ABER, ABER – jetzt vertraue doch mal !

Hallo Du liebe Seele,

Kennst Du Situationen im Leben, die Dich richtig umhauen?
Du denkst, alles läuft und dann? BÄM!

Hochsensible Menschen sind meiner Erfahrung nach um ein Mehrfaches schneller aus dem Gleichgewicht zu bringen als viele andere Menschen in der gleichen Situation.
Körperlich, seelisch und geistig. Alle Bereiche scheinen in einem filigranen und gleichsam fragilen Gleichgewicht miteinander zu funktionieren.
Doch darum soll es heute nicht gehen.
Vielmehr um Vertrauen, Selbstvertrauen und Hingabe.
Um Glauben, Staunen, Angst und Mut,
um Hochspannung und Begeisterung.
Um Vertrauen.

Heute lade ich auf ein Drahtseil ein: 

 

Bereit ?

Die Geschichte vom Seiltänzer

Hoch über dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatte ein Seiltänzer sein Drahtseil gespannt und machte dort oben unter den staunenden Blicken vieler Zuschauer seine gefährlichen Kunststücke.

„Glaubt ihr, dass ich hier auf diesem Seil rübergehen kann?“,
fragte er in die Menge.
„Ja, wir glauben es“ riefen die Menschen und schauten dem lebensgefährlichen Unternehmen gespannt zu.
Und so ging er in luftiger Höhe mehrmals über das gespannte Seil.

Gegen Ende der Vorstellung holte er eine Schubkarre hervor
und fragte die Anwesenden:

„Glaubt ihr, dass ich auch mit dieser Schubkarre  rüberkomme?“

„Ja, wir glauben es, du schaffst es!“ schrieen die Zuschauer begeistert.
Und tatsächlich kam er mitsamt Schubkarren am anderen Ende an
und die Menschen waren begeistert.

Dann fragte der Seiltänzer die Zuschauer:
„Wer will sich in die Schubkarre setzen,
damit ich ihn dann über das Seil schiebe?
Da wurden die Mienen der Zuschauer ängstlich.
Nein, dazu hatten sie keinen Mut!
Nein, keiner traute sich das.

Plötzlich meldete sich ein kleines Kind:
„Ich setze mich in die Karre“
rief es, kletterte hinauf und unter dem gespannten Schweigen
der Menge schob der Mann das Kind über das Seil.
Als er am anderen Ende ankam, waren alle außer sich vor Begeisterung und klatschten tobend Beifall.

Einer aber fragte das Kind:
„Sag mal,  hattest du keine Angst da oben?“

„Oh nein“,
lachte das Kind:
„der mich über das Seil schob, ist ja mein Vater!“

Kleine Atempause
Bevor es weiter geht, ergeht eine Frage an Dich, lieber Leser, liebe Leserin: „Mit wem oder was in dieser Geschichte kannst Du Dich heute am ehesten identifizieren. Was fühlst Du und wem würdest Du gerne etwas zurufen?“

Im Folgenden möchte ich Dir diese Szene auf dem Marktplatz aus verschiedensten Perspektiven beleuchten und den Versuch wagen, wertvolle Erkenntnisse und hilfreiche Strategien daraus zu entwickeln, die das Leben als feinsinnigen Menschen bereichern und entspannen können.

Du darfst gespannt sein, apropos gespannt:

  1. Du und das Drahtseil:
    Gefühlvolle Menschen erleben oft das Leben wie auf einem Hochseil, ein Schritt nach links oder rechts kann ein Taumeln oder ein Stürzen bedeuten. Wo musst Du auf Deine Balance achten und Dich konzentrieren, nicht zu fallen?
  2. Du und der Marktplatz
    Viele hochsensible Menschen sind in Menschenmassen völlig überfordert von all den Emotionen und Gefühlen, Geräuschen und Gerüchen.
    Geht es Dir auch so, daß Du den Rand einer Veranstaltung eindeutig dem Bad in der Menge vorziehst?
  3. Du und der Tänzer
    Feinsinnige Menschen sind nicht selten Hochbegabte Wesen. Hast Du DEIN Seil schon gefunden, Deine Gabe entdeckt, trainiert und lässt Dich feiern? Oder bist Du noch auf der Suche, womit Du die Welt begeistern wirst.
  4. Du und die Schubkarre
    Da empathische und zugewandte Menschen nicht selten als Transportmittel für Nachrichten (gute wie schlechte) in Betracht gezogen werden, auch Streit schlichten und einen ausgleichenden Effekt in verfahrene Situationen bringen, besteht die große Gefahr nur noch als Schubkarre zu funktionieren.
    Wirst Du als Person oder für Deine Funktion geliebt ?
    Schon mal darüber nachgedacht?
  5. Du und die Zuschauer
    Als sensitive Wesen sind wir schnell für eine Sache zu begeistern, wir feuern an, wir unterstützen, wir sind die besten Fans, die Treuen, die Loyalen. Oft längst über das Ziel hinaus.
    Was für ein Zuschauer bist Du? Schnell zum Applaus, langsam zur Kritik? Wem oder was gegen über ist eine Loyalitätsfrage längst überfällig?
  6. Du und das Kind
    Viele emotionale Lebewesen haben eine blühende Fantasie, brauchen viel Schlaf, regelmässige Mahlzeiten und machen sich manchmal einfach keine Gedanken über die Zukunft – wie Kinder.
    Hat Dein Inneres Kind schon Heimat gefunden in Deinem Herzen?
  7. Du und Deine Angst
    Menschen mit einer erhöhten Aussenreizaufnahme neigen nicht selten dazu rational gesehen völlig unsinnige Ängste zu haben.
    Manche haben sogar Weltschmerzen oder Phobien entwickelt, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.
    Wovor hast Du am meisten Angst? Und welche Strategien hast Du gegen Deine Angst erfolgreich eingesetzt? Vermeidung, Konfrontation oder liebevolle Integration? In welchen Situationen darfst Du Dich getrost in die Schubkarre setzten? Wer hat sich als Dein Vater erwiesen?
  8. Du und Dein Mut
    Mitfühlende Menschen brauchen viel Mut zu Ihrer Art, die Welt zu sehen, zu stehen. Wenn sie aufgrund ihres starken Gerechtigkeitssinns sich für Opfer jeder Art einsetzen, erweisen sie sich als sehr mutige und entschlossene Wesen, die für die Schwachen kämpfen.
    Erkennst Du Dich wieder, wo hast Du Mut bewiesen?
  9. Du und Dein Vertrauen
    Ich kann nur von mir schreiben. Mein Vertrauen zu mir und zu anderen wächst seit dem Tag, an dem ich mein Leben meinem persönlichen Hochseilartisten anvertraut habe. In seine Schubkarre kann ich mich ohne jeden Zweifel setzen. Er hat sich als liebender Vater erwiesen, immer und immer wieder.
    Wo schöpfst Du Vertrauen? In wen oder was setzt Du Dein Vertrauen?Kommen wir ins Gespräch darüber.

Weitere kleine AtempauseI

Ich weiß nicht, wie es Dir nach dieser kleinen Hochseilattraktion geht.
Mir geht es sehr gut.
Nur als kleines Outing oder als Bestätigung für Dich, daß Du wirklich hochsensibel bist kommt jetzt mein Erleben beim Lesen dieser kleinen Szene, die so viel mehr ist als das.

So oder so ähnlich

lese ich als hochkomplexes Persönchen eine solche kleine Geschichte:
Ich tauche wirklich tief ins Geschehen, in Material und in die Umgebung ein. Durch meine hohe Ausprägung, mir bildlich Worte und Situationen vorzustellen, in den schillerndsten Farben und Formen, kann mich das Lesen dieser kleinen Szene über Tage beschäftigen. Ich denke mir eine neue Location aus, stelle mir vor, ich wäre eine Reporterin und würde die Ehefrau des Tänzers begleiten oder aber ich wäre beim Fall der Schubkarre direkt anwesend oder ich würde mit einer Drohne die Geschichte von oben filmen. Oder ich stelle mir vor, wie der Tänzer schon von seinem Vater auf dem Seil in der Karre  geschoben wurde oder aber ich bin in den Tänzer verliebt und reise ihm hinterher oder aber ich bin die Herbergsmutter, wo Vater und Sohn absteigen und darf das Geheimnis ihres Erfolges nicht preisgeben, was mir extrem schwerfällt oder ich bin heimlicher Zeuge von den Übungsstunden oder ich bin der schwarze Zylinder der am Ende durch die Menge gereicht wird oder ich bin die schnelle Gerdi, die den Dieb schnappt, der den Hut klaut. Als Sanitäterin vor Ort mit Headset und  Warnweste wäre auch cool. Oder aber ich bin die Mentaltrainerin des Tänzers und fahre in die nächste Stadt vor, zur Vorbereitung der Strecke. Vielleicht bin ich auch das Auf und Abbauteam und für das Material zuständig. Oder ich komme von der Krankenkasse um die Gefahr für Leib und Leben einzuschätzen und ob wir Familie Hochseiltanz aus der Versicherung ausschliessen müssen.
Oder ich bin vom Ordungsamt und schecke die Qualität der Ösen und Spannschrauben oder aber ich bin die kleinere Schwester des Kindes und möchte unbedingt mit in die Schubkarre … oder … oder …

