ABER, ABER – was bist Du empfindlich!

Hallo,
Du wundervolle und einzigartig schöne, liebenswerte Seele.
Heute möchte ich Dir ein Märchen erzählen.
Vielleicht kennst Du es.
Auf Deine eigene und unverkennbare Art.
Vielleicht siehst Du es jedoch nach dieser Lektüre
auf eine ganz neue und ergreifende Weise. Kann passieren.
Wer weiß?

Was mein Niki-Schlafanzug, eine Hülsenfrucht und ein starker Sturm mitten in der Nacht mit diesem Märchen und uns zu tun haben?


Weihnachtszeit ist Märchenzeit 

Seit Jahren versuche ich zu ergründen, warum es um die Adventszeit vermehrt Märchen in allen Darbietungsformen zu sehen und zu erleben  gibt. Ob es die Haselnüsse von Aschenbrödel sind, die Schwefelhölzer des kleinen Mädchens, die Königin des Schnees, die Prinzessinnen des Eises, die Taler aus den Sternen, die Bettgeschichten von Frau Holle, das Knacken des Nussexperten oder die Reisen von Biblo Beutlin genauso wie die zauberhaften Abenteuer von drei Geschwistern nach Narnia, einem Löwenherz nach Nangijilma oder Mister Scrooge mit seinen Geistern in der Zeitschleife.
Michel, Pippi oder Bullerbü, Petterson, Blümchen und Bob der Baumeister …  Ich erlebe in der Weihnachtszeit eine deutliche Zunahmne an diesen Geschichten ob im Kino, in Büchern, auf CDs, DVDs.
Es gibt Ballett und Theather-Aufführungen, Musicals und Opern.
Und wer über ein digitales Angebot von Filmen verfügt, wird derzeit mit märchenhaften Weihnachtsgeschichten überflutet.

Und schon wieder bin ich kurz davor, mich zu vertüddeln.

Also, meine Frage:
Welches Winter/Weihnachtsmärchen ist Deine Lieblingsgeschichte?
Wann werden bei Dir gute und schöne Erinnerungen erweckt?
Gibt es DIE Weihnachtsgeschichte, die es in Deiner Weihnachtszeit geben muss?


Heute morgen

Ich habe diese Nacht furchtbar geschlafen. Mein Hals hat stundenlang gekratzt und gejuckt. Ich dachte zuerst, ich hätte vielleicht von einem Insekt geträumt oder einem Vampir, so etwas in der Art. Dann beängstigte mich der Gedanke, ob die Gürtelrose wieder da sei.
Ich schreckte also im Halbschlaf auf und griff nach der immer noch etwas schmerzenden Stelle am rechten Hals.
Und da war der Übeltäter, die Ursache für meine durchkratzte Nacht.
Nein, ich muss Dich leider enttäuschen, kein Skorpion, kein Blutsauger, kein Alienkontakt, keine erneute Gürtelrose. Gar nichts von diesen Möglichkeiten war für meinen Ressourcenangriff verantwortlich.
Das, was mich eine halbe Nacht köstlichen Tiefschlafes gekostet hat, war nichts weiter als das winzig kleine Plastikteilchen des abgerissenen Preisschildes. Diese kleine Plasiklasche war einzig und allein an meinem elenden müden Zustand Schuld.
Wie war das möglich? Ich trug diesen wunderbaren blauen Nikischlafanzug doch nicht zum ersten Mal. Anscheinend hatte ich die Male vorher wohl noch ein Shirt darunter gehabt.
Meine ganze rechte Halsseite juckte und brannte.
Das kam mir irgendwie bekannt vor.


