ABER, ABER – schön ist das nicht!

Hallo Du liebe Seele,

am Freitag habe ich mit Dir ein paar Gedanken zum Thema Schönheit geteilt. Es bewegt mich sehr, wenn folgende Art von Schönheit in mein Leben kommt.

Was ist Schönheit?

Die schönsten Menschen, die ich kennen gelernt habe, sind die,
die Niederlagen einstecken mussten, die Leid, Schicksalsschläge
und Verlust erfahren haben und die es dennoch schafften,
immer wieder ihren Weg aus der Tiefe heraus zu finden.

Ihre Erfahrungen gaben ihnen eine Wertschätzung,
eine Empfindsamkeit und ein Verständnis vom Leben,
die sie in Mitgefühl, Sanftheit und in tiefer Liebe auf andere

Menschen zugehen lassen.
Ein schöner Mensch wird nicht geboren.
Ein Mensch wird schön durch die Kraft, sich über seine
Tiefschläge zu erheben und daran zu reifen.

(Elisabeth Kübler-Ross)

Schöne Menschen kommen nicht aus dem Nichts

Eine Frage vorweg: „Wenn Du diese Zeilen liest, lese sie ruhig noch einmal laut und langsam, fallen Dir Menschen, die diese Art von Schönheit tragen, spontan ein?“

Was Du hier gleich lesen wirst, ist eine Szene aus einem meiner vielen  Albträume aus der Zeit, als meine Seele im Tal der Todesschatten war. Träume sind Schäume? Dann sind Albträume wohl so etwas wie Salpetersäure, gemeinhin als ätzender Schimmelschaum bekannt, oder?

Es war einer dieser morgendlichen Träume voller Angst und böser Vorahnungen.

Besuch vom Alb

„Ich bin ein Mädchen von vielleicht 10 Jahren und befinde mich in einem Haus, dass mir sehr gut bekannt ist. Meine gesamte Familie ist anwesend, alle rennen aufgeregt und fröhlich durcheinander. Eine Mischung aller möglichen Parfums und Aftershaves liegt in der Luft, angereichert durch ein Gemisch aus Nikotin und Kaffee. Anscheinend bereiten wir uns hier alle auf ein großes Fest vor, denn jeder Anwesende hat seine schönsten Kleider an und ist dabei, sich extrem herauszuputzen.

Es wird viel gelacht und gescherzt. Die ausgelassene Stimmung und die in der Luft liegende Vorfreude lassen die Athmosphäre knistern. Ich kann kaum glauben, dass die Kinder mit dürfen, denn ohne jeden Zweifel werden wir gleich zu einem riesigen Event aufbrechen. Dem Aufwand zufolge könnte es sich vielleicht um eine Krönung oder Ähnlichem handeln. Ich bin sehr aufgeregt und stolz auf meine Leute, die sich inmitten der heissen Phase ihrer Aufhübschung befinden.
Und wie sollte es anders sein?

Kann ich Dir helfen?

Ich sehe mich Zöpfe flechten, Perlenketten schließen, Schuhe putzen, Krawatten und Schnürsenkel binden, Jackets entfusseln, Blusenknöpfe öffnen und wieder schließen, Bierflaschen tauschen und Zigaretten holen. Ich helfe gerne, das weiß meine Familie. Sie sind alle so schön anzusehen, da unterstützt man doch gerne.
Doch dann höre ich unser Familienoberhaupt zum Aufbruch rufen, die Autos stehen vor der Tür bereit und es soll los gehen. Zig Menschen rennen an mir vorbei durch den Flur nach draußen, um einen guten Platz in einem der Autos zu ergattern. Alles lacht und es entsteht ein riesen Trubel um mich herum.
Und ich?

Wo ist mein Kleid?

Ich kann einfach mein Kleid nicht finden, ich dränge mich durch die Mengen und frage jeden, aber entweder sind sie so in ihren Plausch vertieft oder sie hören mich schlicht weg nicht.
Mein Kleid …

Dann sind sie weg. Einfach weg. Ich sitze im Flur auf dem Eckpodest. Nicht nur sie sind weg, mein Kleid ist es auch. Ich war noch auf die Straße gerannt, aber der Familienchef hat nur gemeint, so kann ich auf keinen Fall mitkommen. Das war ja auch völlig klar, so wie ich aussah.

Da saß ich nun im Dunkeln und in der Stille alleine auf dem Treppenpodest, hier wo gerade noch das pure Leben tobte und wartete. Eine lange Zeit kauerte ich einfach nur da.
Nicht lange auf sich warten liessen die vertrauten
Stimmen in meinem kleinen Köpfchen.

