ABER, ABER – musst Du jede Kritik gleich persönlich nehmen?

Nur die haben ein Recht, zu kritisieren,
die zugleich ein Herz haben, zu helfen.“

Mit diesem Zitat von William Penn, der den Staat Pennsylvania gegründet haben soll, grüße ich Dich zu einem heiklen, aber wichtigen Thema im Leben eines hochsensiblen Menschen.
Niemand wird gerne kritisiert. In diesem Beitrag möchte ich den Versuch unternehmen, Dein bisher eher kritisches Bild in ein versöhnliches, vielleicht sogar hilfreiches Licht zu stellen. Wir sind in Woche elf, da kann man sich schon mal einen kritischen Blick gönnen.
Bist Du dabei?
Möchtest Du Deine Kritikkompetenz erweitern?
Also, los geht´s

Was hälst Du hier von ?

Bild 1

Nur zu:
Feuer frei für deine Kritik !

Der kompetente Umgang mit Kritik – eine Illusion?

Als Wesen mit feinsinnigen Eigenschaften sind wir in zweierlei Hinsicht nahezu perfekte Modelle, an denen sich verblüffend einfach zeigen lässt, was Kritik bedeuten kann und wozu sie im besten Fall im Stande ist. Wenn Du mit einem Hang zur übermäßigen Reizaufnahme um Dich herum geboren wurdest, einen Sinn für Schönheit im Sinne von Heiliger  Geometrie hast, viel belesen bist und möchtest, dass es Menschen nach einer Begegnung mit Dir besser gehen möge, bist Du sehr wahrscheinlich jemand wie ich, der gerne Kritik übt.

Ja, ich habe einen Hang zu langen Sätzen, dafür wurde ich schon mehrfach kritisiert.

Kritik üben

Sagt ja eigentlich schon alles. Wir üben und üben.
Das Problem mit dieser Überei ist die Sicht auf die Dinge.
Durch mein riesiges Vernetzungsgeflecht im präfrontalen Cortex habe ich einen enormen Schatz an Datensätzen gesammelt.
Dazu kommt noch mein (sich langsam verabschiedender) Wunsch nach meinem Bild von Perfektion. Ich betone, mein Bild.

Das Problem

Das Problem mit der Überei ist die Sicht auf die Dinge, denn was für andere Menschen ohne mein kompliziertes Denkgefüge schon längst perfekt und kurz vor dem Nobelpreis ist – ist für mich noch lange nicht mal brauchbar gewesen. Das war sowas von stressig.
Geburtstagsgeschenke einpacken, ein Bild malen, eine Präsentation vorbereiten, eine Rede halten, einen Zopf flechten, eine Bisquitrolle backen … Da gäbe es noch sehr viele Beispiele aus dem Leben von (augenscheinlich) Misses Perfekt.
Manche Menschen scheinen mit einem Fehlerfindergen auf die Welt gekommen zu sein. Sie kommen in irgendeine Situation und sofort geht der Scan los. Unterbewusstsein lässt grüßen.
Nicht schön, gar nicht schön.

Wie anmaßend ich rübergekommen sein muss, kann ich heute nur ahnen. Zu Spitzenzeiten meiner Kritiksucht dachte ich WIRKLICH, ich wüsste, wie jemand Hochzeit zu feiern hätte oder wie man einen Flohmarktstand besser dekorieren könnte. Wenn jemand in einer Runde ein Problem hatte, wusste ich sofort, wo man die Lösung finden kann. Kein Gedanke, dass da einer einfach nur mal erzählen will, wie er denkt oder womit er kämpft. Eine halb geöffnete Schublade in einem fremden Wohnzimmer hat mich mal fast um einen schönen Silvesterabend gebracht. Oh, Oh.
Kritik üben hieß in meinem Fall: Ich weiß es besser und halte auch nicht mit meiner Meinung vom Leben hinterm Berg.
Das ist ein anstrengendes und kräfteraubendes Leben, denn leider war ich im Umgang mit mir selber auch zur Übungsleiterin der Kritikabteilung geworden. Keine Ahnung, wieviele Bilder von mir im Altpapier, wieviele Bisquitrollen im Müll und wieviele Familienfeiern ich in unfassbarer Kritikanspannung verbracht habe.
Kennst Du das?

Die Lösung

Die Lösung in meinem Fall war schlicht und ergreifend eine Übung im Ändern meiner Sichtweise auf die Dinge.
Überrascht? Nicht wirklich, oder?
Meine Strategie zur Überwindung meiner Kritiksucht ist der einfache Slogan:

Vom  – entweder oder –  zum –  sowohl als auch 

Wenn ich heute in eine Situation gerate, wo ich einen Verbesserungsvorschlag oder eine Kritik auf Lager habe, sehe ich bewusst erstmal das Gute und Schöne, das was funktioniert. Ich spare gar nicht mehr mit Lob, denn ich weiss ja, dass jeder sein Bestes gibt.
Und auch wenn ich immer noch viel sehe, höre, und spüre, was einer Kritik würdig wäre, prüfe ich mich sehr genau, ob es hilfreich ist zu dieser Zeit an diesem Ort diese Kritik anzubringen.
Und wenn es so ist, versuche ich freundlich und wohlwollend zu sprechen, ich verwende gute Worte.
Das klappt immer besser, auch was meine Selbstkritik betrifft.
Es gibt zwischen schwarz und weiß, jede Menge Grautöne.
Es gibt sowohl spontane Partys, die sich einfach so aus der Situation  ergeben, als auch geplante Feiern mit monatelanger Vorbereitung.
Es kann sowohl ein spontanes Bild auf einem Einkaufszettel entstehen, als auch ein stundenlang durchdachtes skizziertes Bild auf dem Aquarellpapier.
Geplant und spontan.
Flohmarkt und Designerboutique.
Imbiss und Edelitaliener.

