht-Handelns?
Glaubst Du auch, dass am Ende alles gut werden kann?

Dann nehme ich Dich mit ins alte China und wir werden seh´n.


Eine Geschichte

Es war einmal ein alter chinesischer Bauer, welcher als wohlhabend
in seinem armen Dorf galt, da er ein Pferd besaß, mit welchem er pflügen und Lasten befördern konnte.
Eines Tages lief ihm das Pferd fort, worauf er und sein Sohn den Pflug selbst über die Felder ziehen mussten.

Was für ein Unglück!“, sagten die Nachbarn zu dem Bauern mitleidsvoll.

Der Bauer jedoch antwortete nur: „Wir werden seh’n.“

Eine Woche später ging der Bauer rauf aufs Feld um seine Arbeit zu erledigen, als er sein Pferd erblickte, welches zurückgekommen war und noch drei weitere Wildpferde mitgebracht hatte.

Was für ein Glück!“, sagten die Nachbarn zu dem Bauern erstaunt und auch ein wenig neidisch.

Worauf der Bauer antwortete:Wir werden seh’n.“

Kurze Zeit später versuchte der Sohn des Bauern eins der Wildpferde einzureiten, was dem Wildpferd jedoch gar nicht gefiel. Das Pferd stieß den Jungen ab. Er fiel hart auf den Boden und brach sich sein rechtes Bein.

Was für ein Unglück er doch hat!“, sagten die Nachbarn zu dem Bauern mit mitleidigen Gesichtern.

Der Bauer aber antwortete: „Wir werden seh’n.“

Ein paar Tage später brach der Krieg aus und alle jungen Männer wurden einberufen, um in die Schlacht zu ziehen. Nur den Sohn des Bauern ließen sie zurück, da sie ihn mit seinem gebrochenen Bein nicht gebrauchen konnten.

Was für ein Glück dein Sohn doch hat!“, sagten die Nachbarn zu dem Bauern erstaunt und auch ein wenig neidisch.

Der Bauer antwortete: „Wir werden seh’n.“

Soweit unser kleiner Ausflug nach China.

Glück oder Unglück

Was fühlst Du, wenn Du diese Geschichte liest?
Mit wem kannst Du Dich am ehesten identifizieren?
Mit dem Bauern, dem Sohn, den Nachbarn oder dem Pferd?
Immer, wenn mir diese Geschichte wieder irgendwo präsentiert wird, erfasse ich eine neue lehrreiche Facette an ihr. 

Auf meine Hochsensibilität bezogen und wohlmöglich auch auf Deine, werden mir folgende Herzensweisheiten bewußt und sacken in tiefere Schichten.

Materialismus 

Was manchmal von außen als großes Glück und Reichtum erscheint, kann für den Besitzer eine große Last und Bürde sein.
Wie oft beurteile ich Menschen, nachdem was sie haben, wie sie sich kleiden, welches Auto sie fahren oder wie sie wohnen. Zu oft lasse ich mich ablenken von Äußerlichkeiten.
Selbst in einem Palast kann eine zutiefst traurige einsame Seele wohnen.
Für mich bedeutet es, immer offen und herzlich auf alle Menschen zuzugehen, egal wie reich oder arm sie auf den ersten Blick erscheinen.

Scheitern 

Anscheinend gibt es Familien, in denen unsichtbar im Hintergrund so etwas wie ein Freibrief zum Scheitern wirkt. Wie oft beurteile ich Menschen nach ihrem Namen oder aus dem Stadtteil, aus dem sie kommen oder wie oft sie scheitern. Dabei geben die meisten aller Menschen jeden Tag ihr Bestes, oder?

Oben auf 

Wenn es in meinem Umfeld gerade Menschen gibt, die offensichtlich so richtig im Flow sind, erfolgreich, gesund und dann noch voller Tatendrang mir stolz und begeistert ihr neues Projekt präsentieren, reagiere ich sehr oft mit Skepsis, Neid oder Besserwisserei.
Ich rate zur Besonnenheit und Vorsicht.
Oft aber aus mangelndem Mut, selber meine Komfortzone zu verlassen. Im Inneren bewundere ich sie, die die ihren Hintern hoch kriegen und einfach „machen“, während ich noch Tausend Einwände suche und sie auch tatsächlich finde. 

Vom Pferd gefallen

Ich bin in meinem Leben schon sehr oft vom Pferd gefallen.
Mein derzeitiges Pferd heißt „Gesundheit“.  Ein sehr empfindsames Mädchen. Mehr als einmal macht sie mich darauf aufmerksam, wenn ich mir zuviel zugemutet habe. Stress macht mich krank. Und obwohl mein Kopf es so genau weiß, scheine ich immer wieder Lektionen in Sachen Stressmanagement zu benötigen.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich mal wieder auf dem Boden neben meinem Pferd, weil ich wieder mal runtergefallen bin vor lauter Action und mangelnder Selbstfürsorge. 

Mit der Zeit lerne ich zu vertrauen, daß ich sehen werde, wie auch diese Auszeit ihren Nutzen für mich entfalten wird, um dann mit neuer Kraft wieder aufzustehen und weiter zu reiten.
Man kann immer vom Pferd fallen und wer weiß denn, wofür so ein Fall gut zu sein scheint?
Wir werden seh´n.