Vielleicht bin ich auch eine Hummel, die sich komplett verflogen hat, das wäre ja nichts Neues und ich würde auf der äußersten Kante Balancestange landen, Zufällig. Das wäre verheerend. Oder aber ich wäre die Stange selber und hätte es sowas von satt immer nur als Hilfsmittel benutzt zu werden.
Als Drahtseil steht man jeden Tag zumindest für die Show total unter Hochspannung, das ist ja gar nichts für mich.
Spätestens wenn ich mich mit dem abgelutschten Fruchtbonbon von gestern in Zellufanpapier in der linken Hosentasche des Kindes in der Schubkarre identifiziere, voller Angst, ich werde gleich rausgeholt und durch diese Aktion wackelt die Karre und ich komme durch den unausweichlichen Absturz nicht in meine volle Bestimmung gelutscht zu werden.
Spätestens dann, wird es Zeit mich einmal zu schütteln um wieder ins „Hier und Jetzt“ zu kommen.
Diese Gedankenbblitzlichter  gehen in Millisekunden an meinem Inneren Auge vorbei, würde ich wirklich nachdenken … Keine Ahnung, was dann noch alles hervorkommen würde.
Entweder bin komplett chaotisch und unnormal.

ODER, und das ist sehr viel wahrscheinlicher:
bin die hochsensible Gerda, die einfach mal vertrauen sollte, dass ihr irgendwann auch nur eine so grandiose Geschichte einfällt, über die sich dann viele Hochsensible tagelang Gedanken machen dürfen, nur zum Spaß an der Freude.

Und bis dahin?
wird geübt, wie der Tänzer auf dem Hochseil, der soviel Vertrauen hat, zu sich und seinem Kind. Dem Kind, daß er liebt.

Durch üben, üben, üben …
Ich will Vertrauen lernen üben, Schritt für Schritt und immer mehr.

Danke, dass Du mit mir aufs Seil geklettert bist.
Ich hoffe, Dir ist nicht schwindelig geworden?
Ich bin gerade warm geschrieben.

In diesem Sinne

Immer schön im Gleichgewicht bleiben.

Deine Gerda

 

PS 1:
Das hat jetzt mal richtig Spaß gemacht einfach die Finger über die Tastatur tanzen zu lassen.
Probier’s doch auch mal aus, in eine beliebige Geschichte zu tauchen und verschiedene Rollen und Perspektiven einzunehmen.
Der Spaß ist garantiert.

PS2:
Wo sehen wir uns? Unten, oben oder mittendrin?
Schreib mir gerne, ich bin überall und nirgends zu finden.

PS3:
Nun aber bleiben mein Glauben an die eigene Kompetenz und die feste Hoffnung, dass wir auf der anderen Seite ankommen, sowie die unerschütterliche Liebe, dass wir zusammen immer wieder heile unten ankommen .

Die Liebe ABER ist die Größte unter ihnen.

So sei es!

(Die Legos sind eine freundliche Leihgabe meiner Söhne,
die Fotos sind von einem befreundeten Fotografen gemacht worden.) 

2 Antworten auf „ABER, ABER – jetzt vertraue doch mal !“

  1. Liebe Gerda,
    ist nicht jeder Tag irgendwie ein Tanz auf dem Seil? Ich sehe mich als den Seiltänzer, der alle seine Lieben in der Schubkarre hat, und sie sicher über das Seil bringt. Natürlich muss ich nicht alleine ballanzieren: ich habe immer die göttliche Unterstützung.
    Meine Großmutter hat früher immer gesagt: „Der Mensch denkt, und Gott lenkt.“

    1. Liebe Hannelore, wie glücklich wir doch über so weise Großmütter sein dürfen. Ich hoffe, wir beide werden auch zufriedene alte Ladys mit einem erfüllten Leben und einem Herzen voller Dankbarkeit❣️

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