Wenn Du an Kritiksucht leidest, Deine Familie Dich als Spaßbremse oder Spielverderber betitelt, Du immer was zu meckern hast, Du dieses Fehlerfindergen geerbt hast und unglücklich bist…
dann bist Du nicht alleine und hast mein tiefes Mitgefühl.
Du hast eine herausragende Gabe, die, wenn sie mit herzlicher hilfebringender Motivation eingesetzt wird, gerne gesehen und beachtet wird.
Besserwisserei und Spontanspaßverhinderer dagegen nicht.
In den allermeisten Fällen gibt es wirklich ein sowohl als auch.
Probiere es aus, Du wirst staunen, wie sich alles entspannt und im Vertrauen:
Wenn guter Rat teuer ist, bist Du da und hilfst, wo Du darfst.

Und bis dahin:
Üben wir weiterhin fleissig Kritik in Liebe anzubringen, da wo sie ausdrücklich erwünscht und hilfreich ist. OK?

Hast Du Dich wiedererkannt ?  Bist Du einer von den genetisch veranlagten Kritikern, die mit einer Möwe auf einer Hallig über die neusten Richtlinien für energetische Passiv-Nestbauweise nach DIN 2019 streiten könnten? Ehrlich!

Was hälst Du hiervon?

Bild 2

Nur zu:
Feuer frei für Deine Kritik!

 

Die andere Seite

Kritik üben ist kein Problem für mich.
Viel schwieriger für mich zuzugeben ist die Tatsache, dass ich immer noch große Schwierigkeiten damit habe, Kritik anzunehmen.
Wenn ich in der Vergangenheit kritisiert worden bin, dabei war es egal, wer mich kritisiert hat oder ob diese überhaupt angebracht war, brauchte ich Tage, manchmal Wochen, um mich seelisch zu erholen.
Warum?

Das Problem

Weil ich durch meine feine Wahrnehmung oft feinste Urteile der  Person mir gegenüber spüren konnte, selbst bei sachlich richtiger Kritik an meinem Handeln, hab ich jede Kritik auf mich als Person bezogen. Dann folgte Rückzug, schmollen, Gandankenkreisen um meine Unfähigkeit überhaupt irgendwas zu können..
Dabei ist Kritik genau genommen doch nur die Sichtweise meines Gegenübers, die sich von meiner manchmal nur dezent unterscheidet.
Schräg, oder?

Heute ist es etwas besser geworden, ich versuche wirklich die Botschaft von dem Boten zu trennen.
Dabei gehe ich meistens so vor, dass ich mir folgende Fragen stellen:

Die Lösung

Wer übt da gerade an mir?
Ist es jemand, der mich kennt, mich liebt und mein höchstes Wohl möchte oder, und das kommt viel häufiger vor, ist es jemand, der mich bloßstellen, maßregeln oder kleinreden will?
Personen aus Kategorie II versuche ich anzulächeln, mir den Staub von den Schuhen zu schütteln und fröhlich meines Weges zu ziehen und genau so weiter zu machen.
Bei den zuerst beschriebenen Personen prüfe ich die Kritik und nehme sie in Liebe und Dankbarkeit an.

Die Kunst ist mich in Unterscheidung der Jeweiligen zu üben.
Damit bin ich beschäftigt genug .
Und Du?

Kritikkompetenz

Gibt es nun sowas wie einen kompetenten Umgang mit Kritik?

Ehrlich geschrieben, ich weiß es nicht, da einfach zuviele Unbekannte zu beachten sind, als da wären:
meine Tagesform, deine Tagesform, Hormone, Wetter, Laune des Ehemanns, Hunger des Hundes, ein Knöllchen, rosa gefärbte Weisswäsche, angebrannte Paprikaschoten, Blattläuse auf Kletterrosen …

Eines weiß  ich jedoch. Wenn ich wirklich in der Vergangenheit eine echte Kritik angenommen und mir zu Herzen genommen habe, hat es mich jedes Mal nach vorne gebracht oder mich vor Schaden bewahrt.
Grund genug, um mich viel öfter mit wohlwollenden Menschen zu umgeben und mich nach Herzenslust kritisieren zu lassen.
Nach dem Motto:
Was mich trifft, betrifft mich – mal mehr, mal weniger.

So gestärkt im Austausch mit den Lieben, vertrage ich die Kritik von anderen schon sehr viel besser. Aber auch das ist reine Übungssache.

Was hälst Du hiervon?

Bild 3

Nur zu:
Feuer frei für Deine Kritik!

So, Du liebe Seele,
ich wünsche Dir von Herzen
einen würdevollen Umgang mit Kritik,
sei es beim Üben oder Annehmen.

Deine
Gerda

Wie dem auch sei, über eine positive Kritik in jeglicher Form freue ich mich sehr, negative Kritiken bitte nur von Menschen, die mich lieben.

Zu Bild 1:
für mich ist es das Bild des Jahres 2019, weil ich den Maler kenne,
seine Fähigkeiten und die äusseren Umstände.

Zu Bild 2:
für mich ist es das Bild des Jahres 2019, weil ich den Fotografen
kenne, seine Fähigkeiten und die äusseren Umstände.

Zu Bild 3:
für mich ist das das Bild des Jahres 2019, weil ich den Künstler kenne, seine Fähigkeiten und die äusseren Umstände.

PS:
Solltest Du es auch nur ansatzweise in Betracht ziehen oder im Traum daran denken an den liebsten Menschen in meinem Leben oder an deren Werke Kritik zu üben …
Das ist eine ganz andere Geschichte. Du verstehst mich, oder?

„Nur die haben ein Recht, zu kritisieren,
die zugleich ein Herz haben,  zu helfen.“

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