ABER, ABER: „DU hast leicht reden!“

Hallo Du liebe Seele,
Ich freue mich, dass Du Zeit findest, hier mit mir über ein strapaziertes, aber nicht weniger wichtiges Persönlichkeitsmerkmal nach zu sinnen.

Die Rede ist von einem der meist missbrauchten und wohl auch oft missverstandenem Wörtchen:

AUTHENTIZITÄT 

Wer gemäss seinen Emotionen, Gedanken, Werten oder Überzeugungen lebt und auch danach handelt, gilt gemeinhin als authentische Person. Wenn dann noch die Bedürfnisse und die Erwartungen an sich selbst und andere geklärt sind, kann man auch auch von Echtheit oder Wahrhaftigkeit sprechen.

 

Kennst Du einen authentischen Menschen? Wie hoch ist Dein Anspruch an Dich und Deine Mitmenschen, was diese allesamt hochsensiblen Eigenschaften angeht?


DU hast gut reden ! 

Wie oft denke ich so, wenn jemand mir seine scheinbar luxuriösen Sorgen auf (meiner Meinung nach) erhöhtem Jammernivieau klagt?
Der oder sie soll mal bitte ein Wochenende in meinen Mokkassins laufen, dann sehen wir uns wieder, und dann aber …

Oder aber anders herum:

Wie oft geben Mitmenschen mir klar und deutlich zu verstehen, daß meine mir echt groß erscheinenden Sorgen und Nöte sich als  lächerlich gegen über dem erweisen, was der andere gerade durch machen muss, wovon ich natürlich weder Ahnung habe noch selbst betroffen bin.

Was ich bisher verstanden habe, gebe ich sehr gerne weiter, damit es Dir vielleicht die eine oder andere leidvolle Erfahrung ersparen möge oder Du Dich traust, die Person zu werden, die Du wirklich bist.
Eine große Erleichterung und Entkrampfung Deiner gesamten Lebenslinie werden die Folge sein.
Und das wiederum würde nicht nur mich echt freuen.

 


Authentizität

Ich möchte Dir vier Kategorien* im Leben eines Menschen vorstellen, die erfüllt sein sollten, wenn Authentizität zu einer Grundeinstellung werden soll und jeweils ein alltägliches Beispiel anbringen.

1. Bewusstsein:

Sich über seine Schwächen und Stärken bewusst zu werden, seine Gefühle und Emotionen zu erkennen, sie einordnen zu können und klare Motive für sein Handeln zu entwicklen gehören unbedingt zum Prozess des Echt-Werdens.
Ich lerne meine vielschichtige Wahrnehmung (Selbstwahrnehmung) kennen und versuche wirklich, sie oft mit der Wahrnehmung  anderer von mir (Fremdwahrnehmung) gegenüber zu stellen.
Unter uns: das klafft manchmal ganz schön weit auseinander. Ist aber auf dem Weg in die Wahrhaftigkeit unabdingbar.

Beispiel:
Es gibt Tätigkeiten in unserem Haus, die kann ich wirklich richtig gut. Dazu gehören Jahreszeitliche Dekorationen, für Gastfreundschaft sorgen und Improvisation von Gerichten. Das nehme ich genau so wahr, wie viele andere.
Es gibt auch Tätigkeiten, die ich zwar auch kann, aber andere Familienmitglieder deutlich besser können und es darum auch tun.
Dazu gehören Großeinkauf, Rasen mähen, Updates installieren und
Kochen nach vorgegeben Rezept.

2. Ehrlichkeit:

Schonungslose Ehrlichkeit sich selbst und seinen Fehlern, Schwächen und Macken gegenüber zu kultivieren, mag sich zuerst unangenehm und komisch anfühlen. Nützt aber nichts. Nur wer sich selber zugesteht, nicht unfehlbar und perfekt zu sein, hat auch die Chance Verständnis und Mitgefühl für andere zu etablieren.
Was nicht heißt, dass Du Dich ab sofort als ewiger Looser und ständiges Opfer von irgendjemand oder irgendwelchen Umständen machst. Du gibst Dein Bestes und wenn es nicht Dein Ding ist, lässt Du es bleiben, auch wenn Du es wirklich ernsthaft versucht hast. Dann ist das so. Jeder kann nun mal nicht alles können. Muss auch gar nicht.

Beispiel:
Ich habe den Hang zum „noch eben …“. Das heißt im realen Leben kann es passieren, dass ich eigentlich nur die Kartoffelschale zum Kompost bringen möchte aber dann unterwegs dorthin noch eben die Vogeltränke auffülle, den Rosenbogen richte, die Schmetterlinge bewundere, eine Wolke vorbeiziehen lasse, den Wuchs meiner Buxbaumhecke bestaune, das Vogelhäuschen wieder an Ort und Stelle hänge, eine Schnecke rette und mich über das unglaublich strahlende Grün des Efeus freue, mir Gedanken über einen perfekten Standort meines Lebenstraumes mache, nämlich ein Gewächshaus, so ein englisches, oder aber…
Meine Macke, Fehler und größte Schwäche ist mein Hang mich auf „noch eben“ von allem Möglichen ablenken und bezaubern zu lassen.
Die wenigsten Kartoffelschalen landen deshalb im Kompost.
Und das ist nur ein Beispiel, das mich und meine Mitmenschen enorm herausfordert.
Da bin ich ehrlich.

3. Konsequenz:

Werte, Prioritäten und Überzeugungen sind für authentische Menschen von hoher Wichtigkeit, zumindest an dem Punkt der Persönlichkeitsentwicklung, an dem sie sich gerade befinden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch andere Positionen gehört und bedacht werden können. Es gibt jedoch so etwas wie eine Grundtendenz,  eine Grundschwingung.
Driften unsere Vorstellungen zu weit voneinander ab, werden sich unsere Wege trauriger aber konsequenter Weise trennen, möglichst in Liebe.

Beispiel:
Ich habe für mich nach gründlicher Überprüfung der mir zur Verfügung stehenden Fakten entschieden, dass es für mich persönlich sowas wie das Grundgesetz, die 10 Gebote oder allgemein-gültige Höflichkeitsnormen gibt, nach denen ich mich danach richte in aller Konsequenz. Das heißt aber nicht, dass ich das von Dir auch erwarte. Du bist Du und ich bin ich. Man kann über fast alles reden.
In Freundlichkeit und echtem Interesse. 

4. Aufrichtigkeit:

Die Bereitschaft sein Inneres mit allen Schwäche und Stärken in Beziehungen offen zu zeigen und nicht zu verleugnen.

In liebevollen, wohlwollenden Beziehungen ist es einfach für mich meine Stärken und Schwächen zu zeigen und im Gegenzug auch die anderen sein zu lassen, wie sie sind.

Beispiel:
Mir passiert es immer wieder, dass in dem Moment, in dem ich mich emotional und mitfühlend zeige, mein Gegenüber aber eine Verurteilung, eine Rechthaberei oder einen Gegenangriff erwartet, die Situation sich komplett verändert, die Atmosphäre sich entspannt und neues Wachstum auf beiden Seiten möglich ist.

 


Meisterschaft

Als hochsensibles empathisch veranlagtes Wesen war ich eine Meisterin, wenn nicht sogar eine Expertin auf den folgenden Gebieten:

Maske tragen, Selbstverleugnung, so tun als ob, Ja sagen – nein fühlen,
Weiterreiten auf toten Pferden, gute Mine zu bösem Spiel, alle Augen zudrücken, Fünfe gerade sein lassen, alles nicht so eng sehen, Verständnis zeigen für groben Unverstand, sterben verlängern.

Ein anstrengendes und verkrampftes Leben war das.
Im Nachhinein und mit dem nötigen erwachsenen Abstand betrachtet hatte dieser emense Kraftakt meinerseits nur ein einziges, halbwegs logisches Ziel.
Das Lebensziel aller Menschen, sei es nun bewusst oder im Verborgenden wirkend ist:

                            ❤️ LIEBEN   UND   GELEIBT ZU WERDEN  ❤️

Dafür tun und lassen wir Einiges. Wir brauchen die Gewissheit, dass wir richtig sind und geliebt werden um unserer Selbst Willen.

Als Mensch.
Das ist alles.
Basta!

Über die verschiedenen Ursachen und vielschichtigen Gründe von meinen gewonnenen  Meisterschaften im „Jemand anders sein“ werde ich an anderer Stelle schreiben.

Nur heute soviel:

An alle geliebten Seelen da draussen, die ihr müde und erschöpft von der Schwere eurer Masken seid, die ihr gar nicht mehr wisst  ob ihr  Ja oder Ja meint, an all diejenigen, die auf ihren toten Pferden sitzen wie in Trance, an Euch, die ihr immer noch die deckt und liebt, die euch gar nicht gut tun, die mit hineingezogen werden in krumme Unklarheiten.
An Euch möchte ich mich von Herzen richten und Euch zuflüstern:

Es muss nicht so bleiben, wirklich nicht!

 

Wenn ich es schaffen kann, die Gerda zu sein, die ich schon immer war, dann habe ich die große und berechtigte Hoffnung, dass Du es auch schaffen kannst, endlich DU selbst zu werden.

Und ja:
Ich habe gut reden!

Was berechtigt mich zu dieser Aussage?
Welche Refenerenzen kann ich aufweisen?
Nun, mindestens 30 Jahre Anti-Gerda-Kampf!
Ich habe mir keine Pause gegönnt, mich zu verstellen, zu verändern,
zu überfordern, zu belasten, zu verletzen und zu optimieren.

Meine Zeugnisse sind:
Narben, Wunden, Aufstehen, Hinfallen, Trainieren, Verzichten, Anstrengungen, Albträume, aufgeschlagene Seelenknie, massive Herzmuskelfaserrissse, chronische Erschöpfungen, Zusammenreißen, bis fast zur Selbstaufgabe …
ABER eben nur fast, Gott sei Dank!

 

Authentische Menschen haben ihren Preis in der Arena des Lebens bezahlt, sie wissen, wer sie sind, was sie wollen und wofür sie leben und nötigenfalls auch sterben.
Es ist hart und es ist manchmal schwer zu ertragen, doch der Weg lohnt sich allemal. Wenn Du es alleine nicht schaffst, gibt es auch Unterstützer, passende Begleiter. Du bist so wertvoll als der Mensch, der Du im Innersten bist.

 

 

Eine Bitte zum Ende dieses heiklen Beitrages:
„Bitte schau nicht auf authentische Menschen herab, weil sie Dich triggern und Dich mit Deinen Schatten in Verbindung bringen.“
Und diese zweite Bitte ist vielleicht noch dringlicher:
„Hebe sie nicht auf einen Thron oder Podest und erkläre sie für unnahbar, nur weil Du Dein Licht lieber unter dem Scheffel halten möchtest.“
Bitte, liebe Seele, tu das nicht.

                                       „Prüfet aber alles und das Gute behaltet!

So lautet ein guter Rat aus meiner Betriebsanleitung  für authentisches  Leben, der Bibel in 1.Thessalonicher 5,21.

Das Gute behalte!

Sei mit ehrlichem Herzen
und liebendem Blick
auf unser
Leben als Menschen
gegrüßt.

Deine Gerda

Ich bin auf meinem Weg in meine Echtheit und staune täglich, wie anders und wunderbar mein Leben sein kann. Es ist viel intensiver und reicher geworden. Besser, als ich es je für möglich gehalten habe.

Schreibe mir gerne Deine Gedanken, Fragen oder Anregungen zum Thema Authentizität und Wahrhaftigkeit. Ich freue mich über jede Rückmeldung per mail oder als Kommentar.

PS:
Am Freitag verspreche ich Dir ein Schlüsselerlebnis.

*(Die vier Kategorien sind angelehnt an die beiden Sozialpsychologen Kernis/Goldmann)

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