Die Prinzessin auf der Erbse 

Von Hans Christian Andersen
Zitiert aus: Sämtliche Märchen, 1862

Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten;
aber es sollte eine wirkliche Prinzessin sein.
Da reiste er in der ganzen Welt herum, um eine solche zu finden,
aber überall war etwas im Wege. Prinzessinnen gab es genug,
aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren,
konnte er nicht herausbringen.
Immer war etwas, was nicht so ganz in der Ordnung war.
Da kam er denn wieder nach Hause und war ganz traurig,
denn er wollte doch so gern eine wirkliche Prinzessin haben.
Eines Abends zog ein schreckliches Gewitter auf;
es blitzte und donnerte, der Regen strömte herunter,
es war ganz entsetzlich!
Da klopfte es an das Stadtthor, und der alte König ging hin,
um aufzumachen.
Es war eine Prinzessin, die draußen vor dem Tore stand.
Aber, o Gott! Wie sah die von dem Regen und dem bösen Wetter aus! Das Wasser lief ihr von den Haaren und Kleidern herunter;
es lief in die Schnäbel der Schuhe hinein und an den Hacken wieder heraus. Und doch sagte sie, daß sie eine wirkliche Prinzessin sei.
„Ja, das werden wir schon erfahren!“ dachte die alte Königin.
Aber sie sagte nichts, ging in die Schlafkammer hinein, nahm alle Betten ab und legte eine Erbse auf den Boden der Bettstelle;
darauf nahm sie zwanzig Matratzen und legte sie auf die Erbse,
und dann noch zwanzig Eiderdunen-Betten oben auf die Matratzen.
Da mußte nun die Prinzessin die ganze Nacht liegen.
Am Morgen wurde sie gefragt, wie sie geschlafen habe.
„O, erschrecklich schlecht!“ sagte die Prinzessin. „Ich habe meine Augen fast die ganze Nacht nicht geschlossen!
Gott weiß, was da im Bette gewesen ist!
Ich habe auf etwas Hartem gelegen, sodaß ich ganz braun und blau über meinen ganzen Körper bin!
Es ist ganz entsetzlich!“
Nun sahen sie ein, daß es eine wirkliche Prinzessin war,
da sie durch die zwanzig Matratzen und die zwanzig Eiderdunen-Betten hindurch die Erbse verspürt hatte.
So empfindlich konnte Niemand sein, als eine wirkliche Prinzessin.
Da nahm der Prinz sie zur Frau, denn nun wußte er, daß er eine wirkliche Prinzessin besitze; und die Erbse kam auf die Kunstkammer, wo sie noch zu sehen ist, wenn Niemand sie gestohlen hat.
Sieh, das war eine wahre Geschichte.

Hans Christian Andersen (1805-1875)

Ein Märchen wie jedes andere?

Wie Du Dir vorstellen kannst, möchte ich Dir dieses alte und gleichsam neue Märchen aus meiner hochsensiblen und empathischen  Lebenssicht nahe bringen. Ich bin der festen Überzeugung, daß es seit Anbeginn der Zeiten immer Wesen gegeben hat, die feinsinniger, fantasievoller und filigraner als viele andere in ihrer Zeit waren.
Würde mich so überhaupt nicht überraschen, wäre Hans Christian  Andersen einer von uns gewesen.
Doch nun zu den Akteuren:

Der Prinz
Die Suche nach dem Richtigen, der Richtigen kann zuweilen sehr anstrengend und kräftezehrend sein. Das gilt nicht nur für den begehrten Lebenspartner. Je verkrampfter man eine Suche angeht, und sich ein festes Bild in den Kopf gesetzt hat, selber alles Mögliche tut, damit sich der Wunsch erfüllt nach einer Arbeitsstelle, einer Wohnung, einer Lösung für ein Problem oder etwas Banalem wie Winterstiefeln (Du darfst jetzt gerne grinsen), desto weniger scheint die Erfüllung dessen in greifbare Nähe zu kommen.

Wie der Prinz habe ich in meinem Leben mehr als einmal erleben dürfen, wie Dinge sich scheinbar von alleine durch eine unsichtbare Hand auflösten oder durch Zauberhand zu mir kamen.
Ein aufrichtiger Wunsch gen Himmel gesandt und wirklich losgelassen kann zu einem Ergebnis führen, daß jenseits Deiner Vorstellungskraft liegt. Der Prinz kam nach seiner Weltreise nach Hause und war traurig, ließ seinen Wunsch los, und?

