ABER, ABER: Hakuna Matata! Echt jetzt?

Hakuna Matata

Hallo Du liebe Seele,
heute möchte ich Dir einen weiteren persönlichen Einblick in mein Leben als hochsensibles Wesen gewähren.
Es geht um Sorgen.
Um etwas oder jemanden …
Ich habe noch vor gar nicht langer Zeit ein prall gefülltes Sorgenkonto gehabt. Ganz im Gegensatz zu meinem Sparkonto bei der Bank gibt es für Sorgenkonten jedoch jede Menge Zinsen in Form von Schlaflosigkeit, Magenschmerzen, Nackenverspannungen, Gereiztheit, Migräne, Allergien und Misstrauen. Je mehr ich mich mit all den Sorgen dieser Welt und meines kleinen Universums beschäftigt habe, desto größer war mein Zinsanteil.
Was sagt dein Kontostand bei der Sorgenbank?
Wann hast Du Dir das letzte Mal so richtig Sorgen gemacht?

Hat man Dir auch schon mehrmals gesagt, Du sollst Dir einfach nicht so viel Sorgen machen?
Wurdest Du auch schon mit Sorgenfressern, Antisorgenbüchern und allerlei Methoden zur Sorgenfreiheit bedacht?

Bei unserer globalen Gesamtlage und bei meiner begrenzten Wahrnehmung gibt es genug Kapital um sich jede Minute des Tages Sorgen zu machen. Und daß Menschen Sorgen haben, ist wirklich keine neue Erkenntnis. Du hast Sorgen, ich habe Sorgen. Doch meine Frage heute lautet:
Was ist denn nun wirklich dran, an Hakuna Matata?

Im Auto allein?

Es war einer dieser Tage, ich war alleine in meinem kleinen Flitzer unterwegs zu einem Termin. Ich genieße meine Freizeiten im Auto, nicht nur, weil ich ungestört laut meine eigenen Cd’s mitsingen kann und keinen mit meiner schrägen Tonlage belästigen muss. Ich denke auch gute Gedanken beim Autofahren. Das Auto ist für mich auch der einzige Ort, wo ich manchmal tatsächlich Radio höre.
Und dann geschieht das, was sooft ohne Vorwarnung einfach passiert: Ein Lied wird angespielt und ohne dass ich irgendetwas dagegen tun kann, laufen mir die Tränen. Ein Herzenssong, ein Seelenlied, eine Melodie, die sich direkt in mein Innerstes zu schwingen scheint. Ich musste schon mehr als einmal rechts ran fahren, weil ich so überwältigt werde von mir völlig unbekannten Tönen und Rhythmen.

An diesem Morgen wurde ich also wieder mal sowas von erwischt, dass ich komplett verheult bei meinem Termin ankam und ehrlich glaubhaft versichern musste, dass es mir wirklich gut geht.

Bei den heutigen digitalen Möglichkeiten war das Lied des Tages schnell gefunden.
Dieses Mal handelte sich also um das Lied „Spirit“ von Beyoncé,
was mich ins Mark getroffen hatte.
Ich hörte nur Fetzen von „offenem Himmel, rufendem Schicksal und Einssein mit dem großen ICH BIN …“

Und genau dieses Lied ist der neue Titelsong von?
Na?
König der Löwen“.
Was für eine unglaubliche Musik.
Völlig klar, ich fasse sofort den Plan, mir im Kino die Neuverfilmung dieses Klassikers anzusehen. Der wurde auch prompt umgesetzt.
(Mein Versöhnnungstrip in Sachen Kino ist eine andere Geschichte)

Im Kino allein?

Irgendwie konnte sich am Tag des Kinobesuchs keiner meiner Männer wirklich begeistern, also: Gerda geht also alleine ins Kino, kein Ding – mag ich, dann braucht sich auch keiner für die Heulsuse schämen, die manchmal vor lauter Rührung laut anfängt zu schnuckern.
Alleine ins Kino zu gehen hat den Vorteil, dass man sich komplett auf den Film und die Sounds einlassen kann. Ich war fest entschlossen, keine Sekunde des Films zu verpassen, wollte alles hören und sehen, was die Königliche Löwenfamilie mir zu bieten hat.
Natürlich wollte ich auch die neuen Lieder geniessen.

Was ich allerdings dann zu sehen und zu hören bekam, hat mich wirklich zutiefst berührt, was ja eigentlich nicht schwer ist bei mir.
Die Geschichte vor mir auf der Leinwand zog mich nicht alleine in ihre Magie. Nein, auch die 15-20 besonderen Menschen, die direkt  hinter mir saßen und den ganzen Soundtrack lauthals  auswendig mitsangen, hatten die volle Aufmerksamkeit meines feinen Gehörs auf sich gezogen. Grandiose Karaoke, keine Frage, diese Leutchen hatten sich wochenlang auf diesen Kinobesuch vorbereitet und sangen um ihr Leben – so schräg und so laut sie eben konnten. „Versteckte Kamera“? Keine Spur. Die kannten alle Wörter dieses wundervollen Soundtracks, allerdings bezweifle ich, dass sie auch nur den Ansatz einer Ahnung hatten, WAS sie da sangen – ABER – sie sangen.
Selbstbewußt und völlig selbstverständlich.
(Memo an Gerda: mach Dir keine Sorgen mehr, wenn Du mal mit offenem Fenster an der Ampel stehst und zu lauthals mitsingst.
Das ist kein Vergleich zu dem hier.)

Und da saß ich also, allein und so gar nicht mehr allein.
Früher hätte ich mich eventuell beschwert und den Saal verlassen.
Doch seitdem ich mich dazu entschieden habe, immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, da wo ich bin, war ich auf meine Lektion des Lebens an diesem Nachmittag mehr als gespannt. Ich mache mir über meinen physischen Aufenthaltsort einfach keine Sorgen mehr.
Über die fliegenden Popkörner (oder Popkorns?)  konnte ich echt nur noch grinsen. Was für ein Erlebnis schon wieder, oder?
Gerda allein im Kino, von wegen!

Die Geschichte

Ich gehe davon aus, dass Du die Geschichten vom Geweihten Land, Simba, Nala, Mufasa und Scar, Timon und Pumbaa ein wenig kennst?

Auf jeden Fall rennt Simba, der junge Löwenprinz aufgrund massiver Manipulation vom feinsten durch seinen Onkel Scar von zuhause weg, obwohl er eigentlich der neue König sein soll. Scar hat Mufasa getötet und lässt Simba in dem Glauben, er wäre für den Tod seines Vaters verantwortlich und solle besser verschwinden. Dann schickt er noch ein paar Hyänen hinterher, die dem jungen Leben von Simba ein Ende setzten sollten. Hilfe, wie grausam. Simba kann fliehen.
Klassischer Fall von Schuldverschiebung, kennen wir ja zur Genüge.
(Memo an Gerda: Wie kann man so einen gruseligen Film ab 6 Jahren freigeben, die armen Kleinen Kinder, um die muss man sich ja echt Sorgen machen, wie sollen die danach jemals wieder schlafen …)

Zurück zum Film: In der Wildnis halb tot angekommen, wird Simba von dem Warzenschwein Pumbaa und dem ErdmännchenTimon prompt in die wunderbare Philosophie,  ihrem Lebensmotto  Hakuna Matata eingeweiht. Beide hatten in der Vergangenheit Ärger mit anderen Wildnisbewohnern und bildeten somit eine Art Leidensgemeinschaft mit dem Auftrag, das Leben fortan sorgenfrei zu geniessen.

Hakuna Matata – keine Sorgen für den Rest Deines Lebens?

Dieses Dreierteam hat unbeschwerte Zeiten in der Wildnis und langsam vergisst Simba seine Berufung als König. Sorgenfrei in den Tag leben, im Einklang mit den anderen Tieren. Bei Beeren und Würmern, bei Käfern und Maden. Und mit viel Gesang und Spass.

Einfach keine Sorgen machen

Auf der Kinoleinwand scheint es gut zu klappen.
Hinter mir in der Reihe scheint es auch zu funktionieren, denn je länger der Film dauert, desto (gefühlt) lauter und schräger wird mein Livechor, bei dem auch  zwischendurch wild über die Gemeinheit von Scar und den Hyänen diskutiert wird.
Commedyreif!!

Bei mir persönlich hat es lange Zeit gar nicht geklappt mit Hakuna Matata. Bevor ich meinen Glaubenssätzen auf die Spur gekommen bin, habe ich mir sehr viele Sorgen um sehr viele Dinge gemacht.

Sich Sorgen machen ist etwas völlig anderes als Sorgen zu haben.

Echte Menschen haben echte Sorgen. Eine Krankheit, ein Verlust, eine ungewisse Zukunft, unglückliche Beziehungen, Schulden …
All das sind echte Sorgen und sie haben ihre legale Berechtigung.

Und eben diese echten Sorgen hatten Simbas Mama, seine Freundin, samt dem Rest der Tiere des Geweihten Landes, weil sie dem Untergang entgegengingen, während Simba sein Leben genoß.
Alle dachten er sei tot, als Nala, Simbas Jugendfreundin sich auf den gefährlichen Weg macht, um Hilfe zu holen für ihr Volk!
Mutige Nala!

Sorgen zu haben ist eine Sache – und wirklich schlimm.
Aufzustehen und mutig etwas gegen seine Sorgen zu tun, erfordert Größe und einen Glauben, dass es irgendwo Hilfe geben muss.

Als Nala dann in der Wildnis auf den lebendigen Simba trifft, ist diese zunächst und völlig zu Recht entsetzt, weil Simba es sich gut gehen lässt während das Geweihte Land in Schutt und Asche liegt und die Tiere an Hunger und Durst verenden. Der gemeine Onkel Scar hat mit den Hyänen das Geweihte Land zu Grunde regiert und alle hungern.
Ein König sollte doch ein Diener sein, oder?

Nix mit Hakuna Matata

Nala ist trotz anfänglicher Enttäuschung sehr froh, dass die Liebe ihrer Kindheit noch am Leben ist und fleht Simba an, nach Hause zu kommen, um seinen rechtmäßigen Platz als König einzunehmen.
Der ist mittlerweile auch nicht mehr so sicher, wer und was er eigentlich ist – bekommt dann aber noch übernatürliche Unterstützung von einem Personal-Coach in Form eines Affens, der ihm wiederum den Kreis des Lebens eindrücklich erklärt und ihn schliesslich auch dahingehend berät, zu entdecken wer ER wirklich ist.

Manchmal brauchst Du echt einen Coach, weil Du den Überblick verloren hast, oder gar nichts mehr sehen kannst.

Wer bist DU?
Was ist DEINE Bestimmung?

Gibt es eine große Aufgabe da draussen für DICH, für die DU Deine Hakuna-Matata-Zone endlich verlassen solltest?
Klopft DEIN Herz bei diesen Zeilen?

Ich bin kein Affencoach, aber mein ganzen Wesen sehnt sich nach der Freisetzung hochsensibler empathischer Menschen, die ihren  massgeschneiderten Platz in unserer Gesellschaft einnehmen und sich nicht mehr für Ihre Gaben entschuldigen. Solche Genies, die mit ihrer emensen Kreativität echte Lösungen für echte Sorgen suchen und finden.
Simba brauchte diese Erinnerung an seinen Auftrag und an seine Bestimmung. Er war abgelenkt von zuviel  Hakuna Matata.
Wie Du Dir denken kannst, gibt es ein einigermaßen gutes Ende.
Außer für Scar.
Mein Chor braucht morgen sicher Halswehtee, aber sie haben es mit Sicherheit genossen.
Und ich?
Tja …

Wie sooft bin ich am Ende dieses Beitrages ganz woanders angekommen, als ich geplant hatte. Ich wundere mich immer wieder, dass ich mit meinem Auto wenigstens meistens da ankomme, wo ich eigentlich hin will.

SIE HABEN IHR ZIEL ERREICHT !“

Wer von uns würde das am Ende seines Lebens nicht gerne hören?
Wir alle haben Sorgen, das ist das Leben.
Gleich einem Rhythmus, mal gehts hinauf, mal hinab.
Sollte es jedoch nur noch hinab gehen und DU Dir viel zu viele Sorgen um alles machst, dann steh auf und hole Dir Hilfe oder frage  jemanden, der für Dich Hilfe holt.
Es muss ja nicht gerade ein Affe sein!

Obwohl? Wenn es hilft, warum nicht.

Es gäbe sicher noch viel zu schreiben über diese Disney-Geschichte, vielleicht mache ich das noch an andere Stelle.
Meine sonst so große Liebe für alle Wesen wurde durch das Benehmen von Scar und seinen Hyänen echt auf die Probe gestellt, weil sie sowas von gemein und hinterlistig waren, fies und berechnend.
Oder über meinen vollsten  Respekt für Timon und Pumbaa die ihren Freund nicht im Stich gelassen haben und ein echtes Antimobbing- Statement ablieferten. Oder der mutige kleine Vogel …

Und Hakuna Matata?

Es gilt – aber wie alles im Leben eben nur bedingt, denn wie wir alle mittlerweile wissen, kommen wir nicht ohne Schmerz und Kummer durch dieses Leben.
ABER: wir können uns Hilfe beim besten Coach der Welt holen, der in meinem persönlichen Fall auch ein König war. Ein Mensch. Ein Gott. Ein Freund. Ein Rateber. Ein Tröster. Ein Versorger. Ein guter Hirte. Eine Tür. Ein Licht. Ein Weg.
Und Du wirst es nicht fassen:
Ein LÖWE!

Keine Schande zuzugeben, daß man sich verdüddelt hat und Hilfe braucht beim klarer Sehen und auch in Sachen Berufung tut sich gerade einiges bei mir. Aber dafür werde ich meine Kuschelzone verlassen, um echten Menschen, die echte Sorgen mit ihrer Bestimmung haben als feinsinniges Wesen geboren zu sein, zu helfen.

Oder Hilfe zu holen.

Du liebe Seele,
herzliche Grüße

von
Gerda

PS1:
Mein Sorgenkonto ist noch da, aber die Zinsen in diesem Jahr sind sehr viel weniger, als die Jahre zuvor.

PS2:
Wie gut wenn man einen oder zwei Freunde hat, mit denen man Freude und Leid teilen kann.

PS3:
Und das nächste Mal, wenn Du alleine im Auto bist?
Singen befreit- ehrlich ! Vielleicht : „ the lion sleeps tonight“

 

2 Antworten auf „ABER, ABER: Hakuna Matata! Echt jetzt?“

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