Selber Schuld ?

Selber Schuld,
warum hast Du Dir nicht besser gemerkt,
wo Du Dein Kleid hingehängt hast?
Selber Schuld,
warum hilfst Du immer anderen und vergisst die Zeit dabei?
Selber Schuld,
warum hast Du eigentlich geglaubt, daß Du da mit könntest?
Selber Schuld,
warum hast Du nicht lauter gerufen,
dann hätte Dich vielleicht jemand gehört?
Selber Schuld,
Gerda, jetzt sitzt Du hier, da wo Du hingehörst.
Selber Schuld,
daß keiner zurückgekommen ist.
Selber Schuld,
so wie Du aussiehst.

Nicht schön !!

Irgendwann stehe ich dann auf und fange an aufzuräumen, abzuwaschen, die Aschenbecher zu leeren, die Bierflaschen an die Kellertreppe zu stellen und mein Kleid zu suchen.
Es bleibt verschwunden. Ich verschwinde auch. Ich lasse die Haustür hinter mir zufallen und laufe los. Laufen tun an diesem Tag nicht nur meine Beine, auch die Tränen laufen und laufen.
Trauer, Verwirrung, Wut, Angst und Scham gemischt mit Verlust und Schuld brachen aus mir heraus ohne jegliche Kontrolle …
Ich will nur weg, nach Hause oder sonst irgendwo hin.
Ich laufe, ich renne, ich weine, ich schreie, ich bekomme keine Luft mehr.

An dieser Stelle wachte ich meistens völlig erschöpft und verweint auf.
Mein Mann hat mich jedes einzelne Mal beruhigt und getröstet.

Da dieser Traum sich viele Male wiederholte, musste ich mich mit der innenliegenden Botschaft auseinandersetzen.
Ehrlich zu mir zu werden war die einzige Option, der einzige Weg nach Vorne. Sitzen bleiben in der Einsamkeit im Dunkeln?
Nein.

In der tiefen Auseinandersetzung mit meiner zerklüfteten Seele, meinem gebrochenen Herzen und meiner strapazierten Psyche konnte ich langjährige destruktive stressbefeuernde Verhaltensweisen bei mir entlarven und teilweise auch erfolgreich zum Positiven wenden.
War das einfach? Nein.
ABER, es hat sich gelohnt.

Du ahnst sicher schon, um welche es sich bei mir gehandelt hat oder?

Ich helfe gerne.
Ich mag es sehr, wenn es Dir nach einer Begegnung mit mir besser geht. (Zumindestens nicht schlechter)
Ich vergesse aber gerne mal,
für mich zu sorgen. Das muss kein Kleid sein. Im Alltag sind das Dinge, wie regelmäßige Mahlzeiten, genügend Schlaf und Zeiten für mich. Frische Luft, genügend Wasser trinken und liebevolle Beziehungen.
Die Basics für Hochsensible Menschen, wie mich.
Ich unterstütze auch manchmal Menschen, die gar keine Hilfe benötigen. Damit verausgabe ich mich und bringe andere um die Chance selbstständige Individuen zu werden.
Ich bin sehr gutgläubig,
und manchmal auch naiv. Niemals wäre mein Verstand auch nur in die Nähe eines Gedankens gekommen, dass jemand mir absichtlich das Kleid versteckt oder weggenommen haben könnte. Ich sehe immer das Gute und das Allerbeste in jedem.
Ich vertraue darauf, daß Du immer Dein Bestes gibst, genau so wie ich es tue. Tag für Tag 120%.
Das ist natürlich nicht so. Mein Verstand denkt das vielleicht ab und zu noch, aber mein Herz weiß es mittlerweile.
Nicht jeder sieht meine Welt wie ich.
Reife Hochsensible aus den Lebenstrümmern erwachsene empathische Menschen sind rar und schwer zu finden.
Doch es gibt sie und ich bin so dankbar einigen von ihnen begegnet zu sein. Das ist wunderschön zu sehen, daß immer mehr von uns in ihre Kraft kommen und zu sich stehen können.
Ich habe meinen eigenen Weg aus der Tiefe heraus gefunden, immer und immer wieder. Es war ein langer und beschwerlicher Weg.
An machen Tag wollte ich schon aufgeben.
ABER, ich bin hier und schreibe Dir diese Zeilen in der großen Hoffnung, daß Du etwas daraus für Dich entnehmen kannst, etwas was Dich weicher, empfindsamer und wahrhaftiger macht.
Etwas, was Dich auf einer Herzensebene mit Dir selber in Berührung bringen möge.

Das wäre sehr schön.

