ABER-ABER, was kann das bedeuten?

Hallo und herzlich Willkommen, hier bei der versprochenen Betrachtung der grossen ABERs in meinem Leben.
Wenn man bedenkt, dass in dieser Minute 7 699 797 131 Menschen auf unserer Erde leben (es gibt tatsächlich eine Weltbevölkerungsuhr mit live-Ticker unter countrymeters.info), gehe ich fest davon aus, dass es mindestens noch zwei oder drei andere Menschen betrifft.
Ich bin zwar einzigartig, dennoch gibt es unter der Spezies Mensch immer wieder Gemeinsamkeiten. Mir ist durchaus bewusst, dass der Großteil der Menschheit global gesehen weitaus schwerwiegendere Probleme zu lösen hat, dennoch ist das Leid, das jemand persönlich und existentiell betrifft, immer das am schlimmsten Wahrgenommene.
Da wären wir ja auch schon beim ersten ABER.

Hochsensibel oder empathisch zu sein, ist herausfordernd, verunsichernd, verstörend, anstrengend, ungewöhnlich und kräftezehrend. Nicht nur für den Betroffenen, auch für sein Umfeld, wirft diese Charaktereigenschaft einige Fragen auf.
ABER: es gibt Schlimmeres, das ist klar.
Bis es DICH betrifft. Dann trifft es Dich mit voller Wucht.
Ich habe etliche ABERs sammeln dürfen. Hierzu zählen:

ABER das ist doch nicht so schlimm
ABER jetzt übertreibst DU
ABER was Du Dir wieder für Gedanken machst
ABER das weisst Du doch gar nicht
ABER die anderen schaffen das doch auch
ABER wir machen das doch alle
ABER das ziehst Du jetzt durch
ABER wir machen das hier so
ABER was Du immer hast
ABER das darf man doch nicht so ernst nehmen

ABER, ABER was kann das bedeuten?

In den 1970er Jahren gab es in der Sesamstraße ein Lied, bei dem der Unsinn des Vergleichens besungen wurde. Ich erinnere mich lebhaft daran, denn es gab seitdem viele Situationen in meinem Leben, in denen ein Vergleich stattgefunden hat. Sinngemäß ging es darum:
“Es ist egal, wie groß Du bist, da ist immer noch jemand größer als Du, es ist egal, wie müde/schnell/schlau/… du bist …
größer, schneller, weiter, es ist egal, DU bist, wie Du bist.
(von Christoph Busse)
Wie aktuell und wahr!
Menschen sind verschieden. Und hochsensible Menschen sind auch verschieden. Wir sind alle verschieden, wir sind alle andersartig, jedoch alle gleichwertig.
Wir sind wertvolle und kostbare Menschen.

Dieser Wert ist vielen von uns unterwegs im Leben mehr oder weniger verloren gegangen. Wir kennen weder unsere Bedürfnisse, noch unsere Stärken, sind uns selber fremd. In der festen Gewissheit, dass mit uns etwas nicht stimmen kann, versuchen die meisten von uns, sich anzupassen, mitzumachen, dabei zusein und sind aufs Tiefste erschüttert, wenn es einfach nicht funktioniert, wenn uns unsere Gefühle überrollen, wenn wir kaum Stressresistenz an den Tag legen, wenn wir einfach nicht so funktionieren, wie wir es uns wünschen würden. Einfach nur funktionieren. Manche fühlen sich, als würden sie durch Berlin laufen mit einem Stadtplan von München im Kopf. Selbstverleugnung und Selbsthass sind leider keine Einzelfälle. Und egal, wie sehr wir uns auch anstrengen, es immer allen Recht zu machen, für Harmonie zu sorgen, müssen wir uns irgendwann eingestehen, dass wir anders sind.
Spätestens beim ersten Burnout, wiederholten Panikattacken oder anderen psychosomatischen Symptomen fangen wir an, unser Leben zu hinterfragen. Und dann?
Die einzige und wirklich hilfreiche Methode aufrecht aus diesem Dilemma, zwischen – so bin ich – und – so sollte ich sein, rauszukommen ist meiner langjährigen und leidgeprüften Expertinnenmeinung nach:
Ein Akzeptanz.

Danach wird es besser, ehrlich. In dem Moment, als ich mich wirklich meinen ABERs gestellt habe, den Akzeptanz in allen Ausführungen tanzte, kam etwas Ruhe in meine Seele. Ich konnte Kraft tanken und was noch wichtiger war, mich informieren. Bei allen Herausforderungen meines Lebens habe ich erkannt, wie gut es ist, sich zu informieren. Den angeblichen Feind kennenzulernen, um dann Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wer gut informiert ist, braucht sich nicht mit vagem Halbwissen zu quälen. In einem Vortrag über Epigenetik habe ich letztens folgenden Satz gehört:
„Im digitalen Informationszeitalter ist Dummheit eine Wahl!“
Hat mich erst furchtbar aufgebracht, zuerst. Dann ABER wie sooft im Leben, beim zweiten und dritten Mal hören, habe ich meine Meinung mal wieder geändert bekommen.

Wenn es dann gelingt, nach dieser Akzeptanz– und Informationsphase, auch noch die oben genannten Gleichgesinnten zu finden, erfolgt ein Aufatmen. Endlich, da sind noch mehr schräge Vögel wie ich auf der Welt.
Unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit einander zu teilen, kann enorme Entlastung bringen. Hilfestellungen für den Alltag werden ausgetauscht, praktische Tipps im Umgang mit verschiedensten Lebensthemen können ausgetauscht werden.
Wenn es überhaupt möglich ist, Leiderfahrungen einen Sinn zu geben, dann nur den, dass das Verständnis für Gleichgesinnte steigt und man Experte seines Lebensthemas wird.
Manchmal vergehen Jahre oder Jahrzehnte, aber das ist unwichtig, weil echtes Leben soviel intensiver und kostbarer ist, dass Zeit wirklich fast keine Rolle mehr spielt. Jeder gute Tag wird bewusst und dankbar erlebt und besondere Momente können ganz neu genossen werden. Die Liebe nimmt zu !!
Wie schon erzählt, habe ich einige hundert Morgende im Aberwald verbringen dürfen. Somit bin ich also Expertin durch Erfahrung für frühmorgendliches Grübeln und dem Finden von allen möglichen ABERs:

ABER, ABER, was kann das bedeuten?
Im Duden finde ich einiges:

  • einen Gegensatz ausdrücken
  • der Ausdruck eines Einwandes
  • eine Einschränkung
  • eine Entgegnung
  • eine Berichtigung oder Ergänzung
  • ein Widerspruch
  • ein Protest

Das eine oder andere ABER werde ich hier demnächst mit euch teilen, wenn ihr mögt.

Mit vollem Mitgefühl für alle, die zur Zeit durch den Hundert- Aberwald wandern. Haltet durch. Hilfe ist unterwegs.

Eure Gerda

PS: Mittlerweile habe ich den passenden Stadtplan gefunden.

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