Bewahrung

Im Rückblick kann ich mit Sicherheit sagen, daß es sich oft als Segen erwiesen hat, nicht auf jede Party gegangen zu sein und nicht jede Aufforderung zum Kampf angenommen zu haben. So konnten Kriege, auch verbaler Art und etliche Partys mit Kopfschmerzfolgen getrost ohne mich stattfinden. 

 

Du liebe Seele,
heute grüße ich Dich von Herzen,
vom Boden aus, mein Pferd
steht noch geduldig neben mir und wartet.

Mein Vater wird bald vorbei kommen und mir hoch helfen. Das tut er immer und jedes Mal, wenn ich mal wieder abgestürzt bin. Er hebt mich hoch und wenn ich möchte, setzt er mich wieder auf´s Ross. Die Dauer der Zeiten meiner Bodensitzungen variieren, je nach Lerneinheit.
Und dann reiten wir weiter.
Ich weiß nicht, in welcher Lage Du Dich gerade befindest. Welche Nachbarn gerade über Dein Glück oder Unglück urteilen, ob Du oben auf oder am Boden bist. Ich weiß nur eins:

Wir werden seh´n!
Oder,  mit den Worten meines Freundes Paulus aus dem Römerbrief:

Wir wissen aber, dass denen,
die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen,
denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind.

                                       Der Römerbrief, Kapitel 8, Vers28

 

Deine Gerda
abwartend und Tee trinkend.

So ist es – wir werden es sehen!

PS1:
Die größte Herausforderung einer Bodensitzung ist, nicht ins Urteilen zu geraten. Urteile und Verurteilungen mir und anderen gegenüber sind nicht hilfreich, wenn man sowieso schon am Boden sitzt.
Das hier wird vorüber gehen und dann geht es weiter.

PS2:
Schreibe mir gerne, wie es Dir ergangen ist bei unserer kleinen Reise.
Ich bin sehr gespannt und freue mich über Nachrichten aller Art.
Ich habe ja gerade genügend Zeit hier unten nehmen meinem Pferd auf dem Boden der Tatsachen. Komm gerne vorbei mit einer Picknickdecke und etwas Tee. Ich könnte wirklich Gesellschaft vertragen.

 

8 Antworten auf „ABER, ABER – wir werden seh´n!“

  1. Hallo liebe Gerda, da bin ich zum tea for two. Warte, ich packe schnell meinen Korb aus. Kekse habe ich auch dabei. So, mein Pferd steht neben deinem. Also, erst mal Prost Tee!!
    Ja, ab und an müssen wir auch mal an uns denken. Aber Neid?? Nein, den brauchen wir nicht. Uns geht es gut!
    Wir haben eine tolle Familie, genug zu essen und trinken, ein gemütliches Zuhause und einer, der ganz besonders auf uns achtet. Komm, noch schnell eine Tasse Tee, rauf aufs Pferd und freudig weiter. Wir werden sehen. Schönen Sonntag!!

    1. Liebe Hannelore, Du hast so ein dankbares Herz. Das ist selten in diesen Tagen.
      Bewahre es Dir. Ich werde hier unten noch etwas verweilen. ABER dann gehts weiter.
      Das werden wir sehen.
      Herzliche Grüße

  2. Liebe Gerda, gerne auch mit Tee, etwas Gebäck und einer Decke ….
    Die verschiedenen Sichtweisen kann ich super gut nachvollziehen und ich staune immer wieder, wie du es schaffst, das alles in so tolle Worte zu fassen! Vielleicht solltest du über ein Buch nachdenken?
    Diesmal habe ich eine kleine Ergänzung, das ist jedoch meine ganz persönliche Sicht: Jeder Mensch (nicht fast jeder) gibt sein Bestes, auch wenn es aus unserer Sicht nicht so scheint. Etwas anderes als das, was er gerade tut, hatte er in den Moment nicht zur Verfügung.
    Hab dich lieb und nun gibt’s erst mal Tee…

    1. Liebe Astrid, DANKE für Deinen Kommentar.Du sprichst mir aus der Seele und wirst es auch bald hier lesen.
      Jeder gibt sein Bestes… und hat das Recht auf seinen eigenen Willen und wie er leben möchte.
      Und die Buchidee ??
      Wir werden seh´n
      Ich habe Dich auch lieb

  3. Liebste Gerda, nimm dir die Zeit die du brauchst – alles ist gut und hat eben seine Zeit -und selbst im vermeintlichen Stillstand passiert etwas, ent -Wicklung –es entwickelt dich etwas in dir- um dich- auch wenn wir das selbst für uns sooo schlecht annehmen können. Ich bewundere deine Geduld und deinen Mut immer wieder aufzustehen und auf dein Pferd zusteigen wenn es dran ist ;-)))

  4. Oh je… Diese Geschichte hat viele Perspektiven. Und ich glaube, dass ich alle schon einmal erleben durfte. Und auch ich durfte lernen, dass nicht jede Katastrophe eine Katastrophe bleibt. Das gibt mir die Kraft (aus der Erfahrung heraus), heute inmitten einer Katastrophe erst einmal tief durchzuatmen und mich schnell wieder zu beruhigen. Am besten mit einer Tasse Tee.

  5. Genau so, liebe Andrea, wenn wir das schaffen in unsere Herzen zu schreiben, könnten wir uns einiges an Leid wohl ersparen.
    Zum Thema atmen und Tee trinken gibt es sich viel zu erzählen,oder? Danke für Deine Lebenszeit ❣️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.