Ein Mensch wird schön durch die Kraft, sich über seine
Tiefschläge zu erheben und daran zu reifen. 

Das stimmt.
Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, daß man wirklich einsam und verlassen in der Dunkelheit ohne Kleid und im Dreck sitzt.
Ist das getan, kann die Heilung und die Schönheitskur beginnen.
Das kann und darf dauern. Je nachdem wie lange Dein Weg hinein war.
Da werden auch Tränen laufen. Das ist gut so und wichtig.

Erhebe Dich, Du liebe Seele,
Es gibt Hilfe und Deine
Schönheit wird reifen.

Versprochen!

Übrigens, diese Art von Albträume sind sehr sehr selten geworden und sollte mal wieder ein Alb mit einem Angebot vor meiner Herzenstür stehen, lasse ich ihn erstmal rein, ob er eine Wegweisung oder eine Botschaft für mich dabei hat. Aber nur bis in den Flur. Ich rede alleine mit ihm, in der Dunkelheit, jedoch niemals ohne Kleid.


Denn ich habe seit dieser Zeit immer eine gepackte Tasche dabei mit einem oder zwei Kleidern, falls wir uns tatsächlich im Inneren meines Herzens auf einen Tee treffen. Ich mag meine Kleider.
Die sind schön.
Und ich ?

Ich weiß es nicht,
man sagt es mir jedoch in letzter Zeit
öfter als in den Jahren zuvor.
Das ist schön.

Deine Gerda

Am Anfang dieses Beitrages habe ich Dich nach einer schönen Person gefragt, erinnerst DU Dich?
Nun, ich glaube, DU bist es.
Du bist einer dieser Schönheiten.
Vielleicht hast DU es nicht oft gehört, vielleicht würdest DU es auch gar nicht glauben, doch alleine die Tatsache, daß DU noch da bist, trotz der Dramen Deiner Vergangenheit berechtigt mich zu der Annahme, daß DU zu uns gehörst.
Den schönen Menschen, von den Elisabeth Kübler-Ross immer wieder gesprochen hat. Glaube mir:

DU  BIST  EIN  SCHÖNER  MENSCH !!

PS 1:
Die Kernaussage des Albtraumes ist für mich immer noch, daß ich nicht sitzen geblieben bin, sondern mich erhoben habe über jeden einzelnen Tiefschlag.
Jedes Mal.

PS 2:
Und was den Alb betrifft?
Wir sind zwar keine Freunde, aber Feinde sind wir auch nicht. Ich würde ihn als seelischen Steuerberater betrachten. Er kommt ab und zu, um mir zu empfehlen, meine Route zu überprüfen, er macht mir Vorschläge, das Steuer meines Lebens neu zu justieren. Deshalb verbindet uns so eine Art Zweckfreundschaft. Er kommt mal raus und ich kann wertvolle Tips zur Lebenssteuererklärung bekommen.
Und obschon uns beide eine gewisse Art von Leidenschaft für einen gepflegten High-Tea verbinden mag, ist eins völlig klar zwischen uns:
An einer dauerhaften Beziehung sind wir beide nicht interessiert, dazu sind wir nunmal einfach zu verschieden.
Allein meine Offenheit Engeln gegenüber macht ihn rasend und ich mag seine aufdrängende und freche Art nicht.
Wie schon erwähnt, reine Zweckbeziehung, mehr nicht.

4 Antworten auf „ABER, ABER – schön ist das nicht!“

  1. Sehr schöner Artikel, ich hab mich auch selbst darin wieder erkannt 🙂 Bitte genau so weitermachen, wenn ich Dich oder Menschen wie uns früher kennen gelernt hätte, wäre mein Weg aus dem Chaos sicher angenehmer und leichter geworden.

  2. Liebe Janina,
    Danke für Deine Ermutigung. Chaos können wir. Wie gut, daß wir gemeinsam unterwegs sind. ❣️
    Ich freue mich jedesmal, wenn ich in Deine immer mehr strahlenden Augen sehe.
    Mach Du bitte auch genauso weiter.

  3. Hallo liebe Gerda , es ist so wundervoll was Du schreibst und wie Du es ausdrückst . Es gibt mir den Sinn in vielen meiner Gedanken die ich habe . Es ist eine Freude von Dir zu lesen . Mach weiter so für all die denen Du die Stärke Schenkst . Danke es war mal wieder ein wundervoller Abend

    1. Liebe Marina, vielen Dank für deinen Kommentar, ich finde es erstaunlich und wunderbar, wenn Menschen wieder anfangen von innen her zu strahlen. So wie Du❣️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.