Der alte König
Er wacht über seinem Haus. Bei Sturm und Gewitter ist der alte König auch mitten in der Nacht so hellhörig, daß er das leise Klopfen eines Mädchens am Stadttor hören kann. Trotz Blitz und Donner macht er sich auf den Weg um ein völlig durchnässtes zitterndes kleines zartes Wesen, daß von sich behauptet eine Prinzessin zu sein, ohne Überlegung und Zaudern ins Schloss zu lassen.
Empathische Menschen wollen immer das Beste und das Ehrlichste in anderen erkennen und sehen. Trotz ihres jämmerlichen Zustandes sah der alte König die Prinzessin in ihr.

Wie der alte König sehe ich in Menschen oft durch ihre, vom Leben verwaschenen und vom Sturm erprobten zerzausten Äußerlichkeiten,  ihre reinen und zarten Seelen.
Wenn ich Dir nur sagen könnte, wie schön, wie würdig und wie unglaublich großartig Du in Deinem Inneren bist, trotz aller Stürme, Donner und Gewitter in Deinem Leben. Ich kann Dein leises Klopfen hören, bitte gib nicht auf, Deine Chance, Dich als wirklicher ehrlicher Hochsensibler Mensch zu erweisen, kommt.
Der alte König ging hin, um aufzumachen und er hat es nicht bereut.

Die alte Königin
Sie weiß ganz genau, wie man echte und wirkliche Prinzessinnen erkennt. Sie kennt die Testmethoden, sie hat den Plan, um für ihren geliebten Sohn die allerbeste echte Frau zu finden.
Ich mag die alte Königin so sehr, auch weil sie nichts von ihrem Vorhaben kundtut.

Wie die alte Königin konnte ich mir in den letzten Jahren etliche Erbsentests  aneignen und sie auch hinreichend gewinnbringend für mich und meine Mitmenschen einsetzen. Ich weiß heute so ziemlich genau nach zwei bis drei Gesprächen, ob mein Gegenüber hochsensibel, überempfindlich oder eine andere Variation aus verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen in sich trägt.
Mein Vorrat an Erbsen ist enorm.
Die alte Königin hat selber die Matratzen und die Bettdecken gestapelt und ebenso selber die Erbse platziert. Selbst ist die Frau.
Wie wunderbar.

Die Prinzessin
So, jetzt aber.
Dieses durchnässte unterkühlte und wirklich sensible Wesen sah keine andere Chance, als ihrem Herzen zu folgen und mitten in dieser stürmischen, regnerischen Nacht geschüttelt von Blitz und Donner, zaghaft an die Tore dieser Stadt zu klopfen. Mit ihren zarten aufgeweichten Händchen, dazu total zerzaust und durchnässt bis auf die Haut. Doch Prinzessin ist und bleibt Prinzessin, auch wenn es nach aussen gerade einen ganz anderen Anschein macht.
Ihr Mut und ihr Vertrauen, daß ihr aufgemacht werden  wird, sind vorbildlich. Mit jeder Faser ihres Seins ist sie Prinzessin. Und das tut sie kund. Erst dem alten König gegenüber mit Worten, und dann der alten Königin im erfolgreich bestandenen  Sensibelsein-Check.

Wie die Prinzessin  habe ich gelernt zu meinem Inneren zu stehen.
Echte Königskinder werden von Geburt an zu echten Königskindern erzogen. Sie sind mit den Gepflogenheiten bei Hofe und in der Öffentlichkeit bestens vertraut. Für mich bedeutet diese Analogie, daß ich immer mehr leben darf, was ich im Kern bin. Braun und blau gelegen von einer Erbse, so ähnlich wie ich heute Nacht durch diesen kleinen Plastikeumel im  Oberteil meines Nikischlafanzuges
So empfindlich konnte Niemand anderes sein, als ein hochsensibles Wesen.

Die Erbse 
Die Erbse. Nun, sie steht in dieser Geschichte wohl  für eine von vielen Methoden zur Testung der Echtheit dieses Mädchens auf ihre Prinzessinenwirklichkeit hin.
Davon habe einige im Gemüsekorb, unter anderem Kichererbsen, Knallerbsen, Zuckererbsen und nicht zu unterschätzen die Flügelerbse.
Doch davon später mehr.

Du liebe Seele,
ich werde heute Abend in einen Schlafanzug ohne irgendwelche Plastikattacken schlüpfen und selig dahinschlummern .
Vielleicht träume ich von der Prinzessin auf der Erbse,
die uns einmal mehr auf ihre einzigartige Weise zeigt, daß es sich lohnt ans Stadttor anzuklopfen, in der festen Hoffnug, daß der alte König uns öffnet und den Menschen sehen kann, der ich wirklich bin.
Und wenn der Prinz dann auch noch nett und hübsch ist …
Wer weiß?
Naja, bei den Eltern ist er wohl der Richtige.

Ich wünsche Dir
eine märchenhafte Vorweihnachtszeit
mit überraschenden Neuem im Alten
und vertrauten Altem im Neuen.

Liebevolle
und herzliche Grüße
von Gerda

PS 1:
Viele Märchen bieten einen unglaublichen Schatz an Schichten von Weisheiten und Tugenden. Sie rufen die Helden in uns wach und laden uns auf einen neuen frischen Blick ein.
Vielleicht gerade in diesem Advent eröffnen sich Dir und mir ganz neue Sichtweisen, das wäre großartig und eine Würdigung an unsere vielen alten und neuen Märchenerzähler die, ich schrieb es bereits, wahrscheinlich allesamt mehr als sensibel sind oder waren.

PS2:
Viele hochsensitive Kinder haben wirklich körperliche Schmerzen, wenn sie eine Strumpfhose mit festen Nähten oder ein kratzendes Baumwollhemd anziehen sollen. Das hat nichts mit Anstellerei oder Zickigkeit zu tun. Hochsensible Menschen haben nicht selten eine sehr feine Haut und empfinden einige Materialen als schmerzhaft.
Wenn Du so als Kind warst und Dich mit dieser Art Schmerzen quälen musstest, tut es mir von Herzen leid. Viele unserer Eltern haben uns nicht geglaubt oder konnten es sich einfach nicht vorstellen, so ein empfindliches Kind zu haben. Aus vielen Gesprächen mit feinsensorischen Menschen, weiß ich wieviel Leid und seelischen Schmerz diese Fehleinschätzung von den „Großen“ mit sich bringen kann. Heute als Erwachsener kann ich nur dringend dazu raten unseren Kindern zuzuhören, wenn sie z.B. unter einer Art Bettwäsche das Gefühl haben, zu ersticken oder wenn eine Sorte Strümpfe das Gefühl von Elektroschocks auslöst. Diese Wahrnehmungen sind immer echt und absolut ernst zu nehmen. Bitte tut euren Kindern nicht dasselbe an, worunter viele von uns bis heute leiden.

PS3:
Die Erbse aus unserem Märchen kam in eine Kunstkammer, wo sie heute noch zu sehen ist. Wenn sie keiner gestohlen hat.
Nun, da ich in der Heimatstadt von Otto Waalkes, einem der größten Künstler Ostfrieslands wohne, sein erstes Kaugummi auch in einer Kunstkammer ausgestellt ist, wo es bis heute zu sehen ist.
Angesichts dieser Tatsache komme ich zu folgender logischer  Annahme: Ist das Erbsenabenteuer vielleicht gar kein Märchen?
Wer weiß das schon?

DANKE für Deine Lebenszeit und die liebevollen Kommentare und Rückmeldungen, die mich auf verschiedene Wege zur Zeit erreichen.
Du ahnst nicht, wieviel sie mir bedeuten.
Gerne komme ich mit Dir in Kontakt und wir plaudern ein wenig über Erbsen und was Dir sonst noch so auf der Seele liegt.

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