ABER – ABER, das habe ich nicht verdient, …

… das steht mir nicht zu.

Moin moin,

Du lieber Mensch, heute kommen meine Grüße von der längsten Sandbank der Welt.
Von Töwerland, der wunderschönen Nordseeinsel Juist. Gestern habe ich hier meinen fünfzigsten Geburtstag zelebrieren dürfen, mit einigen meiner Lieblingsmenschen, mit zauberhaften Überraschungen, Sonne und blauem Himmel mit winzigen Wölkchen. 

Ein Tag, der sich mit Sicherheit in meiner Seelengalerie für besondere Erinnerungen einen Ehrenplatz verdient hat. Die Art Erinnerung, die gebraucht wird, wenn die schlechten, die dunklen Tage kommen, die Art von Erinnerung, die am Ende meines Lebens ein mildes Lächeln auf meinen zahnlosen Mund zeichnen wird. Einer DIESER Tage, an dem ALLES gut und voller Liebe ist. 

ABER, ABER, das habe nicht nicht verdient, das steht mir nicht zu.

Wer von uns kennt sie nicht, diese Gedanken? 

Hochsensible emphatische Menschen geben nicht selten viel mehr als sie bekommen. Sie backen den Kuchen für das Klassenfest, sie sind im Kindergartenvorstand, sie stehen Fördervereinen vor, werben für die Erhaltung des Regenwaldes, pflegen Angehörige bis zur Selbstaufgabe, retten Menschen, die gar nicht gerettet werden möchten, diese Liste kannst Du gerne selber vervollständigen.

Die meisten hochsensitiven Wesen haben so ihre Probleme mit Familienfeiern, Jahrestagen oder Feiertagen im Allgemeinen. 

Ich habe Jahrzehnte lang für meine Geburtstage Kuchen gebacken, die meine Gäste mochten. An seinem eigenen Geburtstag sollte man doch auch seinen Lieblingskuchen essen dürfen oder? Ich feierte mit Menschen, die mir innerlich fern waren, ich bekam Geschenke, die ich nicht mochte, und war oft froh, wenn diese Tage dann vorbei waren. 

Aus vielen Gesprächen mit Gleichschwingenden Menschen kann ich einige Merkmale herausfiltern, die für uns emphatischen Wesen zutreffen:

1. Wir möchten, dass unsere Gäste sich in allem wohl, angenommen und willkommen fühlen.

2. Wir putzen meistens das ganze Haus VOR den besonderen Feiertagen um als perfekte  Gastgeberin zu glänzen.

3. Unser Menü wird Monate vorweg geplant und ins Detail ausgearbeitet.

4. Dekoration und Ambiente sind exakt auf das Ereignis abgestimmt, farblich, thematisch, etc..

5. Wir entschuldigen uns permanent, falls ein Kuchen nicht zu 100 Prozent dem Rezept entspricht.

6. Unsere Kindergeburtstage sind legendär, von der Einladung bis zur Gästetüte.

7. Wir sammeln das ganze Jahr Geschenkideen für Weihnachten.

8. Wir haben Geschenkpapier und Deko in grossen Mengen parat und nutzen diese auch.

9. Wir vergessen selten einen Ehrentag und wenn doch, ärgern wir uns lange danach.

Warum das alles?

Weil wir es lieben, wir sind so gemacht, wir haben eine Gabe, dass Menschen sich in unserer Nähe wohl fühlen. Wir sind aufmerksam, können loben und ermutigen. Wir schreiben Karten, wir rufen an und wir haben für jede Person ein gutes Wort und ein offenes Ohr.

Wiedererkannt?

Das sind wunderbare Eigenschaften. Wir werden gebraucht. Uns kann man immer nach einer kreativen Geschenkidee fragen. 

Solange es wirklich Spass macht, wir selber auch aufblühen und beide Seiten happy sind.

Schwierig wird es, wenn es zum Selbstverständnis wird oder wenn der alte Freund Mister Perfekt uns mal wieder die Hand zu einem Spaziergang reicht. Wenn ein Geburtstag unseren Puls beschleunigt, den Magen übersäuert oder den Kopf platzen lässt, dann ist es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Vor genau 10 Jahren habe ich durch eine wunderbare Begegnung die Insel Juist kennen und lieben gelernt. Ich versuche mindestens einmal im Jahr etwas Zeit hier zu verbringen, denn jedes Mal geschieht hier an diesem Kraftort etwas mit mir und meinem Herzen. Jedes Mal.

Das Meer macht etwas mit mir. Ich habe hier schon sehr viel in Sachen: loslassen, zulassen, weglassen, verlassen und belassen lernen dürfen. Jedes Mal. Nicht selten habe ich die Veränderung erst Monate später gemerkt.

ABER, ABER, das habe ich nicht verdient, das steht mir nicht zu, gehörte bis vor 10 Jahren fest zu dem Auslieferungszustand meiner Seelensoftware. Nicht nur an Feiertagen, auch in anderen Lebensbereichen war diese Glaubenssatz wie eine Prägung, ein Muster, ein Tattoo.

In diesen letzten 10 Jahren ist viel geschehen. Die Software wurde mehrere Male angepasst, die Aktualisierung hat geklappt. Später mehr Geschichten dazu.
Denn, jeder von uns, der sich für seine Kinder, für seine Eltern, und für tropische Hölzer, für Tiere in Not oder den Erhalt von Grottenolmen einsetzt und dies mit ganzem Herzen und voller Hingabe über lange Zeit tut, hat es verdient gefeiert zu werden. Es steht ihm allemal zu und Dir auch!

Gestern bin 50 Jahre alt geworden, ich habe mit einer Orkantüte (riesiger Windbeutel mit Vanilleeis, Schlagsahne und heissen Kirschen) die nächsten 50 eingeläutet, am Ort meiner Wahl, mit Menschen die mich lieben.

Und was soll ich sagen?

„Das hab ich mir verdient!“

In Liebe

Deine Gerda

PS: Zuhause wird natürlich noch ein wenig nachgefeiert, mit einem kleinen Fest.

Eine Antwort auf „ABER – ABER, das habe ich nicht verdient, …“

  1. Ich freue mich schon sehr darauf mit dir deinen Geburtstag nachzufeiern. Es ist sehr schön von dir zu lesen… aber noch lieber mag ich die Persönlichen Gespräche mit dir Ich denke ich werde öfter mal nachsehen was es hier neues gibt . Gratulation das du den Mut gefunden hast diese Seite ins Leben zu rufen. Mit freundlichen Grüßen deine Nachbarin